Nostalgieschiff MS "Stadt Wien"

 

 

                                                                                                                                                                                                                                                      

 

 

                                                                                                          

 

                                                                                       

 

   

                                                                                    2014

                                Erste Ausfahrt Dürnstein

 

Auch in diesem Jahr führte die erste Reise der "Stadt Wien" in das malerische Örtchen Dürnstein in der Wachau. Bereits beim Marsch zur Donau hinunter bemerkten wir den Reeder, der agil wie eh und je, vor seinem Kaufhaus an seinem "Oldtimer" herumwerkte. Da an diesem Wochenende in Tulln ein Auto- "Oldtimer" Treffen stattfand, würde er sicherlich auch dabei sein. Als jedoch das Nostalgieschiff vor unseren Augen auftauchte, erlitten wir gleich einmal einen kleinen Schock. Eine lange Menschenschlange, die weit über den Anlegeponton hinausreichte, hatte sich da gebildet. Der Grund dafür war, dass Inhaber der "Niederösterreich - Card" diese Fahrt unentgeltlich in Anspruch nehmen konnten. Was auch viele Familien samt Anhang getan hatten. So blieb uns nichts anders übrig, sich in die Schlange der Wartenden einzureihen. Kaum hatten wir uns auf eine lange Wartezeit eingestellt, erschien auch schon Managerin Frau Brigitte. Sie erkundigte sich, ob es noch Reisende ohne diese Karte gäbe. Nachdem wir uns, neben weiteren Personen gemeldet hatten, konnten wir an den Wartenden vorbei ins Innere des Schiffes marschieren. Auch hier galt das Motto - Vollzahler zuerst - was wir auch völlig richtig fanden. So blieb uns noch genügend Zeit einen schönen Platz am Oberdeck zu suchen. Während das Schiff immer voller wurde.

                                                                                 

       Warteschlangen hatten sich vor der Abfahrt gebildet, während große Kabinenschiffe talwärts fuhren. Kurz vor der Abfahrt: Kapitän und sein "Zweiter" auf dem letzten Rundgang. Hier der Beweis: Fahrkarten für Vollzahler.

Pünktlich wurde um 09.45 Uhr bei prächtigem Wetter ohne Schwierigkeiten abgelegt. Auch bei der Besatzung hatte es einige Änderungen gegeben. Zwar lag die Schiffsführung weiterhin in den Händen des bewährten Kapitäns- Sirs Raimund sowie Chefsteuermann Otto ohne Nerven, alias "Onkel Stauby". Der II. Kapitän, Bootsmann, Decksmann sowie leitender Maschinist waren aber neu. Der "Zweite" eigentlich so neu auch wieder nicht. Ein überaus sympathischer junger Mann, der schon einige Male bei den Reisen an Bord gewesen war. Die "Mutter des Schiffes" (Bootsmann) war nicht weniger sympathisch. Ein bulliger Typ mit oberösterreichischem Akzent, der anscheinend überall überall zupacken konnte. Nautisch konnte man ihm nichts vormachen. Lange Zeit war er auf der "Schönbrunn" gefahren, ehe es ihn, aus welchen Gründen auch immer, auf die "Stadt Wien" verschlagen hatte. Als Decksmann fungierte der Stiefsohn des Steuermanns, der sich besonders für das Ruder interessierte. Zeitweise durfte er auch das Schiff steuern. Als Maschinenbetriebsleiter hatte man sich diesmal den Herrn Ing. von der "Schönbrunn" ausgeborgt. Damit funktionierte auch im Maschinenraum alles prächtig.

                                                                            

                                                                                         Die neue, alte Besatzung der "Stadt Wien"

Auf der Bergfahrt gab es sogar ein Konzert für die Freunde der E- Musik. Eine Künstlerin und ein Künstler trugen auf Harfe und Cello diverse Musikstücke vor. Wobei sich der schwarz gekleidete Mann mit langen Haaren etwas exzentrisch, eben als richtiger "Künstler" gab, den die lauten Durchsagen des Kapitäns störten. Bei solch einem Lärm könne er nicht arbeiten. Ob viele Leute im Speisesaal Achtern zuhörten, kann ich nicht sagen. Wir taten uns nämlich diesen Kunstgenuss nicht an, meine Prioritäten lagen woanders. Z. B. den II. Kapitän beobachten, der unter Aufsicht seines Chefs, das Schleusenmanöver in Altenwörth durchführte. Es klappte ausgezeichnet.

                                                                             

                               Weiter stromauf passierten wir die Orte Moosbierbaum und die Schleuse Altenwörth. Auf diesem Stromabschnitt herrschte auch reger Kabinen- Schiffsverkehr.

Dürnstein wurde planmäßig um 13.30 erreicht. Dort stand schon der Bummelzug bereit, der die Passagiere zu einer kleinen Stadtrundfahrt einlud. Ich glaube der Preis dafür bewegte sich zwischen drei und vier Euro. Auch wir machten einen Abstecher an Land hinaus, ohne jedoch das wartende Verkehrsmittel in Anspruch zu nehmen. Das kleine Örtchen war voller pulsierenden Leben, da auch das Passagierschiff "Admiral Tegetthoff" inzwischen angelegt hatte. Es wimmelte auch von Radfahrern, wobei die meisten dieser Freizeitsportler bereits mit einem Elektro- Fahrrad unterwegs waren. Alle Geschäfte und Wirtshäuser waren geöffnet und die Preise ganz schön geschmalzen. Außerdem brannte die Sonne umbarmherzig vom Himmel und so kam man ganz schön ins Schwitzen. Durch das viele Schauen hätten wir bald die Abfahrtszeit versäumt. Wir trafen gerade noch kurz zuvor an Bord ein.

                                                                                 

                                                                        Am Ponton in Dürnstein wartete schon der Bummelzug, der die Reisenden in den Ort brachte.

Etwas verspätet wurde so gegen 15.45 Uhr abgelegt. Bereits beim Wendemanöver bewiesen Kommandoführender und Steuermann welch hervorragende Schiffsleute sie doch waren. Das sicherlich nicht einfache Wendemanöver gelang durch einen kleinen Trick gleich beim ersten Mal. Da merkte man wieder die Routine der beiden alten Seebären von der alten DDSG- Schule. Denn auch bei der Schleusenfahrt in Altenwörth spürte man nicht den kleinsten Ruck, als der klobige Schiffskörper an der Schleusenmauer angeheftet wurde. Onkel "Stauby" schien mit der "Stadt Wien" verwachsen zu sein...

