ALTE und NEUE GESCHICHTEN

 

 

 

 

                                   

                                           Eine Fahrt mit DFS "Schönbrunn"

 

                                                           

 

Die DDSG gestatte es Dr. Peter ABT, Gymnasiallehrer aus Zürich (Jahrgang 1941) im Jahr 1981 als Heizer eine Reise mit dem Dampfschiff "Schönbrunn" mitzumachen. Sein Bericht über diese Reise erschien im "Donau- Kurier" Folge 46, im April 1982. Darin beschreibt er die Arbeit des  Maschinenpersonals sowie den Alltag auf einem Passagierschiff in anschaulicher Form. So soll dieser Bericht eine längst vergangene Zeit kurz wieder aufleben lassen.

7. Juli    Donautaufe

Ein langgehegter Wunschtraum ist Wirklichkeit geworden. Dank dem Entgegenkommen seitens der DDSG, insbesondere von Herrn Direktor DOSCH, der Offiziere der "Schönbrunn", Kapitän Leo TERPETSCHNIG und I. Maschinenbetriebsleiter Rudolf EISL, darf ich auf dem letzten, echten Traditionsdampfer für einige Tage mitfahren. Ich habe beteuert, den ganzen Maschinendienst nach Möglichkeit mitzumachen, ein Wunsch, dem schon am ersten Tag entsprochen wird.

Nach einer Ruhepause und einem herzhaften Abendessen frisch gestärkt, trete ich kurz vor 18.00 Uhr zum zweiten Dienst des Tages an. "Kannst schon Halt machen" meint, verschmitzt lächelnd, Adi GRABENHOFER, der II. MBL, wie wir die Schleuse Ybbs - Persenbeug erreicht haben, und ich drehe das Handrad der Umsteuerung in die Nullstellung zurück. Da erscheint plötzlich Bootsmann Otto SZABO mit einer Kamera, beordert mich mit Handbewegungen in den Kesselraum: für ein Erinnerungsfoto, ruft er hinunter. Gebannt blicke ich zur Linse gegenüber, noch etwas hin und her, bis der Ausschnitt passt, dann folgt des bekannte Klick. In derselben Sekunde aber saust der Inhalt von zwei Eimer echtesten Donauwassers erfrischend auf mich herab. Tropfnass stelle ich fest, dass ich soeben die obligate Taufe eines Donau - Neulings erhalten habe. Die rundum Zuschauenden krümmen sich vor Lachen, die Überraschung ist perfekt. Einige Tage danach fragt mich der Kommandant beiläufig nach meinem zweiten Vornamen. Wie erstaunt bin ich, zum Abschied dann eine prächtige Taufurkunde entgegen zu nehmen mit meinem neuen Namen: "Alexander die Schmiervase".

8. Juli    Maschineninspektion

Im gleichmäßigen Takt stampfen die mächtigen Kolbenstangen hin und her, gleiten die Kreuzköpfe über die Lineale, drehen sich die stahlgleißenden Kurbeln. Wachsam steht Rudolf auf seinem Posten, denn wir nähern uns einer Station. Schon fleutet die helle Dampfpfeife und der Maschinentelegraph springt bald auf "halbe Kraft". Fast gleichzeitig wird der große Regulator geschlossen, der Vakuumhebel zurückgenommen und der Maschinentelegraph nachgeführt. Schon folgen die Kommando "langsam" und "sehr langsam", butterweich dreht die Maschine mit einem eigentümlichen Singen und Zischen in den Rohrleitungen. Da klingelt es abermals, deutlich und bestimmt kommandiert Rudolf "Zu -rück". So schnell ich kann, drehe ich das Umsteuerrad nach rechts. Da wir auf der Talfahrt sind, arbeitet die Maschine eine Weile mit voller Kraft rückwärts, bis wir mit sanftem Ruck am Ponton anlegen. Nun ist bloß noch wenig Dampf notwendig, um die Trossen etwas zu entlasten. Offenbar steigen etliche Fahrgäste zu, denn erst nach einigen Minuten erhalten wir den Befehl "volle Kraft zurück", wir hören draußen die Schaufelräder mächtig rauschend arbeiten. Dann nochmals in Windeseile umsteuern, und schon strebt die "Schönbrunn" wieder ein Stück Wien entgegen. Ich greife zur kleinen Topfölkanne, schmiere Kulissen und Gleitbahnen nach, und schon ist es auch schon wieder Zeit für die Radstauffer. Mit beiden Armen mühe ich mich am großen Hebel, meine trainierten Kollegen würden es mit einem allein tun. Bald schon ist Ablösung, da müssen noch die Schmierapparate gefüllt werden. Mit dunkelbraun- dickflüssigem Zylinderöl die einen, mit gelbgrünlich schillerndem Maschinenöl respektive graubläulichem Tropföl je ein anderer. Bei dieser Gelegenheit kurz kurz auf die Ebene des Hauptdeck aufzutauchen, wird man gelegentlich von den Fahrgästen um technische Auskünfte gefragt, Baujahr, Leistung, Wirkungsweise der Maschine oder wie warm es sei im Maschinenraum. Fragt doch einer: "Wie viel Dieselöl braucht dieser Motor?" und ich gleite kopfschüttelnd die schmale Eisentreppe hinunter, nachdem ich den guten Mann über das Vorhandensein einer echten Dampfmaschine aufgeklärt habe.

9. Juli    Stehtag

Heute bleiben wir in Wien stehen. Zu sehr frühen Morgenstunde beginnen wir mit den diversen Arbeiten. Otto lässt über die Lautsprecheranlage eine beflügelnde Musik ertönen, so dass Morgenmuffelstimmungen bald verflogen sind. Ich hantiere mit Putzlappen und Sidol, gebe mir Mühe, möglichst viel Kupferleitungen, Messsingleisten und Bronzegegenstände auf Hochglanz zu bringen. Da und dort verdient ein Stahlseil die Behandlung mit Schmirgeltuch. Nebenan hantiert Werner mit einer Spatel, sorgsam modelliert er aus Talg Klötzchen auf den Kurbellagern. Die wohl undankbarste und schwerste Arbeit übernimmt Paule, dick vermummt steigt er in die Kessel. So arbeiten alle gegen Mittag hin, bis Kesselanlage und Maschine innerlich und äußerlich gereinigt und für neue Fahrleistungen bereit gestellt sind. Für den Rest des Tages darf ich Gast der Familie EISL sein. Sylke kocht vorzügliche Schwammerl, wir genießen einen strahlend hochsommerlichen Tag im Strandbad und schließlich bereitet Rudolf vorzüglich gewürzte Karpfenschnitten. Müde und glücklich sinke ich zur vorgerückter Stunde in die Federn.

10. Juli    Sommerabend

Die Dienstzeit war kurz; von 12 bis 18 Uhr. Wir haben geduscht und anschließend zu Abend gegessen. Nun sitzen wir, Adi, Rado und ich, ganz hinten auf Achterdeck. Wir plaudern über dies und jenes, Adi schwärmt von "seiner" Steiermark, Rado gibt einige deftige Witze zum besten.

11. Juli    Dienstschluss

Gespensterhaft liegen backbord die immensen VÖEST - Anlagen im Dunkel, umhüllt von Dampf und Rauch, nur punktförmig beleuchtet. Wir nähern uns Linz. Zeitig sind wir heute dran, kaum halb zwölf vorbei und Hans, der I. Steuermann, setzt schon zu seinem meisterhaften Rondo an. Der Lichterkranz an der Donaulände dreht sich wie ein Karussell und bald klingelt der Telegraph mehrmals über die ganze Skala. Gerne Quittieren wir dieses Signal für den Feierabend. Jetzt noch den Landanschluss herstellen, mit Dichtung und Zange bewaffnet eile ich nach oben, schließe Wasser und Strom an. Nun die Oberlichter sorgfältig schließen und ja nicht etwa über die Kabelzüge der Dampfpfeife stolpern. Letzte Passagiere streben an Land, ihren Heimen Hotels oder Nachtzügen entgegen. Rado werkt im Kesselraum, zwitschernd und schlürfend jagt der Injektor das Wasser in die Kessel. Sorgfältig dreht der muntere Jugoslawe die mächtigen Ventile zu, derweil ich die Hütchen auf die Schmieröffnungen stecke. Wie wir die Fenster um die Galerie hochziehen, herrscht plötzlich eine gewaltige Hitze. Nun wünscht man sich allseits gute Nacht.

13. Juli    Maschine putzen

Ob Sonntag oder Werktag, die treue Originalmaschine der "Schönbrunn" benötigt ihre Pflege. Ich schöpfe des Tropföl aus den Auffangbecken in einen Kessel, noch ungeübt im Gestänge herumturnend. Zum Abwischen der Maschine nimmt man Putzlappen und keine Putzfäden, habe ich mittlerweile gelernt, da sonst eine Schmierstelle verstopft werden könnte. Welch verheerende Folgen hätte ein Heißläufer ! So begriff ich auch, weshalb man im Dienst nicht pfeifen soll. Sorgfältiges Arbeiten und Liebe zum Detail zählen auch hier viel und ich gebe mir Mühe keinen Öltropfen auf Bodenblechen oder gar auf der Stiege zu hinterlassen. Fast etwas lustbetont greife ich eine gute Handvoll himbeerrotes Staufferfett aus dem Kübel und streiche es in die Büchse. Bereits entweicht aus den Radkästen der Dampf aus den Schlammhähnen. Langsam dreht die Maschine zum Anwärmen.

