Die Lehrzeit                                     

 

 

               Ich verbrachte meine Lehrzeit in einer dreijährigen Ausbildung am Schulschiff I der 

                               I. Donau- Dampfschifffahrts- Gesellschaft  (DDSG),

                                        vom  12.10.1964  bis  11.10.1967.

 

Seit 1960 war der Lehrberuf "BINNENSCHIFFER" in Österreich anerkannt worden  und  viele Donaukapitäne sind aus dieser beinharten Ausbildung hervorgegangen.

 

 

                                Die Ausbildungsstätte.

 

Die Ausbildung der DDSG- Lehrlinge begann am 15. November 1954, als das Schulschiff im Linzer Hafen stationiert wurde. In den ersten Jahren gab es noch keinen Berufsschulbesuch, Theorie und Praxis wurde an Bord den Schiffsjungen beigebracht.

Der Mann der ersten Stunde als Schulschiffkommandant war Kapitän Rudolf OHME. Er agierte leider sehr unglücklich, und wurde wegen Unterschlagung von "Kostgeldern" durch Kapitän Franz FITZ abgelöst.

Berühmte Schiffsjungen und spätere Säulen der Gesellschaft die aus dieser Lehrzeit hervorgingen waren Bodo J., Alfred S., und Peter Z.

 

Die schwimmende Ausbildungsstätte der DDSG- Schiffsjungen war zu meiner Zeit das "Schulschiff I" in der Korneuburger Schiffswerft, und hatte die genaue Briefanschrift "Am Hafen 1, 2100 Korneuburg. Es war zwar ein richtiges Schiff, das man für die Unterbringung der Lehrlinge neu adaptiert hatte, dessen  Herzstück aber fehlte. Denn statt starker Schiffsmotoren hatte man unter Deck zwei Schlafsäle, Kabinen und Duschräume für die Schiffsjungen eingebaut. Die praktischen Übungen wie "Spleissen", "Aufklampfen" und "Knoten üben", wurden in dem, an das Schulschiff angedockten, Schleppkahn unterrichtet. Dieses ehemalige Warenboot war zu einer zweiten schwimmenden Ausbildungsstätte umfunktioniert worden. Beide Objekte (Schulschiff und Warenboot) wurden unter den gestrengen Augen des Herrn Ausbildners penibel sauber gehalten. Geheizt wurde mit Koks. Die schon etwas antik anmutende Heizungsanlage bestand aus einem mächtigen Ofen, der vom Wachhabenden jeden Tag um 5.00 Uhr befüllt und in Gang gebracht werden musste. Eine ziemlich schweißtreibende Arbeit, denn in dem kleinen Heizungsraum, der sich backbords gleich neben den Stiegen des Mittelaufgangs befand, wurde auch das Brennmaterial gelagert. So fand man sich dort gleich von Holzscheiten sowie Koksstücken umgeben und musste verdammt aufpassen sich nicht den Kopf oder andere Körperteile anzuschlagen. So konnte man durchaus die launige Aufforderung "Hau di in Koks", wörtlich nehmen.

 

 

                                                       

         Das Schulschiff wie es sich in den späten 1960 -Jahren präsentierte. Ganz rechts ein Foto aus der Sammlung Fürst, welches das Schulschiff nach seiner Indienststellung an seinem ersten Liegeplatz im Linzer Hafen zeigt. Hier "genossen" die DDSG- Lehrlinge ihre theoretische und praktische Ausbildung im Winter.

 

 

 

                                                Lehrkräfte in der Theorie.

 

 

  Chef des Schulschiffs war in der Regel immer ein Kapitän, der jahrelang auf den DDSG- Schiffen unterwegs gewesen war. In den Sommermonaten, wo der Schulschiffbetrieb ruhte, füllte er auch weiterhin diesen Posten auf den Zug- oder Passagierschiffen der Gesellschaft aus.

Leiter des Schulschiffes bei meinem Eintritt war Oberinspektor Kapitän Franz FITZ. Ein kleiner, ruhiger bebrillter Herr, der knapp vor seiner wohlverdienten Pensionierung stand. Die letzten Jahre hatte er mit Büroarbeit zugebracht, die an ihm sichtliche Spuren hinterlassen hatten. Auf mich wirkte er eher wie ein Beamter vom alten Schlag, als ein richtiger Schiffskommandant. Für seine ausgezeichnete Arbeit im Dienst der Gesellschaft hatte man ihn zum Oberinspektor befördert, worauf er auch richtig stolz war. Nun ja, es waren schon einige Jahre vergangen, als er zuletzt ein Kommando als Kapitän geführt hatte. Ein Gesamturteil über ihn kann ich hier nicht abgeben, da ich ihn viel zu wenig kannte. Er schulte bereits seinen Nachfolger ein, ehe er sich nach einem Monat in die Pension verabschiedete.

 

Sein Nachfolger wurde Kapitän Ernst HINUM, der das Schulschiff in den Jahren 1965 bis 1988 mit eiserner Faust regierte. Ein aufstrebender junger Mann, der vom Fahrgastsektor kam. Äußerlich ein Kapitän wie aus dem Bilderbuch; groß gewachsen, schlank, breitschultrig, mit einem von Wind und Wetter gegerbten Gesicht. Da er völlig unbelastet auf das Schulschiff kam, wollte er hier die eingespielten Abläufe und Lernmethoden umstrukturieren. Ich persönlich kam nicht besonders gut mit ihm aus. Was sicherlich auch an meiner provozierenden Art mich nicht unterordnen zu wollen, lag. Doch ich war damals blutjung, und konnte den Sinn mancher Strafaufgaben nicht verstehen, die er mir oft aufbrummte. Wenn ich aber heute an diese Zeit zurückdenke muss ich zugeben, dass er in vielen Dingen doch Recht hatte. Obwohl ich das damals nicht einsehen wollte. In späteren Jahren als  Bootsmann auf dem Zugschiff "OSTARRICHI" wo er dort einige Zeit das Kommando hatte, kamen wir schon etwas besser klar. Aber gute Freunde sind wir auch später nicht geworden. Obwohl er sogar, noch immer topfit wie ein Turnschuh, bei unserem Schiffsjungentreffen im Jahre 2007 als fast 80-Jähriger ebenfalls anwesend war. Ende 1988 wurde er dann pensioniert und lebt nun als noch immer fescher Vorzeigekapitän in Korneuburg.