Auch auf der Talfahrt herrschte ausgezeichnete Stimmung, die zum Teil der Hitze und dem Alkoholgenuss geschuldet war. So meinte ein junger Mann in Lederhosen wirklich ernst zu seinen beiden, sicherlich nicht besonders hübschen Begleiterinnen im Dirndlgwand, fast schon euphorisch: "Ihr seid die hübschesten Frauen hier an Bord!". Aber auch ein alter Schiffsmann meldete sich, der einige Zeit als Maschinist auf der "Stadt Wien" verbracht hatte. Er gab lustige Episoden aus der damaligen Zeit zum Besten.

                                                                            

                                                           Immer wieder schön vom Wasser aus zu sehen: Stift Göttweig und der Beginn der Wachau- Krems.

Schiff und Mannschaft machte einen guten Gesamteindruck. Nur die Holzstufen am Kommando waren noch nicht repariert worden. Hier bestand noch immer erhöhte Stolper- sowie Verletzungsgefahr. Auch das Hineinklopfen einer weit in die Höhe stehenden Schraube brachte nicht den gewünschten Erfolg. Hier herrscht weiterhin Handlungsbedarf. Den guten Eindruck trübte leider dieses Mal das "Catering- Team". Viele Leute der Bedienung waren anscheinend der Deutschen Sprache nicht mächtig und die Wartezeiten wuchsen teilweise bis über zwanzig Minuten an. Sicherlich nicht ideal für eine solche Tagesfahrt. Außerdem schien es nur einen Fixpreis von sechs Euro zu geben, denn Würstel, Kaffee, Mineralwasser usw. kosteten alles dasselbe. Hier wäre dringend Abhilfe zu schaffen.

Nachdem das schwierige Anlegemanöver in Tulln zur vollsten Zufriedenheit aller Beteiligten durchgeführt worden war, meinte der Herr Kapitän zur famosen Steuermannsleistung: "Also, wenn Otto noch bügeln könnte, ich würde ihn sofort heiraten".

Sprach`s, zog sich um, setzte sich auf sein schnittiges Motorrad um davon zu brausen.

                                                                                                                                           

                                                                                                                                      Die beiden "Macher" des Nostalgieschiffes

 

 

 

                        Nostalgie- Schiffs - Tandem Tulln- Krems- Dürnstein

Am Sonntag, dem 22. Juni 2014 führte die "Stadt Wien" eine Sonderfahrt nach Dürnstein durch. Unter dem großartigen Titel (siehe Überschrift) wurde der Event beworben und von zahlreichen Menschen auch wirklich in Anspruch genommen. Hauptgrund dafür war sicherlich, dass Besitzer der NÖ- Card auch diesmal gratis mitfahren konnten. (Gratis aber nicht umsonst). So erklärte sich auch die große Passagieranzahl von ca. 319 Leuten, die da in Tulln an Bord gingen. Wieder hatte sich eine große Menschenschlange gebildet, die aber nicht so lang wie beim ersten Mal war. Ein Grund für die etwas raschere Abwicklung beim Einsteigen war sicherlich auch, dass man schon vor der offiziellen Einstiegszeit damit begann, die Leute abzufertigen. Was wiederum einen Fahrgast beim Anblick der vielen NÖ- Card - Besitzer zu dem Ausspruch "300 Umsonst- Fahrer sowie 19 Deppen die den gesamten Fahrpreis bezahlen", verleitete. Wir zählten uns aber trotzdem nicht zu den Deppen, obwohl wir wie immer, den gesamten Fahrpreis gelöhnt hatten. Dabei waren11 Hundebesitzer, die es sich nicht nehmen ließen mit ihren vierbeinigen Lieblingen an Bord zu gehen. Was ich eigentlich nicht richtig fand, denn ich meine, dass Hunde auf einem Schiff nichts verloren haben. Kurz vor Abfahrt radelte auch noch der wie immer dynamisch und sportlich wirkende Schiffseigner herbei, um höchstpersönlich die Abfahrt "seines" Schiffes zu überwachen. Unter seinen gestrengen Augen setzte sich die "Stadt Wien" bei bewölktem Wetter pünktlich im angenehmen Rhythmus ihrer Schaufelräder in Bewegung.

                                                                                

                             Auch die "KAISERIN ELISABETH" stand in Tulln zur Abfahrt zu Berg bereit. Unter den gestrengen Augen des jugendlichen Reeders legte man ab.

Obwohl das Schiff erst um 04.00 Uhr von der Sonnwendfeier- Fahrt aus der Wachau zurückgekommen war, konnte man keine Müdigkeit bei der Besatzung zu erkennen. Ganz im Gegenteil. Alle zeigten sich topfit und es war ihnen die Freude an der Arbeit anzusehen. Sie waren eine Einheit und auch der neue Decksmann fügte sich hervorragend in das Ensemble ein. Noch dazu, wo er unter der Leitung des Chefsteuermanns Ruderdienst leisten durfte, so auch von dieser Seite her den Strom erklärt bekam. Aber auch der rührige Bootsmann zeigte sich sehr ambitioniert, als er Führungen veranstaltete. Wobei er den Fahrgästen das gesamte Schiff fachmännisch erklärte. So war alles eitler Sonnenschein, wäre nur die Restauration nicht gewesen. Es waren wieder dieselben Leute von dem Catering am Werk, die schon bei der letzten Fahrt für Unruhe gesorgt hatten. Hier hatte sich leider überhaupt nichts verändert und schon bald wurde der Herr Kapitän mit Beschwerden der Passagiere überhäuft. Hier sollte dringend Abhilfe geschaffen werden! Nicht umsonst lautet ein Wahlspruch auf einem Donauschiff "Wenn das Papperl und die Bedienung in Ordnung ist, dann fühlt man sich wohl". Aber auch noch eine andere Schwierigkeit tat sich jetzt auf. Da sich für die Nostalgie- Fahrt nach SPITZ nur 11 Leute angemeldet hatten, beratschlagte man fieberhaft wie man weiter vorgehen sollte. Mit so wenigen Leuten zahlte sich eine Weiterfahrt finanziell sicherlich nicht aus, da hätte der Treibstoff allein schon mehr gekostet. Also beschloss man in Übereinstimmung auf diese Fahrt schweren Herzens zu verzichten und doch nur bis Dürnstein zu fahren. Eine Entscheidung, die auch per Bordlautsprechen durchgegeben wurde und die man nachvollziehen konnte. Was aber der schon einmal zitierte Passagier so kommentierte: "Wie ich schon einmal sagte, 300 Gratis- Schmarotzer, die lassen doch keinen Cent aus wenn es etwas kostet". Sie führte die "Schönbrunn", die in KREMS stand, die so genannte "NOSTALGIE- SCHIFFS- TANDEM - FAHRT" allein durch.

