Schiffsreise nach Russland                                                      

 

                               

                                    

                                                    

                           MS "Korneuburg", links wie ich das Schiff damals hergerichtet hatte, und rechts nach dem Verkauf an die ungarische Gesellschaft "FOKA", Budapest, mit der neuen Bezeichnung.

 

                                                          

                                         MS "Korneuburg" vor der Wiener Reichsbrücke. Es dürfte sich dabei um eine Aufnahme aus den frühen 1960- Jahren handeln. (erworben Sammlung Raffy). Die "Korneuburg" beim dafür vorgesehenen Russlandponton. Hier hatte man zwei Stehtage ehe man die Russlandreise antrat. Zeit um Material für die Schiffserneuerung sowie Proviant und Getränke an Bord zu schaffen. (Sammlung Raffay).

                                               

Historie eines Schiffes:  Das linke Bild zeigte die "Korneuburg" noch unter ihrem Namen "Riga", als sie von den Sowjets nach dem Staatsvertrag 1955 der DDSG überlassen wurde. Die Arbeiter der Korneuburger Schiffswerft führen gerade die letzten Arbeiten durch. Am zweiten Bild ist das Schiff mit neuem Namen mit seinen 2x 630 PS als Zugschiff für die DDSG unterwegs. Das dritte Bild datiert aus dem Jahre 1972, wo das Schiff nach Ungarn verkauft wurde und nun mit der Bezeichnung "FK 342" unterwegs ist. Übrigens, der weiße Lackstreifen wurde von der letzten DDSG- Besatzung auf dem Schiffskörper aufgebracht. So machte das Verkaufsobjekt einen gleich noch schnittigeren, sowie gepflegten Eindruck. Was auch den Ungarn gefallen haben muss, wie auf dem letzten Bild zu sehen ist. Es zeigt die "Korneuburg" nach ihrer Außendienststellung als abgestelltes Hotelschiff vormals in Esztergom. Man beachte, der weiße Streifen ist noch immer da. (Alle Bilder aus der Sammlung Dosch).

 

                                                                            

 

                     

                                            Russlandreise Wien - Ismael - Wien  mit MS "KORNEUBURG "

 

                              Reiseantritt:                            16. Juli      1970

                              Ankunft Wien Praterkai:         22. August 1970

 

 

 

                                                                              Talfahrt:

 

                                  Schiffsbesatzung:   

 

I. Kapitän SCHMITZ Johann Haslau (Niederösterreich)
II. Kapitän, Rechnungsleger WAIS Norbert Wien - Simmering
I. Maschinenbetriebsleiter KRANZ Gerhard Wien- Leopoldstadt
II. Maschinenbetriebsleiter BEIRITSCH Hans Steiermark
Bootsmann KRISPER Wolfgang Graz
I. Matrose BAUMANN Franz Niederösterreich
II. Matrose BINDERLEHNER Josef Vorarlberg
Manipulant PUTZ Siegfried Niederösterreich
I. Motorenwärter KOZEL Reinhard Oberösterreich
II. Motorenwärter RUTH Lambert Wien - Simmering
Schiffsköchin WESTEN Hermine Wien - Leopoldstadt

 

                 Österreichische Steuerleute, befuhren nur den Streckenabschnitt Wien - Budapest:       

Lotse  Josef              VITTNER  Niederösterreich/Ungarn
 I. Steuermann  Alois               ZANOL  Niederösterreich
 II. Steuermann  Johann            BLAUENSTEINER  Niederösterreich

 

  Ungarische Steuerleute, gemietet von der ungarischen Flussschifffahrtsgesellschaft MAHART,

    befuhren nur den Streckenabschnitt Budapest (Ungarn) - Turnu Severin (Rumänien). 

   I. Steuermann  PINTER    Szigismund
  II. Steuermann  SÜTÖ       Alexander

                                                  

   Rumänische oder Ungarische Steuerleute, gemietet von der Jugoslawischen Gesellschaft JRP,

     befuhren nur den unteren Streckenabschnitt zwischen Turnu Severin - Ismael (Russland)

   I. Steuermann    GENCIC            Dimitrije
  II. Steuermann    SRBULOVIC      Branislav

 

 

             Talanhang ab Wien:

Güterkahn 10103 Leer
Güterkahn 10104 Leer
Tankkahn 13501 Leer, nur bis Komarom
Güterkahn 10041 Leer
Güterkahn 10012 Leer
Güterkahn 10017 Leer
Güterkahn 10056 Leer

   

                        Auszug aus dem Logbuch

  Am 17.06 in SZÖNY (Ungarn) 49700 kg. Gasöl gefasst
  Ankunft MOHACS (Ungarn) am 18.07 um 11.00 Uhr
  Ankunft BEZDAN (Jugoslawien) am 18. 07. um 16.00 Uhr
  Ankunft BELGRAD (Jugoslawien) am 19.07. um 18.00 Uhr
  Ankunft VELIKO GRADISTE (Jugoslawien) am 20. 07. um 18.00 Uhr
  Von 21. 07 bis 22.07. Arbeit in den KATARAKTEN
  Ankunft TURNU SEVERIN (Rumänien) am 22.07. um 10.00 Uhr
  Ankunft in C. CALARASI (Rumänien) am 24.07. um 03.00 Uhr
  Ankunft GALATZ (GALATI, Rumänien) am 25.07.um 08.00 Uhr
  Ankunft ISMAEL (UdSSR) am 25. 07. um 16.00 Uhr
  VADUL - OI - Brückenmanöver durchgeführt

       

                                                                 

                                                Sonnenaufgang auf der unteren Donau    

 

                                   Bergfahrt                                       

 

                   Berganhang ab Ismael:

Güterkahn 10008 854 to. Kohle 20,5 Tiefgang
Güterkahn 10076 845 to. Kohle 20,0
Güterkahn 10071 811 to. Kohle 20,0
Güterkahn 10009 815 to. Kohle 19,8
Güterkahn 9501 871 to. Erz 19,0
Güterkahn 10001 880 to. Erz 21,1
Güterkahn 10002 890 to. Erz 21,5
Güterkahn 10005 895 to. Erz 21,6
Güterkahn 10017 892 to. Erz 21,0
Güterkahn 10056 902 to. Erz 21,2
Güterkahn 10067 880 to. Erz 21,2
Güterkahn 10104 546 to. Koks 14,3 dm.