 

Mit 01.01.1989 übernahm Kapitän Hubert GIRACEK die Leitung des Schulschiffes. Ein Kapitän der selbst aus der beinharten Lehrlingsausbildung hervorgegangen war, und so den ganzen Betrieb dort wie seine Westentasche kannte. Ich selbst war mit ihm noch ein Jahr am Schulschiff beisammen. (Er im letzten, ich im ersten Lehrjahr). Ein Mann einer neuen Generation, was sich auch in seinem Führungsstil niederschlug. So holte er nicht nur einen neuen Ausbildner (einen Mann seines Vertrauens) an Bord, sondern brach auch mit einer langjährigen Tradition des Schulschiffs, in dem er statt einer Köchin einen Koch an Bord installierte. Leider habe ich die neue Schulschiffbesatzung nicht mehr gekannt, da ich die Gesellschaft im Jahre 1974 verließ. Außer "Hubsy" natürlich, den ich auch noch nach der Schulschiffzeit als Steuermann erst so richtig kennen und schätzen lernte. Ein Schiffmann mit Leib und Seele, fachlich kompetent, und auch menschlich schwer in Ordnung. Die Zerschlagung der DDSG bedeutete auch das Aus für das Schulschiff und die Lehrlingsausbildung. Doch Hubert blieb auch weiterhin der Donau treu. Er unterrichtet in der Schule "Binnenschiffer neu", und steht dem Verein "Historischer Schiffe" als Präsident vor.      

 

 

                                  

                 Schulschiffkapitän Ernst H. 1976 in der Blüte seiner Jahre und 2007 beim Schiffsjungentreffen bei der Fahrt mit dem Fahrgastschiff "VINDOBONA". Das letzte Bild zeigt ihn mit fast 82 Jahren bei einem Ausflug mit dem DDSG- Pensionistenklub. (Foto Fabsits).

                        

 

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        Hubert G., ehemaliger Schiffsjunge und späterer Leiter der Schiffsjungenschule. Links in voller Adjustierung und rechts als Beweis als blutjunger DDSG- Lehrling auf dem Schulschiff. Das letzte Bild zeigt in bei seiner letzten Einteilung als Kapitän am "DONAUPFEIL".

 

 

                          

                                                 Für den praktischen Teil zuständig.

 

In meinen ersten beiden Lehrjahren war das Herr Karoly LANY,  Ein alter ungarischer Lotse, der immer mit Stolz seine alte, abgewetzte Lotsenuniform samt Dienstkappe trug, und wie ein Schlot rauchte. Was für die heimlichen Raucher unter uns Schiffsjungen immer recht unangenehm war, denn wie gerne hätte man sich selbst eine Zigarette angesteckt. Seinen ungarischen Akzent hatte er auch im Laufe der Jahre nicht verloren, und so klang es immer lustig wenn er uns die praktischen Übungen zu erklären versuchte. Er selbst zeigte  uns ja niemals etwas vor. Dafür hatte er ja die Lehrlinge im letzten Lehrjahr, die dafür herhalten, und uns alles beibringen mussten. Sein Umgangston war zwar ziemlich rau, was sich auch in den diversen "Männerspielen" widerspiegelte. Da konnte er sich immer wieder diebisch darüber freuen, wenn einem der Lehrlinge sein Hinterteil ordentlich versohlt wurde. Aber im Innersten seines Herzens war er doch irgendwie zugänglich. Er schenkte uns nichts, und war eigentlich nie mit unserer Arbeit zufrieden. Niemals werde ich vergessen wie er uns beim Wurfleinenwerfen anbrüllte sich nicht so dumm anzustellen. Wenn wir bei Minusgraden zum x-ten Mal mit klammen Fingern die vereisten, steif gefrorenen Hanfleinen aus dem Wasser holen mussten, und die Übung noch lange nicht beendet war. Aber wahrscheinlich sah er es als seine Hauptaufgabe an, aus uns "Muttersöhnchen" und "Weicheier" richtige Männer zu machen. Seinen Lebensabend verbrachte er zusammen mit seiner Gattin in Korneuburg, wo sie ein schmuckes Häuschen besaßen.

 

Sein Nachfolger war Herr Josef FRIEDL. Ein Bär von einem Mann, der als Bootsmann auf dem Zweikaminer "Samson" gefahren war. Wirklich ein Bulle, der Bärenkräfte besaß. Ich kannte ihn bereits von dem alten Dampfschiff her, wo ich bei meiner praktischen Ausbildung das Glück hatte einige Reisen mit ihm zu absolvieren. Dabei war ich Augenzeuge wie er, bloß mit einer Hand, den mächtigen hinteren Kamin des Schiffes vor einer Brücke an der Kette allein hinuntergezogen hatte. So hüteten wir uns davor ihn sehr zu verärgern. Er bewirtschaftete ein kleines Weingut im niederösterreichischen Pulkatal, und war auch selbst einem guten Tropfen nicht abgeneigt. Da er ja noch relativ neu und unerfahren am Schulschiff war, verließ er sich da ganz auf uns Lehrlinge im dritten Lehrjahr ,um den anderen die Grundbegriffe beizubringen. Er war immer freundlich, immer fair und man konnte über alles mit ihm reden. Besonders ich persönlich bin ausgezeichnet mit ihm klargekommen, obwohl ich sicherlich kein pflegeleichter Fall war.