                                                      

   Die Schleuse ALTENWÖRTH mit der imposanten Schleusenkammer. Die Mannschaft ist wie immer gut drauf. KREMS kommt in Sicht mit der "SCHÖNBRUNN" wie auf einer Postkarte.

Die "Stadt Wien" legte inzwischen pünktlich am DÜRNSTEINER- Ponton an. Da wir diesmal nicht an Land gingen, hatten wir ausführlich Gelegenheit die vorbeifahrenden Schiffe zu fotografieren. Es waren ziemlich viele, da auf diesem Stromabschnitt reger Schiffsverkehr herrschte (Endlich, musste man schon sagen).

                                                       

                    In DÜRNSTEIN gab es genügend Motive zum Fotografieren. Besonders die großen Kabinenschiffe sind immer wieder ein imposanter Anblick.

Nach der angegebenen Abfahrtszeit ging es wieder stromabwärts. Die Stimmung am Kommando war ausgezeichnet und mit der Schiffsmannschaft wurde viel gelacht. Der guten Stimmung tat es auch keinen Abbruch, dass man fast fünfzig Minuten mit gedrosselter Maschinenkraft fahren musste. Die Schleusenkammer in ALTENWÖRTH war zur Schleusung noch nicht bereit. Was so mancher Passagier freilich gar nicht mitbekam. Denn das gleichmäßige Eintauchen der Schaufelräder ins Wasser sowie der gute Wein hatten ihren Teil dazu beigetragen, dass man schon einnicken konnte.

                                                                   

               BRANDNER- Reederei im Linienverkehr unterwegs. Die letzte Begegnung mit der "SCHÖNBRUNN". Blick über die Schleuse ALTENWÖRTH. Es gibt nur noch Schubschifffahrt auf dem Fluss.

TULLN erreichte man mit einer minimalen Verspätung. Nach einer butterweichen Landung (Alle Achtung ihr Schiffsleute) konnte man kurz nach 18.30 Uhr gut erholt von Bord gehen. Jedenfalls war es wieder einmal eine schöne Reise im Kreise alter DDSG- Mitarbeiter. Sie versuchen immer wieder die Tradition der alten DDSG aufrecht zu erhalten. Mit den bescheidenen Mitteln, die ihnen noch geblieben sind. Wenn es auch in diesen Zeiten sehr schwer ist, kann man ihnen eines nicht absprechen - sie machen es schon verdammt gut...

                                                                 

                                              Die Mannschaft war gut drauf. Auch ein Maschinenchef braucht mal frische Luft. Herr Klaus lässt sich neben dem Kapitän den Wind um die Nase wehen.

 

 

 

                        Steuermann am Donauschiff 

                                                   Unserer besonderer Geschenktipp

 

                                                               

Mit dieser Aktion wird auf der Homepage (HP) der "Stadt Wien" geworben. Auch ich wollte mir das nicht entgehen lassen, denn man sollte ja vieles in seinem Leben ausprobieren. Warum also auch nicht einmal ein Donauschiff steuern? Noch dazu, wo das ganze inkludierte Rundherum einiges versprach (siehe oberes Bild). Da ich mir schon vor einiger Zeit einen Termin mit dem Herrn Kapitän ausgemacht hatte, war es am Sonntag, dem 11.08. 2014 soweit. Wir machten uns auf den Weg nach TULLN, um dort das Schiff zu betreten. Wo die Anlegestelle schon lange vor der offiziellen Einlasszeit von einer langen Warteschlange der NÖ- Card- Besitzer umlagert war. Dazu kam noch eine größere Gruppe älterer Personen, die vom Roten Kreuz ebenfalls zu dieser Reise eingeladen worden waren. Aber diesmal hatte man klug und umsichtig reagiert. Um ein durchaus mögliches Chaos zu vermeiden, durfte die, unter den Schirmherrn des Roten Kreuzes stehende Gruppe, das Schiff beim vorderen Eingang betreten. Die NÖ- Card- Fahrer wurden über den zweiten Eingang am Heck eingelassen. Welches aber zahlreiche Neuankömmlinge vorerst nicht akzeptieren wollten. Aber die Mannschaft, die den Einstiegsvorgang überwachte, schaute schon darauf, dass alles seine Ordnung hatte und niemand bevorzugt wurde. Vom Kapitän aufs Schiff gebeten setzten wir uns vorerst einmal ins linke Nockhaus. Wo wir gut die Bemühungen der Mannschaft beobachten konnten, die großen Baumstämme, die sich in den Schaufelräder des Schiffes verfangen hatten, wieder hinaus zu bekommen. Was nach einigen vergeblichen Versuchen dann auch gelang. Die Schiffsbesatzung war gegenüber unserer letzten Reise gleich geblieben. In der Maschine amtierte noch immer der baumlange Maschinenchef mit der schnarrenden Stimme. Er hatte aber dieses Mal einen jungen Mann dazubekommen, der ihn tatkräftigst bei seiner schwierigen Arbeit unterstützte. An Deck leistete ein junges, sehr sympathisches Besatzungsmitglied seinen Dienst, der das Team kompetent ergänzte. Als wir aber die Leute vom Catering- Service sahen, wussten wir bereits was wir vom Essen erwarten konnten. Nämlich nichts- es war noch immer dasselbe Küchenteam wie bei unserer letzten Fahrt.

                                                                                 

                                Menschenmassen vor dem Einstieg in TULLN. Auch der Kapitän hilft bei der Aufteilung der Leute sowie beim Kampf gegen die Bäume mit. Während der Bootsmann alles für die Ausfahrt herrichtet.