 

                              

     

  Abfahrt ISMAEL am 31.07. um 16.00 Uhr
  Ankunft GALATZ (Rumänien), am 01.08. um 11.00 Uhr
  Ankunft C. CALARASI (Rumänien) am 04.08. um 11.00 Uhr
  Ankunft KLADOVO (Jugoslawien) gegenüber TURNU SEVERIN (Rumänien, am 08.08. um 22.00 Uhr
  Gasölfassung und Ergänzung in TURNU SEVERIN (Rumänien) am 09.08.
  Vom 09.08. bis 11. 08. KATARAKTENMANÖVER
  Ankunft VELIKO GRADISTE (Jugoslawien) am 11.08. um 22.00 Uhr
  Ankunft BEOGRAD (Jugoslawien) um 24.00 Uhr
  Ankunft BEZDAN (Jugoslawien) am 15.08. um 23.00 Uhr
  Ankunft MOHACS (Ungarn) am 16.08. um 08.8.00 Uhr
  Ankunft BUDAPEST (Ungarn) am 18.08. um 07.00 Uhr
  Gasölfassung in SZÖNY (Ungarn) am 20.08.
  Ankunft KOMAROM (Ungarn) am 20. 08. um 08.00 Uhr
  Von KOMAROM (Ungarn) mit zwei beladenen Schleppkähnen aus eigenem Anhang nach Wien
  Ankunft Wien - Praterkai am 22.08. um 22.00 Uhr

 

 

       Ungarische Steuerleute ab Turnu Severin:

 I. Steuermann   ANNAU   Stefan
 II. Steuermann   SZALAY   Johann
 III. Steuermann   KARDOS   Ludwig

 

  Österreichische Steuerleute von Budapest bis Wien:

  I. Steuermann   BOHACEK   Franz
  II. Steuermann   ZANOL   Alois

   In Komarom am 20. 08. Schlepplotse Edmund KRANZER eingestiegen                                         

                                             

 

                              

   Talfahrend beim Durchstellen im "Sip"- Kanal.  Mit der Motorzille musste oftmals auf der unteren Donau Revision angemeldet werden Signalstelle und Schönheit der Landschaft. Talfahrend mit Gesamtanhang, noch vor der Kataraktenstrecke, vom Kommando der "Korneuburg" aus gesehen. Blickwinkel des Manipulanten bei seiner Arbeit auf den Anhangfahrzeugen. Einfahrt in den Greben: Die Aufnahme stammt wahrscheinlich aus den 1950- ziger Jahren.

 

                              

  Der berühmte "Babagei"- Felsen, bei der Katarakteneinfahrt. "Taufstein" für Neulinge.  Durchstellen von 2 Warenbooten. sieht fast wie eine Spielzeugeisenbahn aus: Holzzug unter Dampf in dem rumänischen Örtchen Drenkova. Jugoslawische Schleusenkammer der neu in Betrieb genommenen Schleuse Eisernes Tor. Schleusenausfahrt Eisernes Tor zu Tal nach Ismael. Rechts ist die rumänische Schleusenkammer des Gemeinschaftskraftwerks zu sehen. Immer für ein Späßchen gut: Die Seele des Schiffs und unvergessener Chef der Maschine Gerhard K. und II. Kapitän Norbert W. Matrose auf MS "Korneuburg".

                                  

              Auch die DDSG versuchte sich in den 1970- Jahren in der Schubschifffahrt. MS "KORNEUBURG" hatte den Auftrag bei dieser Reise auch Schubversuche durchzuführen. Am linken Bild sind diese genau aufgelistet und dazu auch noch penibel genau Örtlichkeit, Zeit und Reisegeschwindigkeit. Leider musste man diesen Gedanken gleich wieder verwerfen Zugschiffe als Schubschiffe einzusetzen, denn in Wien wurde festgestellt, dass sich der Schiffskörper der "KORNEUBURG" dabei verzogen hatte.  Das zweite Bild zeigt das Schiff auf der unteren Donau von der Motorzille aufgenommen. Am dritten Bild ist der Gesamtanhang im Russlandverkehr bergfahrend auf der rumänischen Donaustrecke zu sehen. Das vierte Bild zeigt auch, dass große Seeschiffe weit die Donau hinaufkamen.   Am fünften Bild ist eine der zahlreichen Schiffsmühlen zu sehen, die damals auf der unteren Donau anzutreffen waren. Das sechste Bild zeigt eine besonders schöne Ansicht der "KORNEUBURG", von deren Motorzille aufgenommen. Auf dem siebenten Bild ist das Schubschiff "LINZ" bergfahrend in Schubformation zu sehen, was schon ein imposanter Anblick war. Das achte Bild zeigt wie ein russisches Schubschiff in den Abendstunden die "KORNEUBURG" überholt.