 

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                           

                                            

                       Links Bootsmann Josef "Peppi" F.L der uns schon aufgrund seiner bulligen Statur das Fürchten lehrte beim Eisbrechen in der Ruderzille rund ums Schulschiff. Rechts Lotse LANY bei der praktischen Übung des "Drahtseilspleißens". Das Bild zeigt noch von links nach rechts: Gustav KREIL, Wolfgang MEKIS, ein UNBEKANNTER und als interessierter Zuseher Wolfgang RIEDL. Rechts Richard STASIAK als "Klotzdreher" und in der Mitte mit ewiger Lotsenmütze am Kopf und Vorschlaghammer in der Hand, Ausbildner LANY. Das Bild stammt aus einer steirischen Tageszeitung, wo man auch Werbung für den Beruf "Binnenschiffer" machte.  Am dritten Foto ist nochmals Bootsmann Josef FRIEDL zu sehen. (Wahrscheinlich bei seiner Verabschiedung). Daneben bei einem Ausflug mit den DDSG - Pensionisten 2008 ( Sammlung Brandenburg)

                                  

                                                    Die Köchinnen.

 

Die erste Köchin die ich zum Beginn meiner Lehre kennen lernte war auch gleichzeitig die Ehegattin unseres Ausbildners Herrn LANY, Irma. Ein bereits schon älteres Semester, die wie ihr Gatte ebenfalls aus Ungarn stammte. Sie kochte ausgezeichnet, und versuchte sich immer auf unsere Seite zu schlagen. Wahrscheinlich versuchte sie damit doch wieder die oft grundlose Härte ihres Ehemanns zu kompensieren. So wollte sie uns immer wieder aufzurichten, war es mit netten Worten oder Zusatzessen. Aber auf der anderen Seite konnte sie auch sehr launenhaft sein. Bedingt durch ihr fortgeschrittenes Alter war sie sofort beleidigt, und zeigte dies auch offen. Das ging sogar so weit, dass sie mit einigen von uns wochenlang nicht sprach. Obwohl wir uns keiner Schuld bewusst waren. Aber ihre oft wankelmütige Stimmung wurde von ihren Riesenschmalzbroten wieder wett gemacht, und nach zwei Jahren wurde sie zusammen mit ihrem Gatten pensioniert.

 

Auf sie folgte Frau "Betty" FRIEDL, die gleichzeitig die Ehefrau unseres Bootsmanns war. Hatte sich die Konstellation - praktischer Ausbildner und Köchin -  schon immer bewährt, waren die "Friedls" ein Glückfall für das Schulschiff und für uns Lehrlinge. Die Dame war wirklich eine Seele von einem Menschen, die uns immer unterstützte, was wir auch  ausgefressen hatten. Stets hatte sie ein freundliches Wort für uns parat und versuchte uns zu schützen, wenn wir den Herrn Bootsmann wieder einmal verärgert hatten. Sie kochte hervorragend, und war eigentlich so etwas wie ein Mutterersatz für uns alle. Besonders ich habe mich mit dieser außergewöhnlichen Dame ausgezeichnet verstanden, und fasste sofort Vertrauen zu ihr. Leider weilt sie nicht mehr unter uns.

                                                            

    Unvergessen: Schulschiffsköchin Barbara "Betty" FRIEDL, eine Seele von einem Menschen und erster Ansprechpartner für uns Schiffsjungen.

 

 

                                                      Die Ausbildung.

 

Jedes neue Lehrjahr begann im Oktober und endete im April des nächsten Jahres. Um Ostern herum traten wir unsere praktische Ausbildung auf den Passagierschiffen der Gesellschaft an. Die Berufsschule für Binnenschiffer befand sich im Ort Korneuburg, und unser Unterricht fand in der richtigen Schule in einem Klassenzimmer statt. Schule gab es jeden Vormittag, von Montag bis Freitag, wobei in Zweierreihen um ca. 07.30 Uhr vom Schulschiff wegmarschiert wurde. Auf dem langen Schulweg, der uns fast durch die ganze Stadt führte, durfte nicht gesprochen werden. Dabei wurde immer durch den Schulschiffkapitän ein ordentliches Tempo vorgegeben. Während der ganze Unterrichtsstoff  in allen Pflichtfächern vom Kapitän des Schulschiffes höchstpersönlich vorgetragen wurde, unterrichtete uns in dem Fach "Maschinen und Motorenkunde" ein Ing. vom Technischen Personal der DDSG. Ja, und in dem Unterrichtsfach "Schriftverkehr und Gewerbekunde" leistetet sich die Gesellschaft sogar den Luxus eines betriebsfremden Pädagogen. Fachlehrer STREHLE war ein richtiger Berufsschullehrer, dessen Markenzeichen seine immer etwas zu kurz geratenen Hosen waren. Was uns wiederum zu dem Spruch: "Ob im Osten, Norden, Süden oder Westen, - STREHLE Hosen sind die besten, animierte. Aber sonst war der junge Mann ein ganz patenter Kerl, der sich immer wieder gerne anhörte was wir zu erzählen hatten. Da wir seine erste Binnenschifferklasse waren versuchte er sich so einen Überblick über unsere Arbeit zu verschaffen. Was wir klarerweise auch weidlich ausnutzten, denn wenn wir einmal zu erzählen begannen, verging die Zeit wie im Flug. Ganz anders bei den Vorträgen unseres Kapitäns, der leider ein Freund der konservativen Lernmethode war. Für ihn galt immer das Motto:  "Nur das geschriebene Wort ist das richtige Wort". So diktierte er uns den Text in allen Fächern, den wir fein säuberlich in die bereitgestellten Schulblätter und Mappen notieren mussten. Da dies meist eine sehr langweilige Arbeit darstellte, waren wir froh, wenn so gegen 12.30 Uhr der Unterricht beendet war.

Weitere Pflichtfächer waren: 

Wirtschaftrechnen    Donaugeographie    Gewässerkunde    Schiffahrtsbetriebslehre    Schiffahrtsrecht, Materialienkunde,  Staatsbürgerkunde  und  Schiffbau.

Am Ende der Lehrzeit war die Ablegung der kleinen Motorenwärterprüfung und das Zeugnis des Bordfunkers vorgesehen.