16. Juli    In einer Schleuse

Wir fahren in die düstere Schlucht einer Schleuse ein. Dumpfer als sonst widerhallt das trommelnde Klatschen der Radschaufel von den triefend nassen, grünschlickigen Wänden. Nach einigen Umdrehungen rückwärts kommen wir zum Stillstand. Nachdem die Staufferbüchsen nachgezogen sind, gönne ich mir ein kurzes Luft schnappen an Deck. Bereits steigen wir spürbar, noch bevor der letzte Meter bis zum oberen Wasserspiegel erreicht ist, hole ich unten die Maschinenölkanne, um kurz vor dem Weiterfahren bei den Kurbeln und Exzentern draufzuschmieren. Kaum läuft die Maschine, drehe ich die Schmierapparate durch, bis es auf die Abstreifbänder tropft und sich auf den Kolbenstangen kleine Ölringe bilden. Alles ist in Ordnung.

17. Juli    Abschied

Heute hole ich die Familie am Linzer Hauptabahnhof ab. Gemeinsam genießen wir eine Talfahrt. Zum Abschied erhalte ich noch allerlei Geschenke, liebe Erinnerungen an eine unvergessliche Zeit.

 

                                                           

     Dreimal das älteste Dampfschiff auf der Donau. Links bei Abfahrt von Linz nach Wien von der Anlegestelle und dem Pöstlingberg im Hintergrund. Rechts Bergfahrend in der Wachau, ebenfalls im Linienverkehr. Das letzte Bild zeigt den Veteran in der Schleusenkammer der Ybbser Schleuse. (Sammlung Raffy)

                                      

  Auch heute gibt es noch Maschinisten die den Maschinenraum der "Schönbrunn" in Schuss halten. Bei Nostalgiefahrten ist das alte Dampfschiff wieder sehr gefragt. (Sammlung Feher)

 

 

                                        Die Schönbrunn "dampft" wieder

                                               

                         Wieder voll einsatzfähig nach der großen Reparatur: DS "Schönbrunn" bei der ersten Ausfahrt in Linz 2010 (Sammlung Steindl)

    

Nachdem die "Schönbrunn" fast das gesamte Vorjahr über havariert in der Linzer Schiffswerft lag, konnte 2010 wieder der Fahrbetrieb aufgenommen werden. Am 01.06. kam sie auch endlich nach Wien, wo eine Abendfahrt auf dem Programm stand. So sollte das alte und einzig verbliebene fahrtüchtige Dampfschiff auf der Donau am Nachmittag, von Krems kommend, in Wien bei der Reichsbrücke anlegen. Wobei ihr Eintreffen sogar in einer kleinformatigen Tageszeitung samt Bild avisiert wurde. Es verstand sich wohl von selbst, dass sich viele ehemalige Donauschiffer Karten besorgt hatten um bei der Abendfahrt dabei sein zu sein. Auch dem Verfasser dieser Zeilen gelang es, nach kleinen Schwierigkeiten bei der Internet - Bestellung, Karten zu erwerben. Man machte sich schon lange vor der Ankunftszeit auf den Weg, denn solch eine Gelegenheit zum Fotografieren ergab sich ja nicht alle Tage. Doch leider war das Schiff nirgends zu sehen. So nahm man auf der Terrasse des sich beim Schifffahrtszentrum befindlichen Lokals, oder auch auf den Bänken am Donauufer Platz, um dort auf die Ankunft des "Oldtimers" zu warten. Die Zeit verging und es gab noch immer keine Spur von dem Ausflugsschiff. Inzwischen füllte sich die Donauländer immer mehr mit Menschen, die nach der "Schönbrunn" Ausschau hielten. Dabei hatten die "Witzeerzähler" und andere selbsternannte "Alleinunterhalter" ihren großen Auftritt. Als nämlich ein kleineres Motorboot ziemlich knapp an der Kaimauer vorbeifuhr wurde mit lustigem Gesicht behauptet: "Die "Schönbrunn" hat Maschinenschaden. Statt ihr hat man das Motorboot hierher geschickt"...

Ja und gegen 19.00 Uhr tauchte unser heutiges Fortbewegungsmittel doch auf. Aber aus einer ganz anderen Richtung. Was hieß überhaupt die "Schönbrunn" tauchte auf? Sie erschien! Mit einer Gleichmäßigkeit sondergleichen durchpflügten ihre Schaufelräder den Strom, dem man hier viel von seinem einstigen Schrecken genommen hatte. Fast schon majestätisch drehte sich ihr Bug und der hoch aufgerichtete Kamin langsam zur Kaimauer hin. Im breiten Ruderstand hatte der Steuermann das Ruder fest im Griff, genauso wie der Kapitän der das Schiff vom linken Nockhaus aus mittels Maschinentelegraphen (Fahrtgeber) dirigierte. Backbord standen an Deck Bootsmann und Matrosen bereit, um sich an der Kaimauer anzuheften. Der Duft von Küchengeruch und Öl lag in der Luft, der sich noch verstärkte, als aus dem Kamin schwarze Rauchschwaden qualmten. Es schien als wäre die Zeit stehengeblieben und die ruhmreiche DDSG würde noch immer ihre weiße Flotte täglich von Wien nach Passau schicken. So wie damals, als die "Schönbrunn" als Flaggschiff der schon lange untergegangenen österreichischen Donaureederei ausgewiesen war...

                              

           Der "Veteran" der Donau schwebt an die Kaimauer.                            Einiges Gedränge beim Einsteigen

Natürlich drängte alles zum Einstieg um an Bord zu gelangen. Nachdem wir den ersten großen Ansturm abgewartet hatten stiegen auch wir ein. Wo wir gleich mit einem herzlichen "Willkommen an Bord" vom Deckpersonal freundlich empfangen wurden. Für die Damen stand ein Begrüßungscocktail bereit, dem man sich vom bereitgestellten Tablett nehmen konnte. Das Getränk bestand in der Hauptsache aus Rum, der mit viel Zucker sowie Likör und klirrenden Eiswürfeln verfeinert worden war. Auf jeden Fall sehr erfrischend. Da viele der Passagiere noch keine Karten hatten, mussten sie diese beim Zahlmeister lösen. Dieser residierte in seiner Kabine backbord vor dem hinteren Speisesaal. Da auch wir uns hier die reservierten Karten abholen mussten, reihten wir uns in die lange Warteschlange ein, die fast den ganzen Gang entlang reichte. Nach einer langen Wartezeit wurde uns von einem weiteren freundlichen Mannschaftsmitglied ein Tisch im Speisesaal zugewiesen. Es klappte alles vorzüglich, auf dem Tisch lag sogar ein Zettel mit Namen und Personenanzahl. Die Bedienung war aufmerksam, kompetent, sowie sehr flink. Kaum hatten wir abgelegt meldete sich auch schon die freundliche Stimme des Kapitäns um sich für die etwas längere Wartezeit bei der Einschiffung zu entschuldigen. Der PC, mit dem man die Einteilung schon längst bewerkstelligt hätte, wäre abgestürzt. Dadurch sei man gezwungen gewesen alles nochmals vor Ort zu koordinieren. Wobei der Herr Kapitän zum Schluss noch im breiten oberösterreichischen Dialekt hinzufügte: " Bei der "Nibelungenfahrt" vor einigen Wochen haben wir in 20 Minuten 400 Passagiere "niedergsetzt".  Was mich wiederum zum Schmunzeln brachte. Ja, ja, das alte Dampfschiff hatte sich gegen die Technik der heutigen Zeit erfolgreich zur Wehr gesetzt...

                      

         Nach der Abfahrt werden Getränke geholt, Fachgespräche geführt und kontrolliert was sich am Schiff alles verändert hat.

Das warme Buffet, welches backbord im Mittelgang entlang des Maschinenraumes aufgebaut wurde, spielte alle "Stückerln". Alles was da angeboten wurde schmeckte hervorragend. Trat bei einem Gericht ein Engpass auf, wurden die Töpfe blitzschnell wieder aufgefüllt. Das Kommando stand für die Allgemeinheit zur Besichtung offen, wo sich die Crew bereitwillig allen Fragen der Passagiere stellte. Im Maschinenraum gab es sogar Führungen die von kompetenten und überaus freundlichen Maschinisten durchgeführt wurden. Wobei sich besonders Herr Maschinist Maximilian F. auszeichnete. Er wurde nicht müde sich den auch noch so ausgefallenen Fragen der Passagiere zu stellen. So kämpfte sich der "Oldtimer" mit monotonen Stampfen der Schaufelräder sowie rhythmisches Stampfen der Schiffsmaschine bei untergehender Sonne stromaufwärts. Vor der Schleuse in Greifenstein wurde umgedreht und die Rückfahrt nach Wien angetreten. Allein schon das Wendemanöver war ein Erlebnis. Dem Auftauchen des letzten Dampfschiffs auf der Donau wurde vom passierenden ukrainischen Schubkoppelverband durch mehrfache Betätigung des Signalhorns Tribut gezollt. Was der "Schönbrunn" ein lautes Zurückpfeifen mit der Dampfpfeife wert war, wobei ein leichter Wasserschleier auf die Passiere am Oberdeck niederging. Freundlich winkten die Leute am Ufer und alle der Passagiere waren zufrieden. Viele unter den 320 Mitreisenden waren ehemalige DDSG- Mitarbeiter und Binnenschiffer. Sie ließen es sich natürlich nicht nehmen der "alten Dame" ihre Aufwartung zu machen. So traf man viele bekannte Gesichter, Erinnerungen an die DDSG- Zeit wurden ausgetauscht und man konnte nochmals so herrlich fachsimpeln. Dass es dabei nicht ohne "geistlichen Beistand" abging, war auch klar. Es waren noch immer sehr viele Erinnerungen da und man fragte sich wirklich wo denn die Zeit hingekommen sei?...

                

      Nach der Begrüßung durch das ukrainisches Schubschiff betätigte der Kapitän die Dampfpfeife, was wiederum eine feuchte Angelegenheit war. Auf der Kommandobrücke und im Speisesaal war die Stimmung prächtig. Man hatte sich viel zu erzählen.