 

                                  

       Am ersten Bild ist die rumänische Hafenstadt Braila zu sehen und im Vordergrund der kleine Dampfer "PASCAL", der damals noch von der französischen Donaureederei betrieben wurde. Das zweite Bild zeigt ein altes Dampfschiff, das in Galatz auf weitere Order wartet.   Das dritte Bild zeigt MS "KORNEUBURG" von rückwärts gesehen in der Schleuse "EISERNES TOR". Wie man am vierten Bild feststellen kann ist die Schleusenkammer so lang, dass man locker mit Anhang hinter einem russischen Schubschiff Platz hat. Dass es sich dabei um die jugoslawische Schleusenkammer handelt kann man deutlich am Bug der "KORNEUBURG" erkennen, wo diese Flagge aufgezogen ist. Das fünfte Bild beweist deutlich, dass sogar drei Schiffsverbände in die Schleusenkammer passen. Zufälligerweise handelt es sich beim dritten Schiff um die sowjetische "KRONSTADT", ein Schwesterschiff der "KORNEUBURG". Am sechsten Bild hat das DDSG- Schiff gerade die Schleuse verlassen und fährt zu Berg. Das siebente Bild zeigt die Ankunft des II. Kapitän und Bootsmann des Russlandschiffs bei ihrer Rückkehr nach den Revisionsarbeiten. Am achten Bild sind die Schiffsbewegungen vor der jugoslawischen Revisionsstadt Bezdan zu sehen. Die "KORNEUBURG" wird gerade von einem russischen Schubschiff überholt.

 

                                  

         Das erste Bild zeigt den II. Kapitän der "KORNEUBURG", den unvergessenen Norbert W. Die weiteren Bilder zeigen das Izmailer Mädchen Swetlana P., bei Feiern (man beachte den etwas merkwürdigen Gesichtsausdruck ihrer beiden Brüder, wahrscheinlich hat man etwas zuviel getrunken), im Kreise ihrer Familie mit Schwester, Mutter und "Babuschka".  Trotz stärkster Kontrolle durch die Sowjets gelangten immer wieder Briefe von russischen Mädchen nach Österreich. Interessant darauf auch die Briefmarken, die sicherlich großen Sammlerwert haben.

                           

                              

    Bestimmungshafen Izmail (heutige Ukraine).  DDSG- Schleppkähne bei der Be- bzw. Umladung von einem Seeschiff auf die Donaufahrzeuge.  MS "Korneuburg" wie sie der Maler sah. (Sammlung Parolini).  Noch zwei Fotos aus der Sammlung Dosch: Links MS "Korneuburg" im Dienst der DDSG und rechts das Schiff nach dem Verkauf mit der neuen ungarischen Bezeichnung.  Der Stolz der DDSG auf dem Frachtschiffsektor. Motorschubschiff "LINZ" auf voller Fahrt, links in Wien- Zwischenbrücken, rechts in der Wachau.

 

Im Durchschnitt kam ein Russlandschiff  der DDSG wie z. B. die "KORNEUBURG" in einem Jahr auf 4-5 Russlandreisen. Die Besatzung eines solchen Schiffs hatte so in einem Jahr vielleicht 6-7 freie Tage um Freunde oder Familien zu besuchen....

                                                                 

             ZUGSPROTOKOLL ANFORDERUNG  HAVARIE PROTOKOLL  SCHRIFTLICHE ERKLÄRUNG  FRACHTBRIEF  PROTOKOLL ÜBER DEN TIEFGANG DES SCHLEPPERS INVENTAR LISTE  GEHALTSTAFEL SCHIFFSDIENST ÖSTERREICH AB 1.JULI 1972 IN ÖS  GEHALTSTAFELN GÜLTIG AB 1.OKTOBER 1973  

                                      Diverse Dokumente die für die Russland- Reisen zwingend vorgeschrieben waren.

 

 

                                                                    Es stand im "Donau - Kurier"  (September 1970)

                                                                    Eine neue DDSG - Agentie in Izmail

 

Das über Izmail und Reni abzuwickelnde große Transportvolumen, bestehend aus Kohle -, Erz -, Bleche - und Rohöltransporten sowie Donau - See - Gütern, hat die DDSG zur Errichtung einer eigenen Agentie in Izmail veranlasst. Mit der Leitung der neuen Dienststelle wurde Kapitän Peter STEINDL betraut, der seit Ende Mai in seinem Aufgabenbereich tätig ist.  Die Anschrift lautet:

Agentie der Ersten Donau - Dampfschifffahrts - Gesellschaft  Ulica Chotinskaja 2/11, Izmail/ UdSSR, Telefon: 90 2 08

Die DDSG verfügt nun bei den unteren Donauanliegern bereits über eigene Vertretungen in Bratislava, Budapest und Izmail. Dieser Umstand zeigt die in den letzten Jahren wachsende Bedeutung des Warenaustausches für die österreichische Binnenschifffahrt an.

 

 

                                                                     Güterverkehr 1979 ( aus dem "Donau - Kurier", Oktober 1979)

Das ausreichende Transportsubstrat für unsere Gesellschaft und die relativ günstigen nautischen Bedingungen sind vor allem die Voraussetzungen gewesen, dass im Zeitraum 1. Jänner bis 31. August 1979 mit 2.222,185,1 t um 134.175,1 t oder um 6,4% mehr Transportmengen befördert werden konnten als in den ersten 8 Monaten des Jahres 1978.