Alles Dinge die man im Schiffsalltag recht gut gebrauchen konnte, und die auch gerne in Anspruch genommen wurden. Mit diesen speziellen Kenntnissen hatten wir gegenüber den übrigen, ungelernten Schiffsmitarbeitern, einen nicht zu unterschätzenden Vorteil.

Nach dem Mittagessen, das immer zusammen mit dem Kapitän im großen Aufenthaltsraum des Schulschiffes eingenommen wurde, standen jeden Nachmittag die praktischen Übungen auf dem Programm. Dabei wurden wir in die Geheimnisse des

Wurfleinen - werfens,     Zillen - fahrens,    Drahtseil - spleissens    und  Schifferknoten - übens eingeweiht.

Außer am Freitagnachmittag. Da wurden wir zu verschiedenen Arbeiten in der Schiffswerft herangezogen. Dabei wurden wir in Gruppen eingeteilt, und mussten uns bei den diversen Werkmeister in der Schiffswerft  melden. In der Maler- Tischler - und Spleisserei hatten wir dann verschiedene Hilfsdienste zu leisten. Dabei konnte es schon passieren, dass wir die Werkstatt zusammenkehren oder den Platz davor blitzblank fegen mussten. Oft hatten die Werftleute überhaupt keine Arbeit für uns, so dass wir uns in aller Ruhe das große Werftgelände ansehen konnten. Das aber immer wieder für etwas Zerstreuung sorgte. Aber zeitweise fielen auch solche Arbeiten an wo man unsere Hilfe richtig schätzte. Dazu gehörten:  Schiffskabinen auf den Passagierschiffen, die sich hier im Winterstand befanden, mit Farbe auszumalen, oder auf den Zugschiffen neue Schleppseile einzuziehen.  Diese Arbeiten waren besonders beliebt und wir meldeten uns auch freiwillig dazu. War es doch wieder eine gute Gelegenheit dem eintönigen Schulschiffalltag für einige Stunden zu entfliehen.

Jeden Abend gab es von 19.00 Uhr bis 20.00 Uhr die so genannte Lernstunde. Dann galt es, jeder für sich, das am Vormittag in der Berufsschule Gelernte zu wiederholen und auch wirklich zu verstehen.

Die darauf folgende Stunde hatten wir dann wieder zu freien Verfügung, ehe um 21.00 Uhr die Bettruhe ausgerufen wurde. Tagwache war um 06.00 Uhr, wobei wir vom Schiffsjungen, der zur Wache eingeteilt worden war, gemeinsam geweckt wurden.

Da sich der Herr Ausbildner im praktischen Dienst nicht um alle Lehrlinge kümmern konnte, wurden so genannte "Schiffsjungen- Bootsleute" installiert. Es waren dies in der Regel in jedem Lehrjahr die besten Leute des letzten Kurses. Obwohl sie vom Schulschiffkapitän persönlich bestimmt wurden, hatten wir auch ein Mitspracherecht. Das aber nur theoretisch bestand. Denn diejenigen, die der Kapitän einmal dafür bestimmt hatte, konnten von uns schwerlich wieder abgewählt werden. Trotzdem kam es schon vor, dass in früheren Kursen Lehrlinge zu Schiffsjungen- Bootsleuten" ernannt wurden, die eigentlich gar nicht das Zeug dazu hatten. Da waren bessere unter ihnen gewesen, die, aus welchen Gründen auch immer, nicht die Gunst des Kapitäns erhielten. Aber im Großen und Ganzen lag der Schulschiffkapitän mit diesen Ernennungen fast immer richtig. Diese Bootsleute waren für Ruhe und Ordnung in unseren Reihen zuständig. Außerdem zeigten sie uns alle praktischen Arbeiten vor, und kontrollierten auch Bettenbau und Reinigung des Schiffes. Bei meinem Kurs standen die beiden Schiffsjungen- Bootsleute wohl außer jeglicher Diskussion. Wolfgang RIEDL und Richard STASIAK hatten sich als beste unseres Jahrgangs etabliert. Sie waren mit ihren schulischen Leistungen und ihrer geschickter Handwerklichkeit nun einmal die beste Wahl. Zwei baumlange, drahtige Kerle, mit denen man sich lieber nicht anlegte.

 

 

 

 

                                 Ein bisschen Spaß muss sein.

 

 

                                                                                 

                             Links, Norbert WAIS mit einem Unbekannten. In der Mitte das Alkoholtrio und rechts Happy als Alkoholleiche.

 

 

                                                      Wer kann sich noch daran erinnern?

 

                                                 

                Schiffsjungenlehrgang 1964- 1967: Von den hier abgebildeten Schiffsjungen wurden nur 4 Donau - Dampfschifffahrts- Gesellschafts- Kapitäne.