 Dass aber nicht alles Gold war, das glänzte und es noch für die Mannschaft viel zu tun gab, bewies der Besuch des Herren- WC. Hinter mir betraten noch zwei Herren mit der Figur von Möbelpackern den kleinen Raum. Es waren Leute von der Mannschaft, wie ich später feststellte. Als hinter ihnen mit einem lauten Knall die schwere Eisen-Eingangstüre zufiel. Als ich nun die Bedüfnisanstalt verlassen wollte, war dies unmöglich. Durch das Zuschlagen der Tür war der schmiedeeiserne Türgriff aus der Verankerung gefallen, der jetzt am Boden lag. Ich hob ihn auf um zu versuchen damit das Schloss von innen zu öffnen. Leider vergeblich. Der Knauf passte nicht ins Türschloss und so waren wir weiterhin im Raum gefangen. Als sich einer der beiden Männer im breiten oberösterreichischen Dialekt an mich wandte: "Geht's net?", wollte er von mir wissen. "Leider nicht", gab ich meine Bemühungen zur Befreiung auf. "Möchte nur wissen was wir jetzt machen?" "Das ist kein Problem", nahm er mir die Türschnalle aus der Hand. "Wir müssen nur warten bis von draußen aufgemacht wird". Damit klopfte er in regelmäßigen Abständen mit der Faust gegen die Tür. Es dauerte auch wirklich nicht lange bis die Tür von Außen geöffnet wurde. "Na also", zeigte sich der "Klopfer" zufrieden. Dann nahm er den außen angebrachten Türknopf in die Hand um das lange Eisen durch die dafür vorgesehene Türöffnung zu schieben. Der innere Türknopf wurde eingeklinkt und das Schloss funktionierte wieder einwandfrei. So etwas musste also schon einige Male vorgekommen sein...  

Bei der Rückfahrt ging es bis zur Stadlauer Brücke wo der Kapitän den Passagieren noch Gelegenheit gab Wien auch von einer anderen Seite zu entdecken. Pünktlich um 22.30 wurde wieder am Praterkai angelegt und die Fahrt war, für fast alle, viel zu früh zu Ende. Auch mich beschlich ein wenig Wehmut als ich an die damalige Zeit zurückdachte. Wie oft hatte ich damals als Schiffsjunge am "Eil - oder Postschiff" noch den alten Praterkai mit der Passagierhalle erlebt. Auf jeden Fall war es ein tolles Erlebnis und man kann stolz darauf sein dass es der Verein "Österreichische Gesellschaft für Eisenbahngeschichte GmbH." möglich gemacht hat diese Dampfschifffahrt zu genießen. Solch eine Herzlichkeit die von der Besatzung ausging, die ja alle ehrenhalber arbeiteten, habe ich noch selten erlebt. Mit solch einer Freude und Hingabe wurde wahrscheinlich noch auf keinem anderen Schiff gearbeitet. Dazu passt auch die Aussage des rührigen Maschinisten Maximilian F., der im Brustton der Überzeugung verkündete: "Ich bin stolz darauf auf einem Dampfschiff arbeiten zu dürfen"....

                                          

                Maschinist F. bei der Arbeit                        Goldtaler (eingepackte Schokolade), Bordkarte, sowie weitere Souvenirs wie Aschenbecher und Tragtasche mit Schiffsaufdruck.

 

      Technische Daten der "Schönbrunn"

      Maschine  
 Typ  Dampffahrgastschiff  Schräg liegende Heißdampf- Verbundmaschine  
 Baujahr  1912   Zylinderdurchmesser  708 mm
 Bauwerft  DDSG- Werft Budapest   (Hochdruck- Niederdruckzylinder  129 mm
 Heimathafen  Linz  Kolbenhub  1200 mm
 Länge  74,62 m über alles  Nennleistung  707 PSi
 Breite  15,78 m über Radkästen  Höchstleistung  1200 PSi
 Tiefgang  1,73 m größter zulässiger  Kessel  
 Passagiere  900 Personen  2 Schottenkessel mit Rauchrohrüberhitzer  
 Sitzplätze  ca 300 unter Deck  Kesseldruck  10,5 bar
     je 2 Flammrohre  
     Schaufelräder  
     2 Patenträder mit je 8 Schaufeln  
     Durchmesser  4020 mm

 

 

 

 

                               Mit dem Dampfer "Schönbrunn" im Donautal

 

                              

  Blick vom Pöstlingberg auf Linz. Besonders am zweiten Foto sind die Nebel der "Voest"- Anlage deutlich zu erkennen. Der eigene Ponton der "Schönbrunn" am Urfahraner Ufer. So präsentiert sich das Schiff vom rechten Donauufer aus gesehen. Am fünften Bild ist auch noch das dahinter liegende schwimmende Partylokal zu erkennen. Von der Ferne grüßt die Kirche des Pöstlingberges.

 

Am Samstag, dem 20. August 2011, lud der einzige noch verbliebene Raddampfer auf der Donau, zu einer Ausflugsfahrt ins Obere Donautal ein. Es sollte, wie immer, eine unvergessliche Donaureise werden. Da wir schon am Vortag anreisten, begaben wir uns bereits weit vor der offiziellen Abfahrtszeit zum eigenen Anlegponton am linken Donauufer. Doch wir waren nicht die einzigen, die diesen Gedanken hatten. Schon so an die 25- 30 Leute hatten es sich auf den Parkbänken und den Steinen rund um den Schiffsanlegplatz bequem gemacht. Diesmal musste man den Veranstaltern ein großes Lob aussprechen, die anscheinend aus früheren Fehlern gelernt hatten. Gab es bei den vorangegangenen Reisen immer einen unangenehmen Stau beim Einsteigen, (da man erst knapp vor der Abfahrt an Bord gelassen wurde), so war es diesmal ganz anders. Die Glockenschläge der Kirche am Linzer Hauptplatz läuteten die volle Stunde (10.00 Uhr) an, als die Fahrgäste vom Bootsmann an Bord gebeten wurden. Mit lauter, kräftiger Stimme, sowie imposanter Statur schmetterte er jedem einzelnen Fahrgast ein "Herzliches Willkommen auf der Schönbrunn", entgegen. Eine freundliche und besonders nette Geste, die bei den Passagieren recht gut ankam. Wenn vielleicht auch nicht alle diese Worte verstanden. Den unter den Fahrgästen die in der Hauptsache breiten, oberösterreichischen Dialekt sprachen, befand sich auch eine große Reisegruppe aus Amerika. Ja, ja, die Donau und das alte Dampfschiff waren sicherlich auch für die Amis große Anziehungspunkte. So hatten wir genügend Zeit um uns einen angenehmen Sitzplatz zu suchen. Unsere Wahl fiel auf das Heck, wo wir am Oberdeck unter freiem Himmel eine Bank in Beschlag nahmen.

Nach der obligaten Wartezeit von einigen Minuten setzte sich das alte Dampfschiff langsam, zischend und fauchend, kurz nach 11.00 Uhr in Bewegung. Bald hatte uns das rhythmische Stampfen der alten Maschinen, sowie der Geruch von Russ und verbranntem Öl völlig in Beschlag genommen. Stromaufwärts grüßte in Fahrtrichtung rechts der Pöstlingberg, deren Kirche  bei prächtigem Sonnenschein noch lange gut zu erkennen war. Am linken Ufer prangte an einem Wohnhaus ein Protestspruchband (Ring zerstört das Donautal). Mit einer Geschwindigkeit von ca. 25 km/h durchpflügten die Schaufelräder des Donauveterans die auch hier aufgestaute Donau.

                              

  Kurz vor Ottensheim, wo einige Passagiere zustiegen. Blick auf das Ottensheimer Kraftwerk. Ein wenig mitgenommen sieht der Ottensheimer Ponton schon aus. Die Fähre dort führt die hochtrabende Bezeichnung "Drahtseilbrücke Ottensheim". Blick auf die Schleusenkammer bei der Einfahrt. Hier ist es offiziell: bei Stromkilometer 2157 liegt Brandstatt an der Donau.

Nachdem man kurz in Ottensheim angelegt sowie die dazugehörige Schleusenfahrt durchgeführt hatte, erreichte man gegen 13.30 Uhr Aschach, das erste Teilstück unserer Reise. Der Besuch des dortigen Kunsthandwerksmarkes geriet aber leider zum Flop. Erstens hatten wir dafür nur knapp eine Stunde Zeit, wobei die ersten Minuten schon am Weg dorthin draufgingen. Denn die vielen Buden standen ein weites Stück stromaufwärts an der Donaulände. Zweitens wurden da Sachen angeboten, die eigentlich nur etwas für wirkliche Liebhaber waren. Und das auch noch zu überhöhten Preisen. Wir, die eigentlich feines Keramikgeschirr oder Schnitzarbeiten erwartet hatten, sahen uns mit Sachen konfrontiert, die eigentlich keiner brauchte. Wer stellt sich denn schon einen Sessel, der aus zwei zusammengefügten Holzbrettern besteht, in die Wohnung? Oder erwirbt einen ordinären Fleckerlteppich zum Preis von über 40 Euro? Aber vielleicht war das wirklich "Kunst", nur haben wir sie nicht verstanden? Am Imposantesten fand ich noch die riesige Holzzille, die in der Querrichtung am Donauufer aufgestellt war.

                                

  Die ersten Häuser kommen in Sicht und bald wird am dortigen Ponton angelegt. Ein imposanter Anblick: Die "Schönbrunn" vor Aschach. Voller Betrieb beim Aschacher Kunsthandwerksmarkt. Das einzige Imposante daran war die aufgestellte Holzzille.   