Der Anteil der Mineralprodukte am gesamten Transportaufkommen machte im Berichtszeitraum 1979 649.284, 3 t und 1978 671.484, 1 t aus. Die Steigerung der Leistungen liegt daher ausschließlich auf dem Sektor der Trockengüter und vom Verkehrsabschnitt her gesehen im Bereich zwischen den Donauhäfen Regensburg und Linz und vom Gut her betrachtet nahezu ausschließlich bei den Eisenerz- Transporten im Westverkehr. Wäre die Güterschifffahrt nicht 16 Tage im Jänner 1979 wegen des Kälteeinbruchs sowie 4 Tage im März und 6 Tage im Juni 1979 wegen Hochwasser vorübergehend eingestellt gewesen, lägen die beförderten Transportmengen wesentlich höher. Die stärkere Beschäftigung im Westverkehr, die auf die größeren Erzbezüge der VÖEST - ALPINE über Hamburg zurückzuführen ist, hätte auch dazu beigetragen, bessere finanzielle Ergebnisse zu erzielen, wären nicht enorme Preiserhöhungen für Gasöl ab dem 2. Quartal 1979 eingetreten. Die stärkste Erhöhung musste in der UdSSR hingenommen werden, in der der Gasölpreis von 100 Rubel zum Jahresanfang auf 230 Rubel je 100 kg seit dem 25. August d. J. angestiegen ist. Für unser Unternehmen wirkt sich auch die Schillingaufwertung nachteilig aus, da unsere Transportleistungen für ausländische Auftraggeber Exporten gleichzustellen sind.

Das Ergebnis für September d. J. liegt noch nicht vor, aber die Trockenheit führte zu geringen Wasserständen mit einer verminderten Auslastung der Fahrzeuge, insbesondere im Westverkehr. Auf der deutschen Donaustrecke steht zwar ein kanalisierter Abschnitt zwischen Kelheim und Regensburg zur Verfügung, der von den größeren Donaureedereien kaum befahren wird, während der Abschnitt zwischen Regensburg und Vilshofen nach wie vor bei Niedrigwasser, je nach Pegel Schwabelweis, eine Verringerung der Lademenge bis auf 40% erzwingt. Nach den uns vorliegenden Aussagen wird eine Vollschiffigkeit in diesem Bereich erst Mitte der 90-ziger Jahre möglich sein, es sei denn, dass größere Geldmittel eine Beschleunigung dieses wichtigen Abschnitts ermöglichen. Wenn die nautischen Voraussetzungen im vierten Quartal 1979 ähnlich wie im Vorjahr günstig sind, wird voraussichtlich des Rekordergebnis 1978 übertroffen werden. Transportsubstrat ist in ausreichendem Maße vorhanden.

 

 

                                                                 Aus dem eigenen Fotoarchiv

                      Die folgenden Bilder wurden von meinen alten Schmalfilmen kopiert. Sie stammen aus Mitte 1960 und man sieht ihnen die mangelnde Bildqualität an.

                                 

                Links wartet ein ungarisches Zugschiff ( es handelt sich dabei wahrscheinlich um die ""Tatabanya") auf Schleusung beim Eisernen Tor. Das zweite Bild zeigt den Blick vom Schiff zur Einfahrt in die Kataraktenstrecke.  Die letzten Bauarbeiten am Kraftwerk Eisernes Tor.    MS "Korneuburg" am angestammten Liegeplatz in Izmail. Am Bug ist die russische Flagge aufgezogen, im Hafen herrscht strengstes Fotografierverbot.   Blick auf den Hafen Ismael, versteckt aufgenommen, wo gerade ein Seeschiff einfährt.  Monument eines russischen Panzerkreuzers vor dem Park des Seemannsheims in Izmail.   Aufgestellte Tafel der braven Soloarbeiter im Park vor dem Seemannsheim

 

                     

    Seemannsheim in Ismail. Beliebter Schiffertreffpunkt. Im Erdgeschoss befand sich eine  Bibliothek, im I. Stock ein Restaurant mit großem Tanzsaal.  Solch Eindrücke von den verdreckten Nebenstrassen nahm man mit nach Hause.    Portraits  der "braven" Solo- Vorarbeiter die man auf einer Wand bewundern konnte.

 

 

                                                                   Ismael, oder der Versuch einer Hafenbeschreibung

Der einstige Sowjethafen, in verschiedenen Schreibweisen als Ismael, Izmail oder Ismael angeführt, befindet sich im nördlichen Mündungsarm. Dieser Arm führt 63 Prozent des gesamten Donauwassers ab und bildet die Grenze zwischen Rumänien und der Sowjetunion. Er ist der größte russische Donauseehafen, der eine eigene Kilometrierung aufweist. So ist Ismail bei km 93 von der Mündung ins Schwarze Meer gelegen. Obwohl die Wasserstraße dort ziemlich breit ist, weist der Arm zahlreiche Windungen auf.

Im 16. Jahrhundert wird der heutige Name der Stadt das erste Mal für eine türkische Festung erwähnt. Im 18. Jahrhundert spielte Ismael in den Kriegen Russlands mit der Türkei eine bedeutende Rolle. Im Jahre 1770 nehmen die Russen erstmals, unter dem Kommando von General Repnin, die Festung ein. Obwohl Russland den Zugang zum Schwarzen Meer erhielt, blieb die Stadt bei der Türkei. Doch beiden Staaten war bewusst, dass der Friede nicht allzu lang dauern würde. So wurde Ismael zu einer modernen Festung ausgebaut. Die ganze Anlage war durch einen tiefen Wassergraben geschützt, die südliche Flanke war dank der Donau praktisch unangreifbar. 1787 kam es doch zum Angriff und von Sultan Selim III. erging der Befehl, die Stadt bis zum letzten Mann zu verteidigen. Die ersten Versuche die Stadt zu erobern schlugen fehl, da unter den unentschlossenen russischen Generälen Gudowitsch, Potemkin und Deribassa, eine gemeinsame Erfolg versprechende Kriegsführung nicht möglich war. Aus diesem Grund wurde am 20. November 1790 der Oberbefehl an General A. W. Suworow übertragen. Am 11. Dezember 1790 begann der Sturmangriff und trotz hoher russischer Verluste gelang es die Stadt einzunehmen. Dabei verloren die Türken 26.000 Mann, 245 Kanonen, 30 Schiffe und 364 Kriegsflaggen. Aber obwohl der Friede für Russland günstig ausfiel, musste Ismael abermals an die Türken zurückgegeben werden.