                Von links nach rechts, hintere Reihe: Gerhard SCHAUER, verblieb bis zum Schluss beim Unternehmen, derzeit DTSG. Links Vorne: Wolfgang MEKIS, wurde Staatsanwalt, derzeit Anwalt mit eigener, gut gehender Kanzlei. Hinter ihm nur mit halben Gesicht zu erkennen "Happy" Othmar EDLICH, kündigte als II. Kapitän, derzeit Kraftfahrer. Vor ihm steht "Jonny GRUBER, hielt dem Unternehmen bis zum Untergang die Treue, derzeit Kapitän bei der Donaureederei "WURM & KÖCK". Genau hinter ihm: Franz KHOLLAR, verblieb als Kapitän auf dem Rundfahrtsschiff "VINDOBONA". Bereits in seiner wohlverdienten Pension. Neben ihm "Feschak" Wolfgang "Wuffi" RABER, der auch bald kündigte. Von ihm ist leider nichts mehr bekannt. Ganz rechts vorne: Edmund "Ederl" KRANZER, erklomm die Stufe als Steuermann und wurde früh aus dem Leben gerissen. Ganz rechts außen: Wolfgang RIEDL, Kündigung als II. Kapitän. Derzeit Chef eines Maklerbüros. Im Bildhintergrund ist das Fahrgastschiff "FRANZ SCHUBERT" zu sehen, dass neben anderen Passagierschiffen im Winterstand in der Korneuburger Werft abgestellt war. Das Foto stand ebenfalls aus einer steirischen Tageszeitung wo Werbung für den Binnenschifferberuf gemacht wurde.    Das zweite Bild zeigt Wuffi RABER, lässig posierend mit einer Zigarette im Mundwinkel vor einem unbekannten Pkw. Auf dem dritten Bild ist Erwin MEISCHL zu sehen, der auch bald der Gesellschaft den Rücken kehrte. Weilt leider nicht mehr unter uns.    Das nächste Bild zeigt von links nach rechts: Erwin GLASNER, alias "DER WEISSE", stammte aus Oberösterreich, war Schiffsjungen- Bootsmann am Schulschiff und kehrte dem Unternehmen bald den Rücken. Gerhard SCHAUER, wurde Kapitän und befuhr meistens die obere Donaustrecke, da er aus Linz stammte. Erlebte das bittere Ende der DDSG mit. Man beachte seine stets korrekte und elegante Bekleidung mit blauem Blazer, Hemd und dazupassender Krawatte. "Gipsy" EDELMANN hielt es auch nicht lange bei der DDSG aus, kündigte als Matrose und wollte schon immer nach Australien auswandern. Ob ihm das gelungen ist? Am letzten Bild ist Kapitän GRUBER auf seiner letzten Reise vor dem Untergang der Gesellschaft zu sehen. War lange Zeit als Kapitän auf dem Fahrgastschiff "STADT WIEN" eingeteilt, mit dem er auch die letzte Reise im planmäßigem Linienverkehr durchführte. Der Zeitungsausschnitt zeigte ihn als gestandener Schiffsführer mit dichtem Schnauzbart bei der Verabschiedung des Schiffs durch die Gemeinde Obernzell.

 

                                                            

       Links: GRUBER und KRANZER, die beiden Unzertrennlichen aus dem Örtchen Sarmingstein. Für die Zeitungsreportage wurde am Schulschiff sogar die österreichische Flagge aufgezogen. Auf der rechten Seite: Franzi KHOLLAR hat die Hand fest am Steuerrad. Es war schon damals sein Ziel als Kapitän auf der Donau unterwegs zu sein. Daneben Kurt STÜLZ, der nicht lange Schiffmann blieb und bald wieder in die Steiermark heimkehrte. Wolfgang RIEDL als kleiner "Streberling" beim Lernen. Ein gestelltes Bild mit wahrem Hintergrund, denn er schloss seine Lehrzeit mit "Auszeichnung" ab. Da er aus Spitz an der Donau stammte hatte er die Donau sozusagen schon mit der Muttermilch aufgesogen. Was ihn aber auch nicht daran hinderte das Unternehmen als II. Kapitän zu verlassen. 

 

                                            

                                                           Die Freizeit.

 

War zeitlich sehr begrenzt, oder fand teilweise überhaupt nicht statt. Ausgang gab es in der Regel nur am Wochenende. Am Samstag, nach der allgemeinen großen Schiffsreinigung und Spind- sowie Bettenbaukontrolle, durften bereits um 12.00 Uhr diejenigen Lehrlinge, die weiter entfernt wohnten, das Schulschiff verlassen und nach Hause fahren. Für die Übrigen, die es vorgezogen hatten das Wochenende am Schiff zu verbringen, gab es ab 13.00 Uhr bis 20.00 Uhr Ausgang. Sonntags war der Zeitraum von 9.00 bis 12.00 Uhr am Vormittag, und von 13.00 Uhr bis 20.00 Uhr begrenzt. Wobei der Vormittagstermin nur ganz selten wahrgenommen wurde. Meistens wurde man da von der Köchin in die Stadt hinausgeschickt um die obligaten herrlichen sonntäglichen Chremeschnitten  von einer bestimmten Konditorei (Kaffeehaus BALZ) abzuholen. Denn sonntags gab es immer dasselbe ausgezeichnete Menü: Wiener Schnitzel mit Kartoffelsalat und als krönender Abschluss diese Süßspeise. Kehrte man später als zu den vorgegebenen Ausgangszeiten aufs Schulschiff zurück, wurde man ausnahmslos mit Ausgangsperre bestraft. Statt des Ausgangs am nächsten Wochenende, musste dieses mit diversen Strafaufgaben (Reinigungs- und Lernübungen) hier an Bord des Schulschiffes verbracht werden. Das galt natürlich auch für diejenigen, die in den anderen Bundesländer wohnten. Für sie wurde die Heimfahrt gnadenlos und ersatzlos gestrichen. Auch für den Lehrling, der an diesem Tag Wache hatte, hieß es am Schulschiff zu bleiben. Er war verantwortlich dafür, dass die Heizung lief, musste die Wasserstandsmeldungen aufschreiben, und peinlich genau Ausgänge und Rückkehr der Schiffsjunge im eigens dafür angelegten Wachbuch vermerken. Um hier jeweiligen Missbrauch zu unterbinden musste diese Eintragung jeder einzelne Lehrling mit seiner persönlichen Unterschrift im Wachbuch bestätigen.