Pünktlich erfolgte um 14.30 Uhr die Abfahrt, sowie die Fahrt durch die Aschacher- Schleuse. Wobei wieder einmal das große nautische Können des Kapitäns sowie des Rudergängers auffiel. Der I. Steuermann führte das klobige Schiff so behutsam durch alle Schleusenkammern, dass nicht einmal das leiseste Anstoßen des Schiffskörpers an die Schleusenmauer zu vernehmen war. Überhaupt war dieser Schiffsoffizier ein echter "Sir". Er musste weit über 70 sein, doch mit seinem schneeweißen, vollem Haar sowie seinem selbstbewussten Auftreten merkte man ihm das nicht an. Wahrscheinlich ein alter DDSG-Veteran, der lange Zeit auf den Passagierschiffen gefahren war. Leider war sein Name nicht zu eruieren, da er als einer der wenigen der Mannschaft kein Namensschild trug. Ihn danach zu fragen getraute ich mich auch wieder nicht, da er eine echte Persönlichkeit darstellte. Er erinnerte mich an meine Zeit bei der DDSG. Damals waren die Schiffsoffiziere auf den Linienschiffen alles echte Persönlichkeiten, die sich ihren Respekt nicht mehr verdienen mussten. Sie hatten ihn eben.

                               

  Schiffsbewegungen auf der Donau: Das neue bulgarische Schubschiff "Pristain" aus Ruse talfahrend vor der Aschacher Brücke. Seit dem bulgarischen EU- Beitritt hat sich auch für dessen Binnenschiffer vieles verändert.Das ukrainische Passagierschiff "Volga", das noch im Vorjahr zwischen Passau und dem Schwarzen Meer unterwegs war, wird heuer nur noch als "Radtramper" auf der Strecke Passau- Budapest eingesetzt. Man beachte den üppigen Blumenschmuck rund um das Heckrestaurant. "Anton BRUCKNER" aus der Flotte des deutschen Reeders "Wurm und Köck" beim Abfahrtsmanöver in Linz. Jeden Samstag fährt das Schiff zu Tal nach Wien.

Stromaufwärts ging es weiter durch das wunderschöne Donautal, durch die Schlögener Schlinge. Die Sonne brannte unbarmherzig vom Himmel und der Getränkekonsum stieg immer weiter an. Wobei auch die Leute vom "Catering" sehr positiv zu erwähnen sind. Nicht nur, dass wie immer alle Speisen vorzüglich schmeckten. hatten die Damen und Herren immer ein freundliches Lächeln auf den Lippen. Ganz toll auch der Verantwortliche im oberen Hecksaal. Obwohl es eigentlich nicht vorgesehen war dort essen zu können, machte es dieser Herr, der sicherlich auch aus Oberösterreich stammte, dies doch möglich.

                              

  Immer wieder ein Erlebnis: Die Fahrt durch die "Schlögener Schlinge". Begegnung mit dem Deutschen Schubkoppelverband "Nürnberg" vor Schlögen. Der Ort mit dazugehörendem Anlegeponton.

In Schlögen wurde umgedreht, von dort die Rückfahrt angetreten. Wieder war deutlich zu erkennen, dass die dortige "Schlinge" wohl zu den schönsten Gegenden an der Donau zu zählen ist. Sowie die Mannschaft die immer kompetent und freundlich blieb. So wurden Exkursionen auf Kommandobrücke und Ruderstand veranstaltet, die immer sehr umlagert waren. Aber auch bei den dümmsten Fragen die an die Crew gestellt wurden ("Können sie mir bitte die Wassertemperatur in der Schleuse sagen?"), blieb man weiterhin nett. Auch der Herr Kapitän blieb zuvorkommend. Immer, wenn er die schrille Dampfpfeife des Schiffs betätigte warnte er die fast daneben sitzenden Passagiere. Sie sollten sich die Ohren zuhalten. Dass sie durch das Pfeifen mit feinsten Sprühregen überschüttet wurden, konnte aber auch er nicht verhindern. Aber so ist das nun einmal auf einem alten Dampfschiff.

                               

  Abschied von Schlögen, es geht wieder stromabwärts. Das alte Wikingerschiff "Neufundland" als neue Donau - Attraktion. Zufällig ist diese Begegnung bei Stromkilometer 2168 (alte Grenze Obermühl - Aschach) dokumentiert.  Verlassen der Aschacher-Schleuse deren Schleusenkammer mit vielen Figuren in Donaustein eingelassen. In Aschach verließ der Großteil der Passagiere das Schiff.

Ankommend in Aschach wurde ich wieder einmal an meine Schiffsjungenzeit auf einem Passagierschiff erinnert. Einmal, da das Schiff ohne umzudrehen in Fahrtrichtung zu Tal am Ponton anlegte. Da dachte ich an meine Zeit als so genannter "Strupfenmeister" zurück. Das zweite Mal als der ältere Herr aus der Mannschaft zwischen Ponton und Schiff  den schützenden" Fender" oder "Ballon" dazwischen hielt. "Ballon" einhalten und Fahrgäste mittels Zähluhr zählen, gehörten zu den Hauptaufgaben der Schiffsjungen. Wenn auch der liebenswürdige ältere Herr diese Agenten hier übernommen hatte. Ihm konnte man sicherlich nicht mehr als Schiffsjunge bezeichnen. Er machte alles mit Inbrunst und man konnte erkennen, dass es ihm große Freude bereitete. Genau so wie das "Umlegen" des Kamins, welches er immer souverän bewerkstelligte. In Aschach stieg ein Großteil der Passagiere aus, so dass es zu einer längeren Wartezeit kam. Was der Kapitän mit einem Kopfschütteln zur Kenntnis nahm. "Jetzt habe ich eh schon eine halbe Stunde Verspätung und jetzt auch das noch"., gab er etwas knurrend, aber sehr leise von sich.

                        

  Der Kapitän legte mit seiner Mannschaft ein gutes Anlegemanöver in Aschach hin. Trotzdem mit kritischem Blick. Aber keine Angst, die Verspätung hat man bis Linz wieder aufgeholt. Warum so ernst Herr "Kaminumleger"? Sie machen doch einen tollen Job. Keinen Kratzer wies bei der Weiterfahrt der Aschacher Ponton auf.

Auch wir hatten Bedenken, dass wir unseren Zug nach Wien um 21.19 Uhr durch diese Verspätung nicht mehr erreichen würden. Noch dazu tobte in Linz das "Krone- Fest". Die Straßenbahnlinien waren eingestellt, Ersatzbusverkehr würde eingerichtet werden. Doch da zeigte die "alte Dame" was sie maschinenmäßig noch immer drauf hatte. Unter schwarzem Rauch sowie mit wild stampfender Maschine, erreichten wir Linz und legten, als die Kirchenglocke schlug, genau um 18.00 Uhr wieder in Urfahr an. Damit wurde wieder einmal bewiesen, dass der alte "Schiffsdino" noch lange nicht zum alten Eisen zu zählen ist.

Als wir zufrieden von Bord gingen verabschiedete sich der Herr Bootsmann noch von seinen Passagieren. "Wenn es ihnen gefallen hat, dann empfehlen sie uns weiter", meinte er lächelnd. Was wir damit sehr gerne getan haben...

                                                 

 

 

                                        Junges Blut auf altem Dampfer

                              Herbstzauber im Donautal mit DS "Schönbrunn"

                                                                                                                                 

 

Samstag, dem 24. September 2011 lud das ehrwürdige Dampfschiff "Schönbrunn" zur Saison- Abschlussfahrt von Linz nach Engelhartszell ein. Eine Tagesfahrt durchs Obere Donautal mit den Bedarfshalten Aschach, Schlögen und Niederranna. Obwohl wir uns eigentlich bereits im Herbst befanden, meinte es das Wetter noch einmal gut mit uns. Es herrschten fast sommerliche Temperaturen, die Sonne lachte vom Himmel und mit uns um die Wette. So gingen wir als zwei von ca. 300 Passagieren gutgelaunt an Bord, wo vieles anders war als auf unserer vorigen Reise. So fiel uns eine große Zahl älterer Herren in schmucken blauen Uniformen, sowie mit weißen Rauschebärten auf. Diejenigen, die schon etwas schütteres Haar hatten, kaschierten dies mit der schmucken Uniformkappe. Oder ließen sich die wenigen noch verbliebenen Haarsträhnen eben sehr lang wachsen. Es war dies die Gruppe der österreichischen Marinefunker, die sich gleich in den vorderen Speisesaal zurückzogen. Im hinteren, unteren Salon, hatte sich eine Country- Band schon häuslich eingerichtet. Sie spielten während der Reise gepflegte Country - Songs, ziemlich gut sogar. Auch ein eigenes TV- Team von "Servus - TV" machte die Fahrt mit. Dazu war der "Sir" von einem Steuermann ebenfalls wieder an Bord. So wie der Altschiffsjunge und Ballon- Halter.

                             

       Kurz vor der Abfahrt in Linz dreht die "Anton Bruckner" um, um ihre Reise nach Wien anzutreten. In einer Nebelwolke aus Rauch und Dampf legt auch die "Schönbrunn ab". Kurz vor der Brücke hat man wohl das nautische Gerät etwas zweckentfremdet. Vorbei geht es an den einladenden Gasthäusern in Urfahr. Die Uhr in der Puchenau zeigt an, dass wir gut in der Zeit liegen. Noch ein prüfender Blick vom jungen Kapitän vom Kommando herab- es ist alles in Ordnung.