Kurz vor Abfahrt erschien auch noch der jugendliche Eigner. Drahtig, tänzerisch leicht und wie ein alter Schiffmann bewegte er sich trotz seines hohen Alters, Wenn man ihn so herumturnen sah dann hätte man ihm nie auf Ende 70 geschätzt, höchstens auf 78. Er war voller Ideen und sprühte förmlich vor Tatendrang. So wollte er unter anderem seine HP neu gestalten und hatte aus diesem Grund einen Fotografen an Bord. Dieser sollte bei einer Fahrt mit der Motorzille rund ums Schiff schöne Bilder "schießen". Aus diesem Grund wurde auch die Flaggenparade aufgezogen, wobei der Eigner selbst Hand mitanlegte. Nachdem der Profiknipser mit zwei Mann der Besatzung seine Runden um das Schiff gedreht hatte, konnte es endlich richtig losgehen. Mit über 400 Passagieren und bei prächtigem Wetter tuckerte man DÜRNSTEIN entgegen. Wobei es auch der Schiffseigner vorzog an Bord zu bleiben und sich ein sonniges Plätzchen vor dem Ruderstand sicherte.

                                                                       

                              Während der Kapitän beim Flaggenhissen dabei ist, wird das Schiff richtig ins Bild gesetzt. Schleuse ALTENWÖRTH taucht auf, Schleusenmanöver wird vorbereitet.

Nach der Schleuse Altenwörth durfte ich ans Ruder. Wobei mir der Herr Steuermann, ein alter Bekannter, schon Vorwürfe machte: "Was hast du denn nichts gesagt? Ich hätte dich doch auch so fahren lassen. Dafür brauchst du doch nicht extra zu bezahlen". Worauf ich ihm entgegnete, dass ich einmal dieses Angebot testen wollte. Das Steuern machte mir großen Spaß, ehe ich kurz vor der Durchfahrt der zweiten Donaubrücke in KREMS vom Herrn Steuermann abgelöst wurde. Wahrscheinlich traute man mir die Brückenpassage doch nicht zu. Es dauerte auch nicht lange, bis die ersten Beschwerden der Fahrgäste über die Restauration laut wurden. Man hätte eine halbe Stunde auf Getränke warten müssen, die Würstel wären eiskalt gewesen und und einige Zeit hätte sich die Bedienung überhaupt nicht blicken lassen. Alles wie gehabt. Was wir ja auch noch von unserer letzten Reise her bestätigen konnten. Und in dieser Tonart ging es dann auch weiter, denn auch im vorderen Speisesaal gab es nur Beschwerden.

                                                                        

                        Auch die Restauration beginnt mit ihrer Arbeit. Macht einen zufriedenen Eindruck, der Herr Steuermann. In KREMS begegnete man vielen Kabinen- und Linienschiffen

Da wir DÜRNSTEIN mit einer Verspätung von 15 Minuten erreichten, wurde dort die Liegezeit eben um diese Viertelstunde verlängert. Nach dem Anlegen wurde der Eigner abgeholt und zusammen mit dem Fotografen in seinem Oldtimer nach Tulln transportiert. Zusammen mit der Mannschaft wollten wir jetzt auch unser Mittagessen einnehmen. Auf der Speisekarte gab es nicht viel zum Auswählen. Als wir rasch unsere Wahl getroffen hatten wurde uns erklärt, dass dieses bestellte Gericht bereits aus wäre. Was wir eigentlich als einen schlechten Scherz empfanden. Nachdem wir unseren Unmut darüber deutlich geäußert hatten, gab es plötzlich doch noch die beiden letzten Portionen. Okay, das Fleisch war ziemlich mürbe und auch der dazugehörige Saft schmeckte nicht schlecht. Aber die Teigwaren waren im Geschmack eigentlich undefinierbar, sie schmeckten hart, trocken und schal. Worauf der Kapitän spontan regierte und sich sein Mittagessen lieber an Land einverleibte.

                                                                                              

                                                Auch ein Bootsmann spannt gern aus und mischt sich an Land unter die Fahrgäste. Schiffsverkehr in DÜRNSTEIN

Nach einem ausgezeichneten Umkehrmanöver ging es wieder zu Tal und kurz nach KREMS wurde ich wieder zum Ruderdienst eingeteilt. Wobei der Herr Steuermann auch nicht mit Lob für meine Fahrkünste sparte. Welches ich mit dem Hinweis: "Im Stausee kann ein jeder fahren. Da kannst auch einen Vierjährigen zum Ruder stellen", quittierte. Meine Worte wurden dann auch indirekt bestätigt, als ich schon weit vor der Schleuse meinen Posten räumen musste. Diesmal übernahm der II. Kapitän, auch ein toller Typ, das Ruder. Ganz nett fanden wir dann die kleine Zeremonie die nun in der Schleuse stattfand. Während ich vom Herrn Kapitän die Urkunde überreicht bekam, erschien die Frau Managerin am Kommando um mir und meiner Begleitung ein Glas Sekt zu kredenzen. Als man mich danach (natürlich wieder im Stausee) zum Ruderdienst einlud, lehnte ich mit der Begründung: "Ich habe den Reeder eh schon genug gesponsert. Heute fahre ich sicher keinen Meter mehr", bestimmt ab.

                                                                            

                Fleißig wie eine Biene- die Frau Managerin. Die Schleusenlichter sind nur sehr schlecht zu sehen, die rechte Schleuse ist frei. Ein tolles Gefährt hat vor der Schleuse angelegt.

TULLN erreichten wir, genau nach Fahrplan um 18.30 Uhr. Nach einem ausgezeichneten Manöver beeilten sich die ersten vom Schiff zu kommen. Wobei die Frau Managerin, die zur Verabschiedung bereit stand, sogar mit den Worten. "Auf wiedersehen Frau Kapitänin", bedacht wurde. Wahrscheinlich wegen der vier Streifen auf ihrer Uniformbluse. Wenn es vielleicht auch nicht so war wie ich es mir vorgestellt habe, das Angebot noch sehr verbesserungsfähig erscheint, es war auf jeden Fall einen Versuch wert. Für mich ein tolles Erlebnis, wieder einmal mit den "alten" DDSG- Mitarbeitern zusammen gewesen zu sein. Allein das Ambiente, das besondere Flair, welches Raimund und "Onkel Stauby" (Steuermann) verströmten, rechtfertigte diese Fahrt. Vielleicht erkennt uns jetzt auch die Frau Managerin auf einer unserer nächsten Reisen? Denn bisher hat sie ja mit unseren (wie ich meine doch bekannten dummen Gesichtern) nichts anfangen können. Aber wie ja gesagt, in dieser bestehenden Form würde ich sicher nicht mehr dieses Angebot, ein Donauschiff zu steuern, in Anspruch nehmen.  