Streng verboten waren Alkohol, alle Rauchwaren, sowie das Aufsuchen von nicht genehmigten Gasthäusern. Uns war nur der Besuch eines einzigen Kaffeehauses in der Stadt gestattet, wo natürlich  Alkoholika Tabu waren, und auch gar nicht an uns ausgeschenkt wurden. Dazu war noch das Lesen von Tageszeitungen  und Radio hören streng verboten. Ganz streng wurde auch der Umgang mit dem weiblichen Geschlecht geahndet. Dabei mussten wir schon verdammt aufpassen um nicht erwischt zu werden. Denn manchen Werftarbeiter schien es diebisches Vergnügen zu bereiten dem Schulschiffkapitän davon zu berichten, dass sie uns in diversen verbotenen Wirtshäusern angetroffen hatten. Ich kann mir bis heute nicht erklären was die "Vernaderer" eigentlich davon hatten? Aber die "Spitzel" des Schulschiffkapitäns konnten überall lauern. Trotzdem, oder gerade deshalb, ließen wir uns davon nicht ins Bockshorn jagen. Es gab da zwei Lokalitäten die wir, trotz strengstem Verbot, immer wieder gerne besuchten. Eine davon war  die "Wackerin", dessen Lokalname sich von der Besitzerin - Frau Wacker - ableitete. Eine kleine, aber feine Likörstube, wo wir immer unsere "Glühwürmchen", zuckersüße Liköre in allen Geschmacksrichtungen, ohne lange Fragen gestellt zu bekommen, ausgeschenkt bekamen. Da der Preis mit 5 Schilling pro Stamperl  akzeptabel war, konnten wir uns das gerade noch leisten. Dazu kam der "Schmalvogel", ein rustikales gemütliches Wirtshaus, das sich gleich unten an der der Donaulände befand. Da dieses Lokal von Werftarbeitern stark frequentiert wurde mussten wir schon verdammt aufpassen nicht dabei erwischt zu werden wenn wir uns von dort das Bier holten. Natürlich wurde der Umgang mit Mädchen auch nicht vernachlässigt. Es gab wohl keinen unter uns, der in Korneuburg keine Freundin hatte. Nur reduzierte sich das, durch die knappe Freizeit bedingt, rein auf das Platonische. Das höchste der Gefühle war, die Mädchen ins Kino einzuladen um dort in der letzten Sitzreihe ein wenig herumzuschmusen. Mehr war da nicht. Trotzdem gehörten Mädchen nun einmal zu unserem Ausgang dazu. Wobei ich selbst das Alkoholverbot nicht so streng interpretierte, was Happy und ich allerdings mit einer sehr langen Ausgangsperre büssen mussten.

Die praktische Ausbildung, die wir in den Sommermonaten auf den Passagierschiffen der DDSG genossen, war auch kein Honiglecken. Denn damals kümmerte sich wohl niemand um unsere Rechte und um den Lehrlingsvertrag. Meistens wurden wir ganz schön ausgebeutet, und Arbeitszeiten von 6.00 Uhr bis 24.00 waren auf den Passagierschiffen für Schiffsjungen keine Seltenheit. Im Grunde genommen waren wir ja für die Gesellschaft billige Arbeitskräfte. Trotzdem machte uns gerade diese Sommermonate viel Spaß. Schon aus dem Grund, dass sich niemand so richtig um uns kümmerte, und wir uns so die ganze Zeit selbst überlassen waren. Danach taten wir uns dann immer sehr schwer wenn wir nach dieser Zeit, und unserem kurzen Urlaub, wieder auf das Schulschiff einrücken mussten. Die Umstellung auf das Internatsleben fiel uns allen nicht leicht, und es war nicht einfach uns wieder an Zucht und Ordnung zu gewöhnen. Schließlich waren alle heilfroh als es, knapp nach Ostern, hieß, wir steigen auf die Fahrgastschiffe ein.

 

 

 

                  Korneuburgs holde Weiblichkeit in den 1960-ziger Jahren.

 

 

                                  

                 Links die Korneuburger Damengilde, die meistens geschlossen gemeinsam unterwegs war, beim Stadtbummel vor dem Korneuburger Bahnhof. Das mittlere Bild zeigt Monika, ein bildhübsches Mädchen mit dem Happy einige Zeit liiert war. Am rechten Bild sind die beiden HUBER- Schwestern, Evi und Christl im Garten zu sehen. Man beachte dabei ihre aufreizenden Posen.     Lustiges Gruppenfoto in der Stadt. Bei unserem Ausgang ging es immer lustig zu, denn irgendwo mussten wir uns ja abreagieren. Meistens waren wir wie aufgedreht und für jeden Blödsinn zu haben. Das Bild zeigt von links nach rechts: Unbekannt, Kurt STÜLTZ, Franz KHOLLAR und "Gipsy" EDELMANN.

                                                                                  

Niemals werde ich meine Korneuburger große Jugendliebe Elfriede MÜHL vergessen. Ein sympathisches und tolles Mädchen mit kastanienbraunen Haaren und lustigen Sommersprossen, die immer lustig funkelten wenn sie wütend war. Sie wohnte gleich neben dem Werftgelände in dem großen DDSG- Bau. Da sie noch sehr jung war, achteten ihre Eltern immer strikt darauf, dass sie nicht mit Schiffsleuten in Berührung kam. Denn laut Aussage ihrer Mutter waren wir kein Umgang für ihre Tochter. So konnten wir uns nur heimlich und mit äußerster Vorsicht treffen. Trotzdem reichte unsere Bekanntschaft weit über meine Lehrzeit hinaus. Ich war damals sehr in sie verschossen, und ich glaube es ging ihr ebenso. Leider ist mir das einzige Foto, das ich von ihr habe, abhanden gekommen. Habe sie leider, zu meinem größten Bedauern, bis heute nicht mehr wieder gesehen. Es wurde mir berichtet sie hätte früh geheiratet, ein Kind bekommen und sei nach Leobendorf gezogen. Nach letzten Informationen soll sie sich in ein kleines Örtchen bei Krems zurückgezogen haben. Wer weiß mehr darüber?

                                                         

 

                                        Teilnehmer des letzten Schuljahres 1964/65

 Hubert GIRACEK            Johann BAUER            Peter ALFANS            Josef ECKELSBERGER            Gottfried LANGER            Günter MAURER

 Otto PYCHA            Robert SCHREINER            Peter TOBIAS            Rudolf FABINGER            Julius SATOVIC            Herbert SCHMID

Mit diesen Lehrlingen, die ihr drittes und letztes Lehrjahr absolvierten war ich in meinem ersten Lehrjahr zusammen. Die so genannten "Dreijährigen" waren die Herren hier und ließen uns "Einjährige" meistens schmerzlich spüren wer hier das Sagen hatte. Unter ihnen blieb Hubert "Hubsi" GIRACEK der letzte Mohikaner, der bis heute mit der Schifffahrt verbunden ist. Otto PYCHA habe ich beim Hafenfest 2007 in der Korneuburger Werft getroffen.