Außerdem gab es einen anderen Bootsmann als auf der vorherigen Fahrt. Die damalige "Mutter des Schiffes" befand sich zwar auch an Bord, aber diesmal in keinerlei wichtigen Funktion. Obwohl er seinen linken Arm eingebunden hatte, ließ er es sich nicht nehmen Schiffsführungen in den Ruderstand zu veranstalten. Doch die größte Überraschung war wohl die, als wir uns bei der Zahlmeisterkabine unsere vorbestellten Fahrkarten abholen wollten. Da hatte man doch tatsächlich den etatmäßigen Kapitän des  Schiffs, Herrn R. kurzerhand zum "Zahlmeister" degradiert. Wobei es der Herr Standardkapitän selbstverständlich nicht als Degradierung sah. "Leider hat uns diesmal unser Zahlmeister in Stich gelassen", erklärte er uns. "So habe ich halt einspringen müssen. Schau, wir sind ja froh, wenn wir auf neue Leute zurückgreifen können", fuhr er weiter fort. "Darüber bin ich sehr froh". Trotzdem konnte ich ihm das nicht so richtig glauben.

Den größten Teil der Reise erlebten wir vom hinteren Teil des Schiffs aus, später platzierten wir uns Steuerbord neben dem Kamin. Das Catering funktionierte wie bei jeder Reise einwandfrei, das Restaurationspersonal war und blieb, trotz des großen Geschäftsgangs, bis zum Ende freundlich und zuvorkommend. Diesmal servierte man sogar das bestellte Mittagessen in dem Raum, wo sonst nur Selbstbedienung vorgesehen war. Auch das Filmteam drehte und drehte. Wenn man wissen wollte wo gedreht wurde, brauchte man nur der Schlange der Passagiere zu folgen, die die beiden Damen und dem Herrn von "Servus TV" regelrecht einkreisten. Wahrscheinlich hofften sie darauf in der Reportage selbst ins Bild zu kommen.

                               

      In Aschach hält sich der Fahrgastandrang in Grenzen. Zu dieser frühen Stunde sind die Lokale an der Donau noch ziemlich leer. Die Schleuse Aschach taucht im Blickwinkel auf. Über Obermühl erreicht man die Station Schlögen. Blick auf die herrliche Landschaft, in dem Steingebilde am Ufer kann man vielleicht sogar eine Gämse erkennen. (Mit viel Fantasie).

Die ersten Fahrgäste stiegen in Schlögen aus. Wobei wir die nautische Geschicklichkeit des jungen Kapitäns bei den diversen Manövern bewundern konnten. Waren wir am Anfang noch etwas skeptisch gewesen, so zeigte Kapitän Martin, ein junger, schlanker, fescher Schiffmann, dass er auch mit der Führung eines so alten und ungewohnten Schiffstyp vertraut war. Altkapitän R. kam zwar einige Male auf die Brücke um ihn mit Rat und Tat zu unterstützen, was es eigentlich gar nicht brauchte. Außerdem hatte er ja den I. Steuermann, der so gut mit dem neuen Kapitän harmonierte, dass bei den Schleusenfahrten nicht das kleinste Anfahrgeräusch zu vernehmen war.

In Engelhartszell wurde so gegen 14.20 Uhr angelegt, wo der Großteil der Passagiere das Schiff verließ. Auch wir statteten dem Trappistenkloster einen Besuch ab. Nach dem Erwerb des weltberühmten Kräuterlikörs wurde die Ausstellung "Donaugeschichten" besucht. Hier waren einige interessante Exponate ausgestellt die man bestaunen konnte. Darunter auch die Nachbildung der Steuermanns -Wohnräume eines  DDSG-Schleppkahns. Nur der Herr, der da in seiner Portierloge saß, trübte etwas den guten Gesamteindruck. Nicht nur, dass unser freundliche Gruß nicht erwidert wurde, machte er keinerlei Anstalten den Strom einzuschalten.

                             

      Majestätisch steht das alte Dampfschiff am Aschacher Ponton. Auch hier ist die Landschaft zauberhaft. Kein Besuch des Engelhartszeller Klosters ohne den Erwerb des Klosterlikörs. Einige Ausstellungsstücke der Ausstellung "Donaugeschichten, die wirklich sehr interessant war.

                         

       Noch einige Unikate aus der Ausstellung. Blick auf die "Schönbrunn" vom Ausstellungsraum. Auch die Besatzung ist an Land präsent.

Das tat aber der guten Stimmung keinerlei Abbruch. Um 15.10 Uhr, fast pünktlich, ließen wir mit einem Nebel aus Dampf und Rauch Engelhartszell hinter uns um die Heimreise nach Linz anzutreten. Wobei sich der Harr Kapitän als ungemein sympathisch entpuppte. Wir hatten wieder unseren Stammplatz Steuerbord neben dem Kamin eingenommen um die letzten Sonnenstrahlen das Tages zu genießen. Plötzlich wies der Kapitän mit Zeichensprache zu seinem Steuermann hin, dass er jetzt das Kommando verlassen würde. Dabei kam er auf uns zu um uns persönlich herzlich zu begrüßen. Kapitän Martin stammte aus Oberösterreich, hatte studiert und fuhr im Hauptberuf bei einer französischen Reederei. Was ihn aber noch viel sympathischer machte war die Tatsache, dass er sich nicht selbst als großen Chef bezeichnete. Denn als ich die Rede auf den I. Steuermann lenkte und meinte, dass dieser schon ein ausgezeichneter Schiffmann sei, antwortete der Kapitän darauf: "Das kannst du laut sagen. Der hat das Schiff so etwas von in der Hand. Ich brauche gar nicht viel zu sagen, er macht fast alles von allein." Was mir sehr imponierte.

                           

        Ein lohnendes Objekt für die Filmleute war natürlich immer der junge Kapitän. Der "Sir" vom Steuermann, tritt seinen Dienst am Ruder an. Es zog ihn immer wieder auf die Brücke: Kapitänsoldy Herr R., der für diese Reise selbstlos ins zweite Glied zurückgetreten war. Diesmal nicht in schmucker Uniform sondern im "Crew"- Leiberl.

Außerdem erfuhren wir noch, dass der Steuermann, "Sir" Karl A. 25 Jahre auf dem Schaufelbaggerschiff "Negrelli" als Nautiker zugebracht hatte. Dazu hörten wir ein Gespräch mit, wie der ebenfalls sehr sympathische "Kaminumleger" zur "Schönbrunn" kam. Vor Jahren war er auf einer Radtour mit Freunden unterwegs gewesen. Von Grein fuhren sie dann mit der "Schönbrunn" nach Linz. Diese Schiffsreise hatte den ehemaligen Fernfahrer so fasziniert, dass er unbedingt in der Crew mitarbeiten wollte. Nun waren es schon fünf Jahre die er auf der "Schönbrunn" fuhr. Faszinierend, dass es auch heute noch solche Leute wie Herrn R., alias "Rauchi" gibt.

                             

        Immer wieder mit Stolz bei der Arbeit- der Schiffsjungen Senior. Auch der Bootsmann, ein Bär von einem Mann, im Gespräch mit dem Kapitän. Während die übrige Besatzung bei der Seilarbeit brillierte, sowie am Kommando bei den TV- Aufnahmen. Sieht ein wenig müde aus die junge Dame-  kein Wunder bei der vielen Arbeit in der Küche. Eine der vielen unsichtbaren Helferinnen die mit ihrer Arbeitsleistung auch zum Gelingen der tollen Reise beitrug.   

Je näher wir Linz kamen, desto alkoholgetränkter wurde die Luft an Bord. Die Bedienung hatte alle Hände voll zu tun um alle Trinkwünsche zu befriedigen. Als dann noch in Aschach nach gelungenem Manöver Herr GOAZ - (Größter Otto aller Zeiten) einstieg, war alles perfekt. Jubel, Trubel, Heiterkeit als das Schiff pünktlich in Linz- Urfahr anlegte. Nach der Verabschiedung durch fast die gesamte Mannschaft war eines klar: Die Besatzung sowie alle die zur Crew gehören strahlen eine solche Herzlichkeit aus, die man heute wohl nur noch ganz selten findet. Deswegen kommen wir ganz bestimmt im nächsten Jahr wieder. Vielleicht sogar bei einer Fahrt nach Budapest?

                                                                                       

 

 

 

                           Die "Schönbrunn" wird 100!!!

                                                        Fahrt nach Passau

 

2012 feiert das ehemalige DDSG - Dampf- Fahrgast- Schiff "Schönbrunn" ihre ersten hundert Jahre. Deswegen sind auch in diesem Jubiläumsjahr verschiedene Festlichkeiten geplant. Ihre erste Reise sollte von Linz nach Passau gehen. Das erste Mal seit Jahren ohne ihren "Steuermanns - Sir" den Karl, der heuer völlig überraschend verstorben war. Deshalb interessierten mich diesmal zwei Dinge: Erstens, würde die "Schönbrunn" mit einer schwarzen Flagge unterwegs sein zweitens, wer war Nachfolger des "Koarl"? Nun, eine schwarze Flagge zur Ehrerbietung des altgedienten Donauschiffers, der ja schon längst zum Inventar zählte, war nicht auszumachen. Steuermanns- Nachfolger schien der etatmäßige II. Steuermann geworden zu sein. Auf jeden Fall hatte er sich schon einmal in den Ruderstand gestellt.

                                             

   "Unter Dampf" steht die "Schönbrunn" an der Anlegstelle in Linz- Urfahr bereit. Auch der beliebte Jahrmarkt hat wieder seine Zelte an der Donaulände aufgeschlagen.