Doch schon 1809 belagerten die Russen wieder die türkische Festung. Der kommandierende General Bagration wandte dabei die Belagerungstaktik an. Trotzdem ermöglichte nur der Zufall die Einnahme der Stadt. Eine verirrte Mörserkugel traf das Pulvermagazin und sprengte es in die Luft, worauf die Türken kapitulierten. Die Russen erbeuteten dabei 220 Kanonen, die teilweise noch heute als Dekoration vor den öffentlichen Gebäuden der Stadt stehen. Aber nach dem Krimkrieg 1856 musste Ismael schon wieder an die Türken abgetreten werden. Am 13. April 1877 wurde die Stadt zum vierten Mal von den Russen eingenommen. Der Berliner Kongress sprach die Stadt vorerst endgültig den Russen zu. Doch wieder wechselten die Besitzverhältnisse und zwischen 1918 und 1944 war der Ort rumänisch. Am 26. August 1944 wurde Ismael endgültig durch die Rote Armee befreit und die Stadt erlebte einen blühenden Aufschwung. Rasch wurde eine Verbindung zum sowjetischen Eisenbahnnetz hergestellt, ein großer leistungsfähiger Hafen angelegt, der inzwischen zu den modernsten an der Donau zählt. An diesen schlossen sich eine Schiffswerft sowie ein Fischverarbeitungsbetrieb an. Der rasch wachsenden Bevölkerung (70.000 Ew., Stand 1960), stehen moderne Wohnviertel, Spitäler und ein Museum zu Verfügung. Hier wurde auch 1944 die Sowjetische Staatliche Donauschifffahrts - Gesellschaft (SPDG) gegründet.

Das Erste, das sich in den Blickwinkel der Besatzung eines österreichischen Schiffes schiebt, das talwärts fährt, ist die riesige Hafenanlage am linken, sowjetischen Donauufer. Der fast nicht mehr überschaubare Hafenbereich beherbergt Schiffe aller Nationen. Riesige Seeschiffe griechischer, zypriotischer oder afrikanischer Nationalität löschen hier ihre Ladungen. Hier wird Tag- und Nacht um- und ausgeladen. Nachdem man gewendet hat muss auf die russische Eintrittsrevision gewartet werden. Sowjetische Zoll- und Milizbeamte kommen mit einem eigenen Revisionsboot an Bord um jede einzelne Person mit dem Foto in den Schifferpässen zu vergleichen. Diese werden eingesammelt, von den Russen mitgenommen um aufgrund der Anzahl der Besatzungsmitglieder die Ausgehscheine vorzubereiten. Der so genannte "Prospukt"- der Ausgehschein, regelt den Stadtausgang, der  bis 22.00 Uhr MEZ, 24.00 Uhr russische Zeit begrenzt ist. Sollte man erst danach wieder aufs Schiff zurückkehren, so hat der russische Posten das Recht den Ausgehschein einzubehalten. Damit hat man sich eines Vergehens schuldig gemacht und die Strafe folgt auf den Fuß. Die vorsieht, dass man in weiterer Folge das Schiff während seiner Liegezeit hier im Hafen nicht mehr verlassen darf. Was bei Aufenthalten bis zu einer Woche oder noch länger ziemlich unangenehm ist. Wobei aber doch für die Sowjets ein ziemlich beträchtlicher Spielraum bleibt. Es ist auch schon vorgekommen, dass der "Zuspätkommer"  bereits am nächsten Tag seinen Ausgehschein zurückbekam und so weiterhin die Stadt besuchen konnte. Andererseits wieder galt diese Strafe für einen "Zeitüberschreiter" nicht nur diesmal, sonder auch für seine nächste Ankunft hier. Es war eigentlich nie vorauszusehen wie die Russen entscheiden würden.

Die Revisionsdauer beläuft sich im Durchschnitt auf zwei bis drei Stunden. Deshalb versuchen die Kapitäne der österreichischen Schiffe kurz vor der Stadt zu ankern und nach Möglichkeit am nächsten Tag in den frühen Morgenstunden den Hafen zu erreichen. Damit man noch am selben Tag vom Schiff gehen kann. Nach der Revision werden die Anhangfahrzeuge im großen Hafengelände abgestellt um mit dem Schiff allein das linke Ufer anzusteuern. Die hier zurückgelassenen Schleppkähne werden im Laufe der nächsten Tage mit Hafenbuxern zur Be- bzw. Entladung gebracht. Natürlich kann auch die Besatzung der jeweiligen Schleppkähne von Bord gehen. So genannte "Fährschiffe" sind im Stundentakt unterwegs um die Leute an Land zu bringen. Aber auch hier sollte man auf die Zeit achten, denn das letzte Boot legt um 22.00 Uhr vom Hafen ab.