                                                                                                                                              

 

 

 

 

 

 

 

 

                                                                                        

                                                                                             Mehrzweckschiff "EISVOGEL" bei Eröffnung der MARINA- WIEN im Mai 2011

 

 

                                                        Die ganz besondere Reise

Das Motorschiff "EISVOGEL" ist im Wiener Hafen FREUDENAU stationiert. Es wird als Eisbrecher- Zug- Berge- sowie Feuerlösch - Schiff verwendet. Dazu kommt es noch bei Festveranstaltungen (z. B. bei der "MARINA"- Wien- Eröffnung, Promenadenfest bei der Reichsbrücke) zum Einsatz. Der Besitzer ist der HAFEN Wien, der mit dem Schiff die Eisdecke in den Häfen ALBERN, FREUDENAU und LOBAU bricht. Der "EISVOGEL" kann bei Gästefahrten 90 Personen aufnehmen, die Besatzungsstärke beträgt ca. 5 Mann. Es wurde 1955 von der Schiffswerft Linz erbaut. Weitere Schiffsdaten sind: Länge 31,71 m, Breite 6,50 m, Tiefgang 1,00 bis 1,50 m. Die Wasserverdrängung beträgt 135 bis 215 t. Die Hauptmaschinen bestehen aus 2 MAN 5-Zylinder 4- Takt- Dieselmotoren mit einer Leistung von 520 PS/ 382 Kw. Der Hauptantrieb besteht aus 2 Propeller mit je 1.100 mm Durchmesser.

Da das Mehrzweckschiff vor einigen Wochen zu Überholungszwecken in die Linzer Schiffswerft gebracht worden war, musste es auch wieder nach Wien rückgeführt werden. Zu diesem Zweck machte sich die obligate Schiffs- Mannschaft auf, um den "EISVOGEL" in der oberösterreichischen Landeshauptstadt zu übernehmen. Die Protagonisten dieser Reise waren:

Kapitän MICHL, ein junger aufstrebender ehemaliger DDSG- Schiffsjunge, der aus einer alt eingesessenen Schifferfamilie stammte. Überaus sympathisch und sehr kompetent.

ADI, der grimmige Maschinenchef, der sein Herz auf der Zunge trug. Rau aber herzlich. Ein richtiger "Hackler", eigentlich "das Mädchen für alles" hier an Bord. Scheute vor keiner Arbeit zurück.

Ein Abteilungsleiter im Netzwerk des Wiener Hafens. Sehr kompetent und immer gut aufgelegt, der sich besonders bei den anfälligen Seilarbeiten als sehr geschickt erwies.

TONI, die "graue Eminenz" der ganzen Truppe. Genannt der "Reeder" oder "Chef". Ein Betriebsratsobmann noch vom alten Schlag, wie ich schon viele kennen gelernt hatte. Hemdsärmelig hielt er kompetent die Fäden hier fest in der Hand, sein Wort galt auch ohne Unterschrift. Er kümmerte sich in erster Linie um das leibliche Wohl der Besatzung. Da er gelernter Koch war, kochte er ausgezeichnet.

Als Verstärkung hatte man sich Kapitän RAIMUND, einen ehemaligen DDSG- Schiffsführer i. R. dazugeholt. Er war ja auch schon bei der Bergreise dabei gewesen. Ja, und damit kam auch ich ins Spiel. Raimund, der ganz genau wusste wie gerne ich einmal eine solche Fahrt mitmachen würde, hatte schon beim "Reeder" vorgefühlt. Völlig überraschend konnte ich auch wirklich, nach dessen Okay, an Bord gehen. Wofür ich ihm sehr dankbar war, denn es sollte eine unvergessliche Reise für mich werden. Aber alles der Reihe nach.

                                                            

                                                                             Die tolle Schiffscrew. Leider bekam ich Toni nicht gut vor die Linse, er hielt sich lieber im Hintergrund

 

                                        Tag 1. Von der Linzer Schiffswerft nach Aggsbach Dorf

Nachdem das Unternehmen um eine Woche verschoben wurde, war es am Dienstag, dem 11.06.2014 so weit. Gemeinsam in Raimunds Pkw. erschienen wir schon vor 07.30 Uhr beim Treffpunkt im Wiener Hafen. Da uns noch genügend Zeit blieb, schauten wir uns ein wenig um. Wobei gleich einmal auffiel, dass überhaupt kein Schiffsverkehr herrschte. Auch standen keine Selbstfahrer oder Schubschiff- Bargen zur Be- oder Entladung bereit. Alles hatte sich augenscheinlich auf Schiene und Straße verlagert. Dazu passte auch ins Bild, dass ein Teil des Hafenbeckens zugeschüttet und so Land gewonnen wurde. Trotzdem tat so etwas zu sehen schon sehr weh. Doch was soll`s, der Fortschritt lässt sich nicht mehr aufhalten. Wenn man dabei überhaupt von einem Fortschritt sprechen kann? Schön langsam trafen dann auch die weiteren Besatzungsmitglieder ein, mit denen man sich schnell bekannt machte. Kurz nach 08.00 Uhr ging es schließlich mit einem geräumigen kleinen Bus nach Linz. Wobei mir auch das Fehlen des Chefkapitäns zugute kam, denn sonst hätte ich im Bus auch keinen Platz mehr gehabt. Bei strahlendem Sonnenschein und ausgezeichneter Stimmung erreichten wir nach einer ca. vierstündigen Fahrt die Linzer Schiffswerft.

                                                       

                                                  Impressionen aus der Linzer Schiffswerft. Es geht los, die Flagge wird neu aufgesteckt.