Bei der Kartenausgabe erlebten wir eine kleine Überraschung, da der langjährige Kapitän des Schiffes die Arbeit eines Zahlmeisters machte. Während der sonstige Zahlmeister im hinteren unteren Speisesaal Menükarten ausfüllte. Wobei wir uns schon etwas über die überhebliche Art des heutigen Kartenausgebers ärgerten. Da wir einen Kurzurlaub in Passau verbringen wollten, hatten wir einen kleinen  "Trolley" mit. Diesen wollten wir irgendwo abstellen um ihn nicht den ganzen Tag über mitschleppen zu müssen. Als ich den heutigen Nicht - Kapitän ersuchte, das Gepäckstück vielleicht in der Zahlmeisterkanzlei abzustellen, gab er erst einmal vor diese Bezeichnung gar nicht zu kennen. Er meinte, er wüsste nicht was ein "Trolley" sei, was wir eigentlich damit meinen. Um einer längeren Debatte aus dem Weg zu gehen schnappte ich mir den kleinen Koffer auf Rädern, um ihn unter der Sitzbank an Deck zu verstauen. Damit schien auch für den Herrn Neo- Kapitän dieses Thema beendet zu sein, denn er würdigte uns während der gesamten Reise keines Blickes mehr. Natürlich war auch keine Rede mehr davon unser Gepäcksstück irgendwo unterbringen.

                                            

        Der Herr Kapitän begibt sich auf die Kommandobrücke, wo er schon von seinem Steuermann erwartet wird. Der Blick ist noch etwas unsicher...

Auch sonst war die gewohnte Schiffsmannschaft an Bord. Vom ewig präsenten "Rauchi", über den Maschinisten Maximilian, der uns bis zum Ende der Reise nicht erkannte, bis hin zu Martin, dem jungen Kapitän. Wahrscheinlich hatte er sich wieder Urlaub genommen um mit dem Nostalgieschiff unterwegs zu sein. Unter seinem Kommando verließ die alte Dame pünktlich Linz um sich stromaufwärts zu bewegen. Was noch auffiel waren die wenigen Passagiere die sich an Bord befanden. Erst in Aschach sollte es dann hektisch werden. Hier würde eine Partie von Eisenbahnfreunden zusteigen. Aber bis dahin hatten wir das Schiff fast für uns allein. Auch das neue Catering - Service trug viel zu unserer Zufriedenheit bei. Die jungen Damen und Herren bemühten sich sehr die Wünsche der Gäste rasch zu erfüllen.

Natürlich ließ ich mir das erste Schleusenmanöver nicht entgehen, das ich kritisch beobachtete. Der neue Herr Steuermann machte seine Sache gar nicht einmal so schlecht. Zwar war ihm schon anzusehen, dass er sehr nervös war, aber er bemühte sich sehr. So machte er mit seinen letzten langen Haarsträhnen, die ihm etwas wirr ins Gesicht fielen, einen ziemlich genervten Eindruck. Aber er hatte ja einen ausgezeichneten Kapitän, der die Ruderbewegungen mit der Maschine ausgezeichnet koordinierte. Ja, der Kapitän hatte Schiff  und Mannschaft hervorragend in der Hand. Auch bei schwierigen Anlegemanövern, die jetzt auf ihn zukamen. Am Landesteg in Aschach stand ein großes Passagierschiff, bei dem man anlegen musste. Die Schwierigkeit bestand darin, dass die Decksaufbauten dieses Kabinenschiffes natürlich höher als die der "Schönbrunn" waren. So mussten die Einsteigswilligen vom Einstiegsdeck des Kabinenschiffs auf das Oberdeck der "Schönbrunn" umsteigen. Kein leichtes Unterfangen, dass aber bravourös gelöst wurde. So stürmten sozusagen fast 400 Leute das Schiff, mit dem Platz wurde es immer enger. Von den zahlreiche "Eisenbahnerfreunden" wurde der letzte Donaudampfer regelrecht geentert. Hauptsächlich deutsche Bundesbürger die mit einem Nostalgiezug hierher gekommen waren um ihre Reise stromaufwärts fortzusetzen. Seinen Platz sollte man nach Möglichkeit nicht verlassen, denn bei der Rückkehr war er sicherlich von anderen Passagieren besetzt. Aber das schöne Wetter entschädigte für vieles.

                                        

    Ja, der Einstieg "passt" noch nicht, jetzt ist guter Rat teuer. Aber mithilfe des Kapitäns gelingt es doch die Passagiere an Bord zu nehmen. Stoisch ruhig beobachtet der Kapitän den Einstiegsvorgang, ehe man dann wieder von Aschach ablegt.

Das nächste Anlegemanöver erfolgte in Engelhartszell, wobei auch zahlreiche Fahrräder an Bord genommen wurden. Einige der neuen Fahrgäste hatten es sich nicht nehmen lassen hier ihre Radtour zu unterbrechen um die Schönheit der Donau zu genießen. Auch hier gab es Schwierigkeiten beim Anlegen, da der "Theodor Körner", das ehemalige DDSG- Flaggschiff, am Ponton stand. Aber diese Herausforderung wurde wieder von der Mannschaft ohne größere Schwierigkeiten gemeistert.

                                          

     Die Passagierschifffahrt zwischen Passau und Linz hat bereits begonnen. Weiter geht es durch die malerische Landschaft nach Engelhartszell wo gleich zwei Kabinenschiffe angelegt haben.

Bei der weiteren Bergfahrt kristallisierte sich dann heraus, dass sich die meisten der Passagiere eigentlich nicht für Schiff und Landschaft interessierten. Sie hielten sich lieber an die alkoholischen Getränke, wobei es die ersten lauten Gesangseinlagen der deutschen Freunde gab. Man befand sich in beschwingter Stimmung, die aber abrupt durch die Schreckensmeldung. "Das Weißbier ist aus!", beendet wurde. Doch nach kurzem Innehalten wandte man sich halt dem Weingenuss zu. Wobei es viele vor Langeweile fast nicht mehr aushielten, denn immer öfter holte man bei der Mannschaft Erkundigungen über die Fahrzeit ein. "Wie lange noch bis Passau? Was, noch immer vier Stunden?" Besonders für die vielen Kinder, die an Bord herumtollten wurde es zu einer Geduldsfrage. Auch die Steuerleute hatten gewechselt und siehe da, jetzt stand sogar der normalerweise nur als Zahlmeister eingesetzte passionierte Pfeifenraucher am Ruder. Überraschenderweise fand er sich aber gut zurecht.

                                                

   Gleich ist man am Ziel, Schleuse Jochenstein wurde gerade passiert. Bereits kurz vor Passau fuhren weitere Kabinenschiffe zu Tal. Auch die neu übernommene "Mozart" hat hier unterhalb Passau Station gemacht. Noch rasch ein Erinnerungsfoto von der Schleuse, ehe es dann ans Ruder geht.

Aber einmal ging auch die längste Zeit vorbei und mit einer Stunde Verspätung erreichte man Passau. Bei noch immer strahlenden Sonnenschein, sowie hohen Temperaturen wurde am diesmal freien Ponton angelegt und der Fahrgaststrom "ergoss" sich an Land. Eine schöne, gemütliche, stressfreie Reise ging zu Ende. Als wir beim Aussteigen beim Maschinenraum vorbeikamen bewunderte ich die Maschinenleute die schon bei fast unmenschlichen Temperaturen ihre Arbeit verrichteten. Genauso wie damals, als die "Schönbrunn" noch im Linienverkehr eingesetzt war, die Heizer der ruhmreichen DDSG. Daran hatte sich bis zum heutigen Tag nichts geändert und würde sich auch in  Zukunft nichts ändern.   

                                              

   Die ersten Häuser der Altstadt tauchen auf. Auch Passau ist sehr von Kabinenschiffen frequentiert. Es ist geschafft - "Schönbrunn" wie einst am Anlegesteg in Passau.

 

 

 

                                                                  Die "Schönbrunn" wird 100!!! 

                                                In Ybbs

Anlässlich der Ausstellung "175 Jahre Dampfschifffahrt im Raum Ybbs", die von der Stadt Ybbs und dem dortigen Kulturverein OKAY veranstaltet wurde, traf auch die "Schönbrunn" in der Stadt an der Donau ein. Es war ein strahlender Samstagnachmittag, als der "Donausaurier" am Passagierschiffponton anlegte. Empfangen von zahlreichen Schaulustigen sowie unter den Klängen einer Musikkapelle wurde ihr der gebührende Empfang zuteil. Von Stadt und Kulturklub wurde der Besatzung ein wunderschönes handgemaltes Bild überreicht, In seiner Dankesrede versprach der Kapitän, dass das Gemälde einen Ehrenplatz auf dem Schiff erhalten würde. Anschließend lud man zu einer Schnupperfahrt talwärts ein, die von zahlreichen Schifffahrtsbegeisterten begeistert in Anspruch genommen wurde.

                                  

   Die Ybbser Musiker suchen vor der Ankunft der "Schönbrunn" noch etwas Schutz vor der Hitze. Auch die Feuerwehr ist schon in freudiger Erwartung. Der Dampfer macht kurz nach der Schleuse rundo und wird schon ungeduldig von der Ybbser Bevölkerung erwartet. Mit der Zahl 100 am Nockhaus wird am Ponton angelegt, auch die Mannschaft freut sich.

                                    

   Auch der Bootsmann beobachtet die Szene noch etwas skeptisch. Die wichtigsten Männer der Besatzung hatten sich am Ponton versammelt um das Geschenk der Stadt in Empfang zu nehmen. Auch die Feuerwehrleute erkundigten sich über das Schiff. Besonders erfreut scheint auch der Steuermann zu sein, der herzlich lacht. Auch DDSG- Oldies bevölkerten die Szene wie der ehemalige Maschinenbetriebsleiter J. K., der lange auf der "Schönbrunn" fuhr. Noch ein letzter Blick auf das Nockhaus mit dem "Hunderter", dann drehte das Schiff zu Tal.

                                             

 

 

 

 

                                                         Die "Schönbrunn" wird 100!!! 