Für österreichische Schiffe ist ein eigener Ponton bereitgestellt. Ein alter, baufälliger russischer Schleppkahn mit kopfgroßen Rostlöchern an Deck. Während nun am Schiffsbug die russische Flagge aufgezogen wird, heftet man sich neben dem Ponton an. Da hier fast keine Fliessgeschwindigkeit herrscht, genügen in der Regel dafür zwei Seile. Gleich neben dem Ponton befindet sich ein hoher Wachturm, der bereits von einem russischen Posten mit geladenem Gewehr besetzt ist. Alles dies dient nur zu unserer eigenen Sicherheit, betonen die Sowjets immer wieder. Neben dem Turm befindet sich das Wächterhaus, ein einfacher Bohlenbau mit spartanischer Einrichtung. Er ist für die Kontrolle des Ausgehscheines zuständig. Auf der Anhöhe kann man bereits die ersten Häuser der Stadt erkennen, die von dieser Seite her nicht durch einen Zaun oder sonstiges Hindernis abgegrenzt sind. Zum weiteren Schutz für uns Ausländer hat man sich da etwas Besonderes ausgedacht. Ein starkes Drahtseil wurde quer, durchgehend auf dem höchsten Platz der Anhöhe gespannt, wo in den Nachtstunden scharfe Hunde angeleint werden. Ihr lautes Bellen ist die ganze Nacht über zu hören. Zusätzlich befindet sich auf der Anhöhe noch ein starker Scheinwerfer, dessen Kegel das Schiff nächtens anstrahlt. Im Hafengelände befindet sich auch das russische "INTERFLOTT"- Kaufhaus. Hier kann mit Devisen (sehr beliebt ist die österreichische Währung) fast alles recht günstig erwerben. Die Palette reicht von Alkoholika, Zigaretten, Parfum, über Fotoapparate, Ferngläser der Marke "Zeiss", sowie Filmkameras bis hin zum amerikanischen "RONSON"- Feuerzeug. Sogar der berühmte Krimsekt, der hier in der recht seltenen Geschmacksrichtung "Rot" angeboten wird, steht zum Verkauf bereit. Er wird jedoch zum Ladenhüter, weil das Getränk in der Stadt in den diversen Lokalen in der Rubelwährung viel günstiger ist. In der Regel läuft das so ab, dass der II. Kapitän mit der Gesamtbestellung der Besatzungsmitglieder bei "INTERFLOTT" vorstellig wird um die Bestellliste abzugeben. Nach einigen tagen trifft dann der russische Verkäufer mit Lieferwagen mit den bestellten Waren vor dem Ponton ein. Aufs Schiff transportieren muss man die Lieferung selbst, denn auch dem Russe, der einigermaßen Deutsch spricht, wird vom Landposten der Zugang auf den Ponton verwehrt.

Seit einiger Zeit unterhält die DDSG auch wieder eine eigene Agentie in Ismael. Als Agentieleiter fungiert ein Schiffskapitän der Gesellschaft, der für die rasche Abfertigung seiner Reederei verantwortlich ist. Er wohnt mit seiner Familie etwas außerhalb der Stadt in einem modernen Plattenbau und ist jederzeit telefonisch erreichbar. Doch dieser, auf drei Jahre befristeten Posten, wäre verzichtbar gewesen. Die Sowjets kümmern sich nicht allzu viel um die Sorgen und Einwände des DDSG- Vertreters. So ziehen sie meistens Donaukähne anderer Nationalitäten bei deren Beladungen vor. Die fadenscheinige Begründung dafür lautet fast immer, dass das Seeschiff mit der Ladung für die österreichische Reederei noch nicht eingetroffen ist. So sind Stehtage von bis zu vierzehn Tagen in dem russischen Hafen keine Seltenheit. Das dies für die DDSG großen finanziellen Verlust bedeutet, braucht hier wohl nicht gesondert angeführt werden, das ist wohl jedem klar. Eine Flotte kann nur dann gewinnbringend geführt werden wenn sie in Bewegung ist, jeder Stehtag ist ein finanzieller Verlust. Deswegen versucht die DDSG auch wieder in langwierigen Verhandlungen mit den Russen dieses Problem anzusprechen, leider bisher noch immer ohne Erfolg.

Nach einer Zeitspanne von etwa vier bis fünf Stunden werden die Ausgehscheine von einem russischen Offizier an Bord gebracht und dort vom II. Kapitän an die Mannschaft ausgegeben. Das offizielle Zeichen dafür, dass man jetzt das Schiff verlassen darf. Bei jedem Ausgang muss nun das in Folie eingeschweißte Schriftstück in russischer Sprache beim Posten vor dem Ponton vorgewiesen werden. Im Hafengelände so wie auch in der Stadt herrscht strengstes Fotografierverbot. Torposten und auch Milizsoldaten am Hafeneingangstor sind dazu berechtigt Fotoapparate und Filmkameras abzunehmen.

Wenn man nun im Hafengelände unterwegs ist, fallen die zahlreichen Eisenbahngeleise auf, die das gesamte Gelände wie Spinnennetze überziehen. Hier wird rund um die Uhr gearbeitet und fast pausenlos sind die riesigen Drehkräne mit dem Aufdruck der tschechischen Firma "GANZ" im Einsatz. Mollige "Dewuschkas" fegen mit primitiven Kehrgeräten, Schifrohre die zusammengebunden sind, den Boden der großen Anlage. Überhaupt scheinen die Arbeitstrupps für solche Tätigkeit in der Hauptsache nur aus Frauen zu bestehen. Aber sie sind auch als Lokomotiv- oder Kranführerinnen zu sehen. Sie nehmen aber keinerlei Notiz von uns Österreicher, die wir ja noch durchs lang gezogene Hafengelände müssen. Der Lärm schwillt immer weiter an, der Hafen schläft nie.