  

Da der "EISVOGEL" noch am Stapel stand, also aufgedockt war, hatte ich schon Angst auf einer klapprigen Holzleiter, so wie damals in meiner DDSG- Zeit, aufs Schiff klettern zu müssen. Doch auch hier hatte sich vieles getan. So konnte man mithilfe einer breiten, eisernen Gangway bequem aufs Schiff gelangen. Während nun die Crew vom Schiff wieder Besitz ergriff, legten die Werftechniker im Maschinenraum die letzten Handgriffe an. Um 12.30 Uhr wurde das Mehrzweckschiff ins Wasser gelassen, um die Maschinen auszuprobieren. Leider gab es dabei Schwierigkeiten, die erst nach einiger Zeit behoben werden konnten. Was Raimund zu dem Ausspruch: "Ich glaube wir müssen nach Hause rudern. Immer wenn man in der Werft war, dann funktionierte danach nichts mehr". Ich benützte diese Gelegenheit um zu fotografieren, schließlich war es ja mein erster Werftbesuch. An Motiven herrschte ja wahrlich kein Mangel. Nachdem schließlich alle Probleme behoben waren, konnten wir, nach einer kleinen Probefahrt, endlich unsere Fahrt antreten. Leider war es inzwischen schon 14.30 Uhr geworden, wir hatten also schon große Verspätung. Die Sonne brannte umbarmherzig vom Himmel, doch der kühle Fahrtwind ließ die große Hitze wieder erträglich werden.

                                                 

                                 EISVOGEL am Stapel. Besorgte Blicke in den Maschinenraum. Kann man die Schwierigkeiten in den Griff bekommen?

Raimund stand am Ruder als der Bug des "EISVOGELS" endlich stromabwärts zeigte. Als wir die vielen ehemaligen DDSG- Schiffe passierten, die knapp unterhalb an Land ausgeheftet waren, blutete uns das Herz. Der ganze Stolz der ehemaligen DDSG war dort abgestellt um auf die Verschrottung zu warten. Ein sehr trauriger Anblick. An Bord war so etwas wie rege Betriebsamkeit zu spüren, aus der Toni hervorstach. Seine rauen und netten Worte lauteten: "Wannst an Dursch host, dann nimm da wos aus dem Kühlschrank. Es ist genug do. Es werden keine Strichellisten geführt. Wannst an Hunga host, donn musst es mir nur sogn".

                                                         

                                                             Abgestellt und bald verschrottet- ehemals stolze DDSG - Schiffe

Die Schleuse ABWINDEN - ASTEN bei Stromkilometer 2119 erreichten wir bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 19,8 km/h um 15.15 Uhr. Nach der Schleusung ging es dann um 15.35 Uhr wieder weiter. Bei MAUTHAUSEN, km 2112, das wir um 15.55 Uhr mit 20,9 km/h passierten, gab es wieder viel zu knipsen. Eines der Motive war natürlich die Enns- Fähre, wobei ich gleich an den berühmten Otto denken musste. Unser GOAZ (Größter Otto aller Zeiten) hatte dort jahrelang als Fährmann ausgeholfen. Leider jetzt nicht mehr. Zur Schleuse WALLSEE- MITTERKIRCHEN, km 2094, kamen wir um 16.50 Uhr. Geschwindigkeit 19,1 km/h. Nach der Schleusung wieder in Gang um 17.05 Uhr. Die GREINER BRÜCKE, km 2080, wurde um 17.43 Uhr passiert, Durchschnittsgeschwindigkeit 21,0 km/h.

                                                            

                                Schleuse Abwinden - Asten, danach die Enns - Fähre in Mauthausen, ehe die Schleuse Wallsee- Mitterkirchen in Sicht kommt.

Am Ruder lösten sich die beiden Kapitäne ab und auch der Herr Abteilungsleiter stand eine lange Zeit dort. Überhaupt fiel auf, dass sich bei den Manövern die Besatzung sehr geschickt anstellte. Was ja nicht selbstverständlich war, denn die Männer waren ja keine gelernte Schiffsleute. So lief alles hervorragend, die Stimmung war weiterhin gut. Leider mussten wir vor der Schleuse YBBS- PERSENBEUG, km 2060, über eine Stunde warten, sodass wir erst um 19.20 Uhr zur Schleusung und sehr spät um 19.45 Uhr wieder in Gang kamen. Mit dem hatte wohl niemand gerechnet. Es war nun klar, dass der Arbeitstag doch etwas länger als geplant dauern würde. Die MELKER- Schleuse bei km 2038, wurde um 20.50 Uhr erreicht. Nach der Schleusung ging es um 21.10 Uhr wieder weiter. Schön langsam wurde es auch dunkel.

                                                           

                                                                                      Kurz vor der Greiner Brücke, Schleusen Ybbs und Melk

Die letzte Etappe des Tages bis AGGSBACH DORF, km 2027, wurde bei völliger Dunkelheit in Angriff genommen. Nach dem RUNDO heftete man sich am Passagierschiff - Ponton Nr. 13 an. Um 21.30 Uhr wurden die Maschinen abgestellt und als Ankerlicht eine Petroleumlampe gesetzt. Jetzt stand einer ruhigen Nächtigung nichts mehr im Wege. Dabei waren die Unterbringungsmöglichkeiten gar nicht einmal so schlecht. Unter Deck gab es zwei geräumige Kabinen mit jeweils zwei Betten. Wer hier keinen Platz fand, der machte es sich im vorderen Aufenthaltsraum (Messe) bequem. Natürlich nicht gleich, denn vorher wurde noch ein geselliges Beisammensein zelebriert. Toni hatte gekocht und tischte wirklich ein opulentes Mahl auf. Leider war es mir zu viel und ich konnte als einziger nicht aufessen. Was mir ziemlich peinlich war, denn das Essen (Naturschnitzel mit Reis) war wirklich vorzüglich. Nach dem klassischen "Schulterklopf - Reigen" konnte man aber schon bemerken, dass die Mannschaft sozusagen "zusammengeschweißt" war. Sie war eine Einheit, hier gab es einen Zusammenhalt wie ich sie nur aus alten DDSG- Zeiten her kannte. Alte Erinnerungen wurden ausgetauscht und Raimund als Kapitän sowie ganz besonders als Mensch gelobt. Wobei ich ihnen nur beipflichten konnte. Aber was das Wichtigste war, sie meinten es auch ganz genau so wie sie es sagten. Schon etwas müde, schließlich ging es schon auf 02.00 Uhr zu, zerstreuten wir uns dann zu den diversen Schlafstätten. Schließlich sollte es ja morgen, oder besser gesagt schon heute um 07.30 Uhr weitergehen. Wobei Toni mit der Anordnung des Kapitäns: "Um 07.30 Uhr ist Wecken, um 08.00 Uhr Abfahrt", nicht einverstanden zeigte. "Sicherlich nicht", schüttelte er sein weises Haupt. "Die Leute haben Anspruch auf ein Frühstück., Schließlich bin ich ja Gewerkschaftler". Wobei ihm die Crew durch Kopfnicken zu verstehen gab, dass sie voll auf seiner Linie sind. Schließlich hatten sie auch alle eine Gewerkschaftsfunktion...