                                         Von Linz nach Schlögen 

                                              

       Der Einstiegsvorgang in Linz Urfahr hat bereits begonnen. Hoher Besuch an Bord durch den "Präserl". Auch der Kapitän kommt noch in Zivil an Bord. Lt. dieser Ankündigung war das Programm so vorgesehen.

Am Samstag, dem 04. August bat die "Schönbrunn" zu ihrer Sommer- Brunch - Fahrt- Linz - Schlögen - Linz. Eine Gelegenheit die sich auch viele Passagiere nicht entgehen lassen wollten und so war das Schiff gut besucht. Unter ihnen auch zahlreiche Ehrengäste- der Prominenteste - der Präsident des Vereins für Eisenbahngeschichte. Aber auch die Schiffsmannschaft war diesmal vollzählig an Bord, mit Kapitän, Zahlmeister, beiden Steuerleuten, dem etatmäßigen Bootsmann sowie der weiteren bekannten Crew. Leider begann die Einschiffung beim Abholen der Fahrkarten ziemlich chaotisch. Da auch die Fahrt alleine, also ohne Essen gebucht werden konnte, musste nun zwischen Bezahlern sowie denjenigen Passagieren unterschieden werden die nur die alleinige Reise gebucht hatten. Dies geschah unter zu Hilfenahme von bunten schmalen Bändern in den Farben grün, blau und gelb, die auf unser rechtes Handgelenk angebracht wurden. Auf die Frage welche Bedeutung eigentlich die Farben hätten, wurde uns Folgendes mitgeteilt: "Überhaupt keine. Wir haben nur zuwenig Bänder in einer Farbe, deswegen hat man auch andere genommen". ???  Auf jeden Fall waren jetzt alle Passagiere gekennzeichnet und man machte unfreiwillige Werbung für eine Bank mit dem berühmten Giebelkreuz. Was mir persönlich schon sehr sauer aufstieß. Ich möchte sicherlich keine Reklame für eine Bank machen, bei der ich nicht einmal ein Konto habe. Außerdem, wenn schon Werbung, dann für mich. Außerdem hätte man auf der Homepage bekannt geben können, dass diese Schifffahrt auch ohne Brunch- Mittagessen buchbar gewesen wäre. Auch wir hätten sicher ohne Essen bestellt, denn wir wussten genau was passieren würde. Außerdem wäre es auch billiger gewesen. Wie auch immer. Nachdem wir uns einen Platz am Oberdeck gesucht hatten, tauchte das nächste Problem auf. Es waren nirgends Aschenbecher zu finden. Man hatte einfach darauf vergessen sie bereitzustellen. Die ersten Raucher, die sich schon längst ihr Zigaretterl angezündet hatten, bekamen nun Schwierigkeiten die Asche sowie die Zigarettenkippe zu entsorgen. Da ihre Intervention um Aschengefäße bei der Mannschaft leider ungehört verhallten, blieb also nur der Decksboden oder die Donau. Das ging so lange bis ein Tschikfilter vor den Beinen des Präsidenten landete. Als daraufhin der Herr Präsident die Raucherin etwas pikiert ansah, lautete ihre völlig richtige Verteidigung: "Was soll ich denn machen wenn es keine Aschenbecher gibt?" Nur Minuten später sah man die Crew, die plötzlich Ascher überall an Bord bereitstellte... Genau mit der angegebenen Abfahrtszeit verließ man Linz in Richtung bergwärts.                 

Schon bei der Bergfahrt fiel auf, dass das Zusammenspiel innerhalb der Mannschaft hervorragend klappte. Der Kapitän hatte sein Schiff im Griff und auch der Herr Steuermann schien viel dazugelernt zu haben. Die Schleusenmanöver wurden ausgezeichnet bewerkstelligt und auch das Anlegmanöver in Aschach bereitete keinerlei Schwierigkeiten. Dass bei so einem alten Dampfschiff gar nicht so einfach war. Dabei war auch zu sehen, wie der "Zauber der Montur" auch noch heute wirkte. So sah man ein Mitglied der Crew eng umschlungen mit Frau oder Freundin fast die gesamte Bergfahrt am Kommando stehen. Aber auch der I. Steuermann fühlte sich im Kreise junger Damen sichtlich wohl. Ja, ja, der Zauber der Schifffahrt. Vor der Aschacher Schleuse musste man leider lange Zeit warten, eine Warteszeit die so nicht eingeplant war. Daher kam es zu einer Verspätung und so mancher fürchtete, dass die Zeit nicht ausreichen würde, auf den Schlögen - Berg zu gehen. Pünktlich um 11.00 Uhr wurde das Buffet eröffnet, das ins Mittagessen überging. Leider kam es wieder so, wie wir es befürchtet hatten. Der Andrang war ein Wahnsinn und es dauerte sicherlich mehr als eine halbe Stunde bis wir uns zu den Köstlichkeiten durchgekämpft hatten. Da es unheimlich heiß war aßen wir nur eine Kleinigkeit. Auf das Dessert verzichteten wir freiwillig, nochmals so lange Anstellen wollten wir uns doch nicht mehr. Als wir uns nach ca. 2 Stunden doch den Nachtisch holen wollten war dieser natürlich schon aus. Was uns nicht so viel ausmachte, andere Reisende aber schon. Als diese ebenfalls vor vollendete Tatsachen gestellt wurden, flippten sie fast aus um sich lautstark zu beschweren. Unsere Stimmung hob nur das Treffen eines alten DDSG - Kapitäns nebst reizender Lebensgefährtin. Dino, ein alter Freund aus dem Linzer Pensionistenverein, mit dem man so herrlich über alte Zeiten plaudern konnte.

                                                            

  Ja, man zeigte sich recht verliebt und auch der Herr Steuermann fühlte sich recht wohl im Kreise netter junger Damen. Die malerischen Häuser von Aschach sind immer wieder schön anzusehen. Zuerst kommt die Arbeit und dann das Vergnügen.

Man stellte wieder einmal überrascht fest, dass die "Schönbrunn" nicht nur damals sondern auch noch heute das schnellste Dampfschiff auf der Donau ist. Planmäßig wurde um 14.30 Uhr beim Schlögener Ponton vor dem Hotel "Donauschlinge" angelegt. Es wäre sich also ein Besuch auf den Schlögen - Berg locker ausgegangen. Doch aufgrund der brütenden Hitze wurde darauf verzichtet. Statt dessen wurde im Restaurant des Hotels eine riesige Portion Eis vertilgt. Aber im Inneren, denn draußen wurde man trotz der riesigen Sonnenschirme fast "geröstet". Beim Fotografieren fiel mir auf, dass die am linken Nockhaus angebrachte Zahl 100 teilweise fehlte. Vielleicht war sie hinuntergefallen oder hinuntergerissen worden, oder was auch immer? Jetzt standen nur noch als trauriger Rest zwei Nullen da, was schon zu vielen Interpretationen Anlass gab. Jeder kann sich ja selbst seinen Reim darauf machen...  

                                                      

   Das planmäßige Linienschiff "Anton Bruckner" von der deutschen Reederei Wurm & Köck macht den Anlegeponton vor dem Hotel Schlögener Schlinge frei. Das stolze Dampfschiff in Schlögen mit der Doppelnull am linken Nockhaus.

Bei der Talfahrt dann die nächste Überraschung. Unter der Leitung des Kapitäns machte nun der I. Steuermann die anfallenden Manöver. Gar nicht einmal so schlecht, wovon man sich staunend überzeugen konnte. Der Mann hatte ja wirklich Talent. Was man so vom II. Steuermann nicht behaupten konnte. Der "Zweite", im seinem richtigen Broterwerb praktischer Arzt in Linz, wähnte sich wohl auf einem Ringelspiel am Jahrmarkt in Urfahr. So wurde die "alte Dame" oft ruckartig von einer Seite auf die andere gesteuert. Na Servus, Patient in seiner Praxis möchte ich auch nicht sein. Wenn er dort auch so mit seinem Skalpell herumfuhrwerkt. Außerdem kann er froh sein auf einem Passagierschiff zu fahren. Von den Schlepplotsen eines Frachtschiffes wäre er wegen seiner "Hacken- schlagen" schon längst gelyncht worden. was aber der großartigen Stimmung hier keinerlei Abbruch tat. Man muss heute einmal jemand finden, der sich so für die Schifffahrt interessiert, alle Achtung. Diese Leistung kann man nicht hoch genug einschätzen. Kurz vor Linz ließ es sich der Kapitän doch nicht nehmen den DDSG - Kapitän auch persönlich zu begrüßen.

                                                  

   Abfahrt von Schlögen. Machte seine Sache unter der Aufsicht des Kapitäns ausgezeichnet, der I. Steuermann. Auch der Herr Zahlmeister vergönnt sich ein "Zigaretterl". Immer recht gut aufgelegt- der neue II. Steuermann. Sehr wenig Schiffsbewegung auf der gesamten Donau. Bergfahrend zählte man 2, talfahrend 1 Frachtschiff!

Pünktlich wurde in Linz - Urfahr angelegt. Eine schöne Reise ging zu Ende, zumindest haben es wir so erlebt. Der Höhepunkt steht uns aber noch bevor: Die Reise nach Budapest.

 

 

                                                                Die "Schönbrunn" wird 100!!!