Nach einem Fußmarsch von ca. zwanzig Minuten ist man endlich am breiten, schmiedeeisernen Werfttor angekommen. Hier befindet sich ein lang gezogenes Gebäude, das von beiden Seiten durch zwei großen Flügeltüren begrenzt wird. Nachdem man es betreten hat findet man sich in einer kleinen Halle wieder, dessen karge Einrichtung aus einem alten Holztisch und zwei Stühlen besteht, auf denen es sich weitere Milizsoldaten bequem gemacht haben. Rechts davon schließt ein weiterer schmaler Raum an. Darin haben die Sowjets das Recht bei Schmuggelverdacht Leibesvisitationen durchzuführen. Wobei für die Untersuchungen weiblicher Personen natürlich Soldatinnen zuständig sind. In erster Linie geht es dabei um Nylonmäntel- und Strümpfe, die mit großer Gewinnspanne für russische Rubel in der Stadt zu verkaufen sind und auch reißenden Absatz finden. Aber auch hier dominiert die Tagesverfassung der Sowjets. Manchesmal wird man beim Hinausgehen und auch beim Betreten des Hafengeländes untersucht, an anderen Tagen nimmt die Miliz nicht einmal Notiz von einem. Wie gesagt, das ist Ansichtssuche des jeweiligen Milizmannes oder Milizfrau. Nur verlassen sollte man sich darauf nicht und so ist es besser die mitgeführte Schmuggelware und Rubel gut zu verstecken. Überhaupt fällt auch hier auf, dass sehr viele Frauen Dienst leisten.

Hat man auch diese Hürde geschafft, dann befindet man sich auf der breiten Hauptstraße die zum Stadtkern hinauf führt. Leicht ansteigend schreitet man auf der Straße entlang, wobei man unwillkürlich erschrocken zusammenzuckt. Schuld daran sind die vielen Verkehrsampeln die fast an jeder Straßenecke angebracht sind. Sie machen beim Umschalten ein so lautes Geräusch, dass man ehrlich darüber erschrocken ist. Eigentlich sind sie ja unnötig, denn auf Ismaels Straßen herrscht fast kein Autoverkehr. Der starke Individualverkehr wie z. B. in Belgrad oder Budapest, fällt hier völlig weg. Es sind hier fast nie Pkw zu sehen. Die Stadt selbst macht einen sehr gepflegten Eindruck. Die großzügigen, breit angelegten Parkanlagen bestimmen weitgehend das Stadtbild. Die Ismaeler Jugend flaniert recht gerne auf den breiten Gehwegen und kommt uns in Vierer oder Fünferreihen entgegen. Besonders in den Abendstunden findet hier pulsierendes Leben statt. Gleich in der ersten Parkanlage nach dem Hafen kann man das steinerne Monument eines Panzerkreuzers erblicken, der auf einem Betonsockel thront. Etwas dahinter befinden sich die Wand an denen die Fotos der braven "Soloarbeiter" angebracht sind. All diejenigen die ihr Arbeitssoll übertroffen haben finden sich dort mit Foto und Namen verewigt. Sozusagen als Ansporn für die übrigen Werktätigen der Sowjetunion.

Der erste Weg führt uns zum "Seemannsheim", hinter einem weiteren großen Park eigentlich nicht zu verfehlen. Das mehrstöckige hohe Gebäude beherbergt eine umfangreiche Bibliothek im Erdgeschoss. Die dortige Leiterin spricht sehr gut Deutsch und freut sich jedes Mal über österreichische Gäste. Es gibt dort deutsche Literatur, die man kostenlos mitnehmen kann. Wobei es sich aber in der Hauptsache um russische Propaganda in deutscher Sprache handelt, was ja auch nicht jedermanns Sache ist. Der wahre Grund unseres Besuches hier ist aber das Restaurant, das sich im zweiten Stock des riesigen Gebäudes befindet. Nachdem man die zahlreichen steinernen Treppen in Angriff genommen hat, betritt man den großen Saal, der recht nett eingerichtet ist. Mit vielen kleinen Tischen mit blütenweißen Tischtüchern, die ein behagliches Ambiente verströmen. Am Abend lädt hier sogar eine Musikkapelle zum Tanzen ein. Das Essen ist gut, reichlich und aufgrund der bereits in Wien umgetauschten Devisen außerordentlich billig. Obwohl man sich hier jedes Gericht bestellen kann, das auf der Speisekarte angeführt ist, bekommen wird man doch nur Faschiertes. Alle Fleischspeisen sind hier faschiert. Warum das so ist kann uns niemand erklären. Bei den Getränken greifen wir zum Krimsekt und natürlich zum unvermeidlichen Wodka, der hier in Gramm bestellt wird. Dazu wird als Beilage das geschnittene russische Vierkantbrot gereicht. Dass wir nicht aufs Geld schauen müssen, das beweist schon unser privater Umrechnungskurs. Während nämlich der offizielle Kurs für einen Rubel mit 25 ATS festgesetzt ist, haben wir die russische Währung in den " Waren aller Art- Geschäften am Wiener Mexikoplatz um 5 ATS pro Rubel erworben. Also kann man da ruhig etwas protzen und sich als kleiner Krösus fühlen.

Das Faschierte schmeckt zwar ausgezeichnet, was man von dem aufgetragenen Salat aber nicht behaupten kann. Lieblos heruntergeschnittene Gurken- und Tomatenscheiben liegen lose auf dem Teller herum, dazu gibt es noch ein dürres Salatblatt, das als solchen vorerst gar nicht zu erkennen ist. Wobei gleichzeitig die etwas seltsamen Essgewohnheiten der Einheimischen zu beobachten sind. Man beginnt zwar sofort zu essen wenn das Gericht serviert wird, hört aber nach einiger Zeit wieder damit auf. Um sich genüsslich eine Zigarette anzuzünden, einige Schlucke Wodka zu nehmen und ein wenig zu plaudern. Erst wenn man fertig geraucht und die Konversation beendet ist, wird weiter gegessen. Wobei die echte russische "Machorka" - Zigarette aus einem langen, steifen weißen Filter und pechschwarzem, fest zusammengepressten Tabak besteht, der immer wieder ausgeht. Die Kunst diese Zigaretten auch wirklich genussvoll rauchen zu können, besteht in der richtigen Knickung des langen Filters. Trotzdem sollte man nicht darauf vergessen immer wieder an dem Glimmstängel zu ziehen, denn sonst ist sie im nächsten Moment schon wieder ausgegangen.