                                                            

                          Die Treppe war etwas steil, die zu den Kabinen unter Deck führte. Blick in das Herz des Schiffes, dem Maschinenraum

                                    Tag 2. Von Aggsbach Dorf in den Hafen Wien- Freudenau

Am nächsten Morgen bemerkte man schon, dass es beim Wiener Hafen etwas lockerer zuging. Denn mit einer halben Stunde Verspätung wurden einige Leute der Besatzung erst langsam wach. Nicht so Adi, der schon lange vorher voller Tatendrang an Bord herumtigerte. Dass die geplante Abfahrtszeit nicht eingehalten werden konnte lag aber auch daran, dass die Crew aufblasbare Betten in der Messe aufgebaut hatte. Diese mussten natürlich wieder weggeräumt und verstaut werden. Was ja geraume Zeit in Anspruch nahm. Doch nach einem großen Frühstück (von Toni liebevoll hergerichtet) konnten wir die Talreise doch um 07.45 Uhr fortsetzen. Wobei sich Kapitän Raimund doch als etwas eitel entpuppte. Er hatte seinen Kamm daheim vergessen und wollte sich daher von der Besatzung ein solches Gerät ausborgen. Leider hatte er Pech. Aufgrund ihres kurzen Haarschnitts hatte niemand so etwas dabei. Da unser geliebter "Mundl" aber gewohnt war auch eine korrekte Frisur zu besitzen wollte er sogar DÜRNSTEIN anlaufen, um dort einen "Lausrechen" zu kaufen. Was er dann aber doch nicht tat. War es in den Nachtstunden angenehm kühl gewesen, so brannte auch heute wieder die Sonne vom Himmel.

                                                              

                                      In der Früh bei der Anlegestelle. Das Kommando mit Zubehör. Man freut sich "wenns Grablaternderl" leucht.

Spitz, km 2018, wurde um 08.08 Uhr passiert, Geschwindigkeit 24,5 km/h. Um 08.00 Uhr DÜRNSTEIN bei km 2010 erreicht, um schließlich KREMS, km 2002, um 08.33 Uhr mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 21,8 km/h zu passieren. Eine kleine Schrecksekunde gab es dann als "Arbeitstier" Adi meldete, dass es Schwierigkeiten mit der Maschine geben würde. Doch es war halb so schlimm, man konnte trotzdem weiterfahren. Nur das Problem wurde telefonisch in die Linzer Werft gemeldet. Dort versprach man einen Mann nach Wien zu schicken, der sich dieser Sache annehmen würde.

                                                           

                                    Nicht viel los in Moosbierbaum. Schiffsbegegnungen am Fluss. Es gibt sie doch noch, die österreichischen Schiffe.

Auf dem nun folgenden Streckenabschnitt fiel auf, dass dort fast kein Schiffsverkehr herrschte. Während noch auf der WACHAU- Strecke Kabinenschiff auf Kabinenschiff folgte, war es danach wie abgerissen. Sozusagen Tote Hose. Auch fiel auf, dass Michl fast alle Manöver durchführte, was ihm sehr recht war. Denn nur so kann man lernen. Es war aber nicht so, dass Raimund neben dem jungen Kapitän stand um ihn zu instruieren. Nein, nein, er ließ ihn völlig allein und selbstständig arbeiten, wobei er selbst sich woanders nützlich machte. So war er sich auch nicht zu gut dazu, bei der Schleuse ALTENWÖRTH, km 1980, an Deck den Fender zwischen Schleusenkammer und Bordwand hineinzuhalten. Schön langsam wurde auch mir klar, warum der alte Seebär bei der Besatzung so beliebt war. In die Schleuse wurde um 10.00 Uhr eingefahren und um 10.20 Uhr verließ man sie wieder.

                                                                     

                                                                       Bald hat man es geschafft, die Schleuse Greifenstein kommt in Sicht.    Schifffahrtszentrum Wien bei der Reichsbrücke

ZWENTENDORF, km 1975, wurde um 10.37 Uhr passiert und TULLN, km 1963, um 11.12 Uhr mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 20,6 km/h. Die Schleuse GREIFENSTEIN, km 1949, erreichte man um 11.55 Uhr, Ausfahrt um 12.20 Uhr. Bei Stromkilometer 1929 grüßte die Reichsbrücke um 13.20 Uhr, in der Schleuse FREUDENAU, km 1921, wurde von 13.45 Uhr bis 14.10 Uhr geschleust. Danach wurde in den Zielhafen WIEN- FREUDENAU eingefahren. Als letztes Manöver stand noch das von Bord heben der Ersatzschrauben auf dem Programm. Eine Arbeit, die von Michl ohne Schwierigkeiten bewerkstelligt wurde. Schon bald stand der "EISVOGEL" wieder an seinem angestammten Platz.

                                                   

                                                                                              Das Ziel der Reise ist erreicht

Mir tat es leid, dass die Fahrt schon vorbei war. Ich hätte es durchaus hier noch länger ausgehalten. Nochmals meinen Dank an Toni und Raimund, die mir das Mitfahren ermöglichten. Ich hoffe nur, dass ich keinem im Weg gestanden bin und ihn bei seiner Arbeit behindert habe. Und noch etwas habe ich auf dieser Reise gelernt: Solange es Typen und Originale wie Toni, Adi, Michl usw. gibt, braucht niemand Angst haben, dass die Schifffahrt den Bach runtergeht. Ja, vielleicht gibt es ja auch für mich eine weitere Reise mit dem "EISVOGEL"?