                                                Der Höhepunkt 

                            Schiffsreise nach Budapest

                                   

                                                        Die Ankunft des Jubilars bei der Wiener Schifffsstation

                        

1. Tag: Der Einstieg

Um 14.00 Uhr sollte die "Schönbrunn" bei der Reichsbrücke im Wiener Schifffahrtszentrum eintreffen und sie war wie immer pünktlich. Obwohl es weit vor der Einstiegszeit war, bewunderten Passagiere sowie Freunde der Donauschifffahrt wie das letzte noch fahrbare Dampfschiff  bei leichtem Regen unterhalb der Reichsbrücke anlegte. Sie waren so fasziniert von dem Flair, dass sie gleich alle auf einmal an Bord wollten. Dabei vergaß man, dass der Donaudampfer bereits von Krems kam und sich dadurch viele Passagiere an Bord befanden, die hier aussteigen wollten. Jetzt kam es zu einem lustigen Schauspiel: Die "Schönbrunn" wollte nun neben der Kaimauer anlegen, der Hafenkapitän wies sie an noch ein großes Stück zu Tal zu fahren, da war noch genügend Platz. So marschierte die ganzen Menschentrauben Schritt für Schritt neben dem Schiff her. Was auch dem Hafenkapitän bald zuviel wurde und er in seinem Büro verschwand. Nur weg von hier, bloß sich nicht ansprechen lassen oder vielleicht Auskunft geben zu müssen. Als der "Schönbrunn- Kapitän" ihn später draußen in seinem Büro besuchen wollte, konnte er nur kopfschüttelnd konstatieren: "Der hat sich eingesperrt!"

                               

   Stolz trägt die "Schönbrunn" ihren "Hunderter" am Nockhaus als sie zischend und dampfend im Praterkai anlegt. Ein Fachgespräch führte Kapitän Martin mit dem Mitarbeiter beim DDSG - Zentrum. Man kannte sich eben. Kaum zu glauben, es gibt doch noch Schiffsverkehr auf der Donau.

An Bord wurden wir von der Mannschaft herzlich willkommen geheißen, ehe wir uns in die lange Schlange der Reisenden einreihten. Beim Einchecken wurden wir von den überaus netten RUEFA- Mitarbeitern Michaela und Anton, die wir ja schon von der vorjährigen Reise kannten, empfangen. Man erhielt Namenskärtchen die man sich umhängte und die nach jedem Verlassen des Schiffes abgegeben werden mussten. Kam man anschließend wieder an Bord, wurden die Kärtchen wieder ausgefolgt. So hatte man doch etwas Kontrolle. Zur unserer Überraschung kümmerten sich beide Kapitäne um das Gepäck, das innerhalb von Sekunden im hinteren oberen Speisesaal verstaut wurde. Was für Kapitän Martin aber nichts Neues war. "Damals auf der "Kaiserin Elisabeth" da mussten innerhalb einer viertel Stunde 400 Gepäcksstücke verstaut werden. Da kannst du ganz schön zupacken", erinnerte er sich. Martin, der junge Kapitän war ein Schiffmann vom Scheitel bis zur Sohle. Normalerweise fuhr er ja mit den Schiffen der französischen Reederei von Rotterdam bis ans Schwarze Meer. Diesmal hatte er sich wieder einmal Urlaub genommen um bei der "Schönbrunn- Reise" dabei zu sein.

                                  

        Das tolle Reiseleiterteam Michaela und Anton strahlten schon von Anfang an Ruhe und Gelassenheit aus. Genauso wie die Heizer, die wohl die schwerste Arbeit hatten. Drei Schiffsbegegnungen die fast gleichzeitig von Bratislava weggefahren waren.

Planmäßig um 16.00 Uhr ging es dann los, bei abklingenden Regen, in Richtung Bratislava. Mit 235 Leuten an Bord. Ganz schön. Es würde schon bald eine "Bretteljause" serviert werden, lautete Antons Durchsage, der aber danach noch etwas ganz Gescheites folgen ließ. Er meinte völlig richtig, dass man sich keine Plätze reservieren sollte, jeder sollte wenigstens beim Essen einen Sitzplatz haben. Ja, und was geschah? Genau das Gegenteil davon - denn obwohl die Passagiere bereits am ganzen Schiff unterwegs waren, hatten sie ihre Plätze reserviert. Ziemlich unangenehm für diejenigen die gerne essen wollten, aber keinen freien Platz in den Speisesälen vorfanden. Nach einer vergeblichen Suche von mehr als einer halben Stunde setzten wir uns einfach auf die reservierten Plätze, um auch endlich zu unserem Essen zu kommen, das wirklich hervorragend war. Die Leute vom Catering hatten hier das erste Mal aufhorchen lassen.

                                

      Begegnung vom dem Flaggschiff der Nachfolgegesellschaft der DDSG "Admiral Tegetthoff". Bratislava kommt langsam in Sicht, mit den alten Plattenbauten sowie Schiffshotels.

Bratislava wurde lt. Fahrplan erreicht. Auch hier hatte es aufgehört zu regnen, alles war perfekt organisiert. Während unser Gepäck ins Hotel gebracht wurde, durften wir einen Altstadtrundgang mit Reiseführern aus Bratislava in Anspruch nehmen. Das war zwar sehr interessant, aber trotzdem etwas zu lange. So trafen wir erst weit nach 20.00 Uhr beim Hotel ein. Eine tolle Unterkunft mit schönen Zimmern am modernsten Stand. Jetzt spielte es sich natürlich ab, denn jeder musste sich sein Gepäck suchen um einchecken zu können. Dabei gab es schon lange keine Schlüssel mehr. Die wurden ersetzt von Karten, die auch für den Lift verwendet wurden. Für manche eine ziemlich komplizierte Geschichte, wie man deutlich merken konnte. Manchesmal da fuhr der Lift ziemlich unkontrolliert zwischen den Etagen herum. Aber auch das Öffnen der Zimmer war keine einfache Sache. Doch die schönen Zimmer entschädigten für alles. Trotzdem war es ziemlich spät geworden und wir verzichteten darauf Bratislava in der Nacht zu sehen.

                             

       Das berühmte Restaurant auf der Brücke mit Figuren vor dem Fenstern. Übrigens, das Restaurant hat zwar einen Lift, es dreht sich aber nicht. Auch so sieht heute die Altstadt von Bratislava aus. Ein tolles Hotel wurde für unsere Unterkunft gewählt.

 

2. Tag: Zwischen Bratislava und Visegrad

Ab 7.00 Uhr gab es ein reichhaltiges Frühstücks - Buffet im Hotel in ausgesuchter Qualität. Um 9,15 Uhr sollte der Bustransfer Hotel- Schiffsanlagestelle stattfinden. Deswegen stellten wir unser Gepäck in der Eingangshalle ab. Da uns das zu lange dauerte, gingen wir zu Fuß zurück zum Schiff um uns etwas die Füße zu vertreten. Als wir uns schon längst wieder an Bord des Schiffs befanden, trafen die ersten Autobusse vom Hotel ein. Während nun die Busflotte unser Gepäck zum nächsten Hotel transportierte, genossen wir die Abfahrt mit der "Schönbrunn" bei Sonnenschein von Bratislava. Auf der folgenden Talfahrt konnten wir sogar noch ein hervorragenden Brunchbuffet an Bord genießen. Dieses war von der Catering- Firma "Flieger- Gastro" wieder herrlich in Szene gesetzt worden. Den "Gabcikovo"- Kanal mit imposanter Schleusenkammer kannten wir ja schon. Dort hatten sich zahlreichen Menschen zur Jubelpose eingefunden. Die Fahrt ging diesmal nur nach Komarom, wo wir an der ungarischen Seite anlegten. Hier wurden wir wieder auf diverse Autobusse aufgeteilt, während die "Schönbrunn" nur mit ihrer Besatzung weiterfuhr. Wobei es noch eine Überraschung für die Reisenden gab. Kapitäne und Mannschaft hatte sich bereit erklärt nochmals durch die Komorner Brücke zu fahren, um so  ein tolles Fotomotiv abzugeben. Wobei man wirklich tolle Bilder einfangen konnte. Ein großes Dankeschön an Reiseleitung und Besatzung.

                                       

      "Schönbrunn" am Anlegesteg in Bratislava. Gleich nach der Stadt die Schleuse des Kanals. Die beiden Kapitäne machten es möglich- nochmalige Brückendurchfahrt in Komarom. 

Überhaupt Reiseleitung: Michaela und Anton waren wirklich ein Aushängeschild ihrer Firma. Keine Frage war ihnen zu dumm, kein Weg zu weit um "ihre" Kunden zufrieden zu stellen. Probleme schien es überhaupt keine zu geben. Auch als es den Anschein hatte, dass ein älterer Behinderte es nicht mehr zu Fuß zum Bus schaffen würde, stand wie von Geisterhand sofort ein Rollstuhl bereit. Das nenne ich perfekte Organisation!!! In den Bussen machten uns die ungarischen Reiseleiterinnen darauf aufmerksam, dass sie jetzt heute und morgen mit uns zusammen sein würden und wir so den Bus und unseren Platz merken sollten. Wir sollten auch morgen in denselben Bus einsteigen. Zuerst stand der Besuch des Schiffsmuseums in dem ungarischen Dorf "Neszmely" auf dem Programm. Schon den ganzen Weg über schwärmte die Frau Reiseführerin von der neuesten Errungenschaft des Museums - vom ehemaligen Donaumonitor "Leitha". Doch weil wir eine solch große Delegation waren wurden die Autobusse geteilt. Während nun die ersten beiden Busse ins Schifffahrtsmuseum geleitet wurden, besuchten wir ein Weinhotel hoch über der Donau. Allein schon die Aussicht war atemberaubend, durch das schöne Wetter konnte man den Blick in jede Himmelsrichtung schweifen lassen. Endlich ging es dann wieder Richtung "Neszmely"- Schifffahrtsmuseum, wobei Frau Reiseleiterin alles, aber wirklich alles über die "Leitha" erzählte. Ich glaube, ich wusste schon sogar über deren Geschützstärke Bescheid. Das Museum war ziemlich enttäuschend, da man nur drei Schiffe besichtigen konnte. Obwohl in drei Gruppen eingeteilt