Auch auf weibliche Begleitung braucht man nicht verzichten. Es spricht sich nämlich ganz schnell herum wenn ein österreichisches Schiff in Ismael ankommt. Junge hübsche Russinnen bevölkern bald die Tische der österreichischen Binnenschiffer. Hat man sich einmal ein Mädchen angelacht, so kann man sicher sein, dass es die gesamte Zeit hier bei ihrem Freund verbringen wird. Ja, auch wenn man wieder nach Ismael zurückkommt wird das Mädchen wieder die Nähe ihres Freundes suchen. Man kann da schon von Treue sprechen, denn was sie in der Zwischenzeit macht, wenn man nicht da ist, kann einem ja egal sein. So hat sich im Laufe der Jahre schon so manche Romanze entwickelt und zu einer Österreichischen russischen Freundschaft entwickelt. Es ist sogar ein Fall bekannt wo ein österreichischer Binnenschiffer seine große Liebe aus Russland, trotz großer bürokratischer Hürden, nach Österreich gebracht und dort geheiratet hat.

Das zweite Lokal, das man unbedingt besuchen soll ist das "Wolnja"- die "Welle". Es befindet sich inmitten der Stadt in einer kleinen Seitenstraße. Auf dem Weg dorthin fallen uns große Trinkwagen auf, in dem sich das zweite russische Nationalgetränk befindet und das von Frauen mit blitzblanken weißen Schürzen und Kopftüchern ausgeschenkt wird. Es handelt sich dabei um "Kwass", ein hochprozentiges Getränk, das aus gegorenem Brot hergestellt wird. Ich habe ein Glas davon versucht und dann die Finger davon gelassen. Es schmeckt nach Schmieröl und ist sicherlich nicht jedermanns Sache. Das "Wolnja" macht keinen besonders sauberen Eindruck, was ganz besonders auf die Toiletten zutrifft. Überhaupt fällt auf, dass hier nichts repariert wird und so alles ziemlich verwahrlos erscheint. So sind Türschnallen oder Fensterbalken provisorisch nur mit dicken Draht befestigt. Auch viel Zeit sollte man bei einem Gasthausbesuch investieren, denn meistens stehen die Kellnerinnen in der Ecke auf einem Plausch zusammen und es dauert recht lange bis sie endlich an den Tisch kommen.

Noch weiter oben erregt die im hellen Blau gehaltene russisch- orthodoxe Kirche unsere Aufmerksamkeit. Mit ihren hohen Türmen aus Blattgold ist sie schon von Weitem zu sehen. Davor wieseln die russischen Popen mit ihren langen wallenden schwarzen Vollbärten und zylindrischen Kopfbedeckungen herum. An ihren Anblick muss man sich erst gewöhnen. Sehr schlimm ist es auch um die Kanalisation bestellt. Sollte es einmal ordentlich geregnet haben, dann steht man auch auf der Hauptstraße im knöcheltiefen Morast. Vorsichtig sollte man auch beim Heimweg sein. Schon aufgrund der etwas diffusen Lichtverhältnisse. Außerdem sollte der Kopf klar und die Augen wachsam sein, denn es nicht so einfach den tellergroßen Schlaglöchern auf dem Gehweg auszuweichen. Was gar nicht so einfach ist wenn man vielleicht schon etwas zu tief ins Glas schaut. Aber wer denkt denn an so etwas wenn man nach einer lustigen russischen Nacht wieder ins Hafengelände zurückwankt?

 

                                                So sieht Ismael (heute Ukraine) derzeit aus: (April 2010)

 

                          

        Bild 1                        Bild 2                       Bild 3                       Bild 4                       Bild 5                      Bild 6                     Bild 7

Das erste was man heute bei Ankunft mit einem Passagierschiff von Ismael zu sehen bekommt ist die kleine orthodoxe Kirche (Bild1) sowie die neue Hafenanlage auf Bild 2 und 3. Sehr wenig Umladetätigkeit ist im ganzen Hafengelände zu bemerken( Bild 4 und 5), auch ein Zeichen der Wirtschaftskrise in der Ukraine. Der Donaumonitor am Bild 6 steht fest wie einst und je und wurde mit einem neuen Anstrich versehen. Genauso wie die Häuser die hier entlang der Hauptstraße teilweise neu renoviert wurden (Bild 7).

                      

       Bild 8                        Bild 9                      Bild 10                   Bild 11                      Bild 12                   Bild 13

  Auch in Punkto Parkanlagen (Bilder 9, 10,11) hat sich nichts geändert. Nur mehr Busse (Bild 1 und 11) beleben das Stadtbild. Auch die Kirche hat man neu renoviert(Bild12). Zu Ostern wird von der Bevölkerung Lebensmittel und Getränke an die Popen geliefert.

                          

        Bild 14                     Bild 15                    Bild 16                     Bild 17                    Bild 18                    Bild 19

    Wenn es nicht regnet sind die Straßen schon sauber (Bild 14 und 15). Hauptverantwortlich dafür sind Frauen, die noch immer mit primitive Besen die Straßen fegen (Bild 16). Die letzten drei Bilder (17, 18 und 19) zeigen das Hafenpanorama.

 

 

 

 

                                                Grafik der unteren Donaustrecke (Sammlung Parolini)

 

                                                                

                                                                                                                                              Ein besonders schönes Foto aus der Sammlung  Parolini, das die damalige Stimmung so richtig widerspiegelt. Blick von einem Schaufelradschiff (wahrscheinlich MS "Kammegg") bergfahrend von Russland kommend, zum Anhang nach hinten. Man beachte die Gischt der Donauwellen, die durch die beiden Schaufelräder des Schiffs aufgewühlt werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

                                                                                                                                                                

 

 

 

 

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