                                                                      

 

 

 

 

                      Linzer Hafenrundfahrt mit der "LINZERIN"

Die Deutsche Donauschifffahrts- Gesellschaft WURM + KÖCK führte ab heuer mit dem Ausflugsschiff "LINZERIN" die Linzer Hafenrundfahrt durch. Das Schiff wurde als "DEGGENDORF" auf der Bau - Werft LUX/ MONDORF (NIEDERKASSEL) im Jahre 1995 gebaut. Der Umbau erfolgte 2014 in der Linzer Schiffswerft. Die "LINZERIN" fährt unter österreichischer Flagge, ihr Heimathafen ist LINZ. Länge: 60 m, Breite: 9,50 m, Tiefgang max. 1,25 m. Antriebsleistung 1040 PS, Fahrgastanzahl max. 450 Personen.

Am 25. April 2014 um 14.00 Uhr erfolgte die offizielle Namensenthüllung. Wobei die Veranstalter das Wort "Umbenennung" verwendeten, was völlig richtig war. Denn ein Schiff kann ja nur einmal getauft werden. Danach erfolgte die Premierenfahrt mit dem voll besetzten Schiff. Kapitänin ist die Wienerin Susanne R. Alles zusammen ergibt nun eine etwas kuriose Situation. Da betreibt eine Deutsche Schifffahrtsgesellschaft in LINZ ein Ausflugsschiff unter österreichischer Flagge, deren Schiffsführerin eine Wienerin ist... Die Hafenrundfahrten finden täglich außer Montag 3 x, um 11.00, 13.00 und 15.00 Uhr statt und dauern ca. 100 Minuten. Sie werden immer stark gebucht, wie wir selbst feststellen konnten.

                                                                               

                                                                       Die "LINZERIN" bei der Probefahrt mit viel Prominenz an Bord. (Alle Bilder O. Steindl)

Als wir am Donnerstag, dem 26.06.2014 um 13.00 Uhr an Bord gingen, drängten viele Schulklassen nach. Trotzdem ging das Einsteigen ziemlich zügig voran. Schon bedingt durch die großen Türen, die man weit geöffnet hatte. Durch den geräumigen Speisesaal mit großen Panoramafenster gelangte man problemlos auf breiten Treppen aufs Oberdeck. Dort standen gemütliche Tische und Sessel, die zum Verweilen einluden. Sehr flott fand ich auch die Bedienung aus der Restauration, die sich gleich nach den kulinarischen Wünschen der Neueingestiegenen erkundigte. Erfreulich war auch, dass kein Konsumzwang herrschte, nur wer wirklich etwas bestellen wollte, der konnte dies auch tun. Was wiederum die Schulklassen freute, die ja Selbstverpfleger waren und bewaffnet mit Limo und mitgebrachten Broten bereits die meisten Sitzgelegenheiten okkupiert hatten.

                                                                           

                                                 Hier ist der Beweis, die Fahrkarten. Rasch ging es aufs Schiff und man konnte die große Kabinenschiffe bewundern die in LINZ Station machen.

Unter lautem Geschnatter wurde pünktlich abgelegt. Das Wetter war schön und begleitet von einer angenehmen Stimme aus dem Bordlautsprecher konnte man sich entspannt zurücklehnen. Diese Stimme verfolgte uns die ganze Fahrt über, um uns die Linzer Sehenswürdigkeiten vom Wasser aus schmackhaft zu machen. Es ging beim LENTOS- Kunstmuseum sowie BRUCKNER- Haus vorüber die Donau hinunter. Ganz leise und ruhig glitt man auf dem Wasser dahin, die Maschinen waren fast nicht zu hören. Als die sympathische Stimme aber anregte die Augen zu schließen und einfach die Fahrt zu genießen, tat ich das doch nicht. Sonst hätte ich von der reizvollen Flusslandschaft nichts gesehen...

                                                                  

                                                                                        Auf der Talfahrt

Bei der TRAUNMÜNDUNG wurde umgedreht und auf der Bergfahrt den LINZER HANDELSHAFEN sowie die ÖSWAG- Werft besucht. Alles Orte, wo man sonst recht selten oder auch gar nicht hinkam. Interessant zu sehen was sich dort alles tat. Ein weiterer Pluspunkt waren die geräumigen WC- Anlagen, die sich überaus gepflegt in einem makellosen Zustand präsentierten. Auch die große Bildfläche im unteren Salon, wo man die Fahrt Nachverfolgen konnte, fiel positiv auf. Nur an der Kulinarik sollte noch etwas gearbeitet werden. Die Preise waren zwar sehr moderat, auch Bier und Eis schmeckten. Nur wurde zu den obligaten Würsteln steinhartes Brot gereicht, das ein gesundes Gebiss voraussetzte.

                                                                              

                                        Im Handelshafen liegt noch immer die untergegangene ehemalige "Schwimmende Werkstätte" im Wasser. Immer wieder ein Erlebnis- Die Linzer Schiffswerft.

Trotzdem kamen wir mit vielen neuen Eindrücken nach der ca. eineinhalb Stündigen Fahrt wieder zu unserem Ausgangspunkt zurück. Als wir von Bord gingen, warteten draußen an Land schon wieder die nächste Menschenschlange. Als meine Gattin den etwas missmutig dreinblickenden etwas älteren Bootsmann sah, bemerkte sie: "Der schaut aber grimmig drein". Was mich wiederum zu der Antwort: "Ich wäre auch frustriert, wenn ich unter einer Frau arbeiten müsste", bewegte.

Aber es war wirklich eine schöne Fahrt, die sich sicherlich auch für die Gesellschaft finanziell lohnt. Wenn man nun noch für eine normale Unterkunft der Schiffsbesatzung sorgen würde, wäre das auch nicht falsch. Das Schiff hat ja keine Kabinen. Man sollte nicht nur einzig und allein auf den Profit achten, schließlich braucht man immer noch Menschen für den Betrieb. Wenn diese auf den Schiffen auch schon arg reduziert wurden. Trotzdem blutete mir schon das Herz wenn ich daran dachte, dass eigentlich die längst untergegangene DDSG diese Linzer - Tour auch hätte anbieten können...

                                                            

                                                                      Die Frau Kapitänin (Bild O.Steindl) und ihr ganz neues Schiff.