 

Dass die Schiffsjungen der Gesellschaft eine ausgezeichnete Ausbildung erfuhren, wurde immer wieder unter Beweis gestellt. Der ehemalige Schiffsjungen Franz KHOLLAR schaffte es durch seine ausgezeichneten schiffmännischen Leistungen sogar lobend in der Mitarbeiterzeitung "Donau - Kurier" namentlich erwähnt zu werden. Das unten stehende Bild zeigt ihn als blutjunger Lehrling im letzten Jahr seiner Schiffsjungenausbildung bei einer Zeitungsreportage am Schulschiff in der Korneuburger Schiffswerft.

 

                                                                                         

 

 

                                      Meisterleistung von MGSS "Jochenstein" ( "Donau- Kurier April 1982)

                                                                                    

Auch während des strengen Winters 1981/82 hielt die DDSG den Schiffverkehr nahezu ohne Unterbrechung aufrecht, was vor allem an die Besatzungen erhöhte Anforderungen stellt, die dem Laien kam vorstellbar sind. Dass den schwierigen Umständen zum Trotz alle Aufgaben ohne größere Schadensfälle bewältigt werden konnten, beweist Einsatzfreudigkeit und Sachkenntnis des Personal. Besonders hervorgehoben zu werden verdient der Durchbruch des MGSS "Jochenstein" durch einen Eisstoß im Kraftwerksbereich Sip. Wir zitieren aus dem Bericht des Kommandanten Kpt. Franz KHOLLAR:

"Am 27. Jänner 1982 erreichte MGSS "Jochenstein" im Zug der Bergreise Ismail - Linz Turn- Severin und erhielt dort die Order stehen zu bleiben, da sich im Kraftwerkbereich Sip ein Eisstoß durch zusammengeschobene Treibeisplatten gebildet hatte. Nach Verbindungsnahme mit Herrn Inspektor CERVENKA wurde am 28. Jänner die Eisansammlung vom Schiffkommando und Herrn CERVENKA persönlich besichtigt. Da zu diesem Zeitpunkt die Schifffahrtssperre noch inoffiziell war, wurde versucht, da nach unserer Meinung eine Passage mit Eisbrecherunterstützung noch möglich gewesen wäre, eine Durchfahrtsgenehmigung zu bekommen. Trotz intensivster Bemühungen von Herrn CERWENKA gelang es jedoch vorerst nicht, eine kompetente Dienststelle zu finden, welche bereit gewesen wäre, diese Genehmigung zu erteilen. Nach einem Besuch des stellvertretenden Transportministers auf MGSS "Jochenstein", bei welchem von CERWENKA auch das Problem der Eisstoß - Durchfahrt zur Sprache gebracht wurde, begann Leben in die Angelegenheit zu kommen. Da auch die SDP - Vertretung andauernd intervenierte und eine Kommission am 3. Februar an Bord von NAVROM - "Dacia" die Eisverhältnisse begutachtet hatte, gelang es der SDP- Vertretung, eine Genehmigung für die Talfahrt eines Schiffs mit einem Ponton (Breite 16m) zu erreichen. In dieser Angelegenheit hakte CERVENKA ein und erreichte für uns eine Sondergenehmigung für die Durchfahrt trotz der inzwischen offiziell gewordenen Schifffahrtssperre und Vorspann durch das mit Eisbrecher - Vibrator ausgerüstete NAVROM- Schiff "Dacia". Am 4. Februar erhielten wir die Freigabe, nachdem CERWENKA einen Revers über die Eigenverantwortlichkeit des Unternehmens unterschrieben hatte.

Die Bergfahrt bis zur Schleuse verlief vollkommen normal, da unterhalb des Kraftwerks die Donau vollkommen eisfrei war. Auch die Schleusung von 15 - 16 Uhr wurde ohne Probleme durchgeführt, da sich innerhalb der rumänischen Schleuse nur einige Eisreste befanden. Im oberen Schleusenvorhafen wartete bereits NR "Dacia" auf uns und nach Übergabe des Schleppseils auf die linksseitig beigekoppelten Bargen begannen wir mit der Eisdurchfahrt.

Da der SDP- Konvoi durch die jugoslawische Schleuse zu Tal geschleust worden war, verlief auch der gebrochene Kanal entlang des jugoslawischen Ufers, jedoch hatte "Dacia" eine ca. 10 m breite Fahrbahn von der rumänischen Schleuse zum jugoslawischen Ufer gebrochen und so konnte die Eisdurchfahrt ohne grö0ere Probleme von statten gehen. Der erste Eisstoß bestand aus ineinander geschobenen Treibeisplatten mit einer Stärke von 10-20 cm. und reichte vom Kraftwerk (943) bis ca. km 948. Von Kilometer 948 bis km 951 durchfuhren wir dann eine größere eisfreie Fläche und ab km 951 einen weiteren Eisstoß, welcher bis km 956 reichte.

Durch einen kurzzeitigen Maschinenstopp von NR "Dacia" (vermutlich Verlegung einer Leitung durch Eis) blieb der Konvoi, bei ebenfalls gestoppten Maschinen von "Jochenstein" kurzzeitig im Eis liegen, konnte jedoch ohne Schwierigkeiten wieder in Bewegung gebracht werden. Da inzwischen die Dunkelheit hereingebrochen war und die Eisfahrt nur bei Tageslicht hätte durchgeführt werden sollen, wurde dem Kommandanten von NR "Dacia" nach erfolgreicher Passage der besondere Dank von Schiff und DDSG ausgesprochen.

Zu bemerken wäre noch, dass im Zug dieses Eisdurchbruchs keinerlei Gefahr für Schiff und Personal bestand und auch Propeller und Maschine diese Beanspruchung ohne Schaden überstanden, jedoch die einhellige Meinung vorliegt, dass eine Durchfahrt ohne Eisbrecher- bzw. Vorspannhilfe nicht möglich gewesen wäre. Die weitere Bergfahrt verlief ohne Komplikationen und es wurden nur mehr im Kazan treibende Eisplatten im Ausmaß von 5-10 % der Wasseroberfläche festgestellt.

Wir gratulieren und danken Herrn Kpt. Franz KHOLLAR, ebenso aber seiner Besatzung, den Herren II. Kpt. Richard KÖNIG, I. Steuermann Johann KOLLAR, II. Steuermann Peter SCHMEHL, Bootsmann Mirzan HOPOVAC, Matrose Josef ULRICH, nicht zuletzt jedoch dem "starken Herzen" des Schiffs, Maschinenbetriebsleiter Karl KHAAR.

                                                            

 

                                         Auszug aus dem Kollektivvertrag für die Dienstnehmer der Donauschiffahrt

                                                            vom 31. März 1953

    Die bei den Unternehmungen beschäftigten Schiffsjungen erhalten ein Taschengeld. Dieses beträgt:

            Im 1. Lehrjahr    S 27.- pro Woche,

            Im 2. Lehrjahr    S 32.- pro Woche,

            Im 3. Lehrjahr    S 37,- pro Woche.

 

 

          Ein Schiffsjunge machte Karriere.

Schlagzeilen machte Wolfgang MEKIS, der nach seinen Jahren als Schiffsoffizier bei der DDSG die Laufbahn eines Staatsanwaltes ergriff. Unvergessen seine Verhaftung eines prominenten Politikers, worüber in den diversen Printmedien groß berichtet wurde. Später stolperte er über die Affäre HUMMELBRUNNER, arbeitet nur noch als Strafverteidiger, und wurde sogar zum Lebensretter.

 

                                                           

                                      So wurde damals über den ehemaligen Schiffsjungen und gelernten Binnenschiffer berichtet.

 

 

                               Aber auch die neue Generation machte sich ausgezeichnet.

Die folgenden Bilder stammen aus der Sammlung von Helmut CHUDIK, ehemaliger Schiffsjunge und DDSG- Kapitän. Sein Hobby ist der Schiffsmodellbau, wobei er auch eine umfangreiche Sammlung von Erinnerungsstücken der Dampfschifffahrts- Gesellschaft besitzt.

 

                                                                               

               Kapitän CHUDIK stolz vor seinen Schiffsmodellen. Er besitzt großes Talent für sein großes Hobby, wovon man sich selbst anhand der Fertigstellung des Modells der "ASCHACH" überzeugen kann. Die auf dem rechten Bild zu sehenden Exponate stammen aus der Ausstellung "40 Jahre Schulschiff".  Schifffahrtsausstellung in Hainburg mit DDSG- Geschirr und Gedeck. Letztes Bild: Schiffsjungenlehrgang Oktober 1987 mit Helmut CHUDIK. Rechts Schulschiffkapitän Ernst HINUM, der stolz und gelassen in die Kamera blickt. (Alle Bilder Sammlung Chudik).

                            

                                                                                Die letzte Generation

                                            

                                                         

      Damals noch voller Stolz und Tatendrang: Die beiden "Jungspunde" Kurt und "Happy". Es gibt wieder neue Schiffsjungen und sogar ein "Schiffsmädchen" ist darunter. (Foto Kronen Zeitung)

 

                                        Rudolf F., ein Schiffsjunge erinnert sich gerne zurück

                                                          

   Rudolf F. ging aus der beinharten Ausbildung der DDSG- Lehrlinge am Korneuburger Schulschiff hervor. Ein baumlanger, kräftiger Mann der niemals Angst vor der Arbeit hatte. Nach einigen Jahren bei der DDSG heuerte er bei der "COMOS" und in weiterer Folge beim "Bayerischen Lloyd" an. Bis er schließlich dem Schifffahrtsleben ganz den Rücken kehrte. Mit seiner Mitgliedschaft im DDSG - Pensionistenklub blieb er aber weiter der Donau verbunden. Hier einige Fotos aus seinem DDSG- Leben.

                                  

      Bild 1 zeigt ein Teil der Mannschaft der "Theodor Körner", wo Rudi Matrose war. Darunter war auch Schiffsjunge Wolfgang R. Auf Bild 2 sind die stolzen Matrosen mit den Schiffsjungen Wolfgang R. und Franz K. zu sehen. Man beachte den feinen Unterschied in der Uniformierung. Während sich die Matrosen im schicken Rollkragenpullover und Dienstkappe präsentierten, blieb für die Lehrlinge nur noch gestreiftes Leiberl sowie "Schifferl" übrig. Natürlich war man als Schiffsmann bei den Mädchen der Hahn im Korb. Man mochte sie eben die Burschen von der Donau. Ganz besonders in ihrem Stammlokal dem "Stella" am Mexikoplatz. Beim letzten Bild handelt es wahrscheinlich um DFS "Schönbrunn" im Jahre 1965.

                                                       

     Auch selbst war Rudolf kein Kostverächter. Hier präsentiert er sich mit Frl. Isolde. "Theodor Körner", das damalige Flaggschiff der DDSG.  Fesch und blutjung: Rudolf F. 1965

                                          

 

Das waren einige Eindrücke aus meiner Lehrzeit. Die wirklich beinhart, aber irgendwie doch schön war. Man war blutjung, hatte das Leben noch vor sich und wollte der Welt ein Loch schlagen.

Obwohl man sich heute eine solche Ausbildung sicherlich nicht mehr vorstellen kann, war es eine Erfahrung die ich nicht missen will. Oder ist es wirklich so wenn man sagt, dass man sich mit den Jahren nur noch an die schönen Stunden zurückerinnert? 

 

 

 

                                                                                                                           

 

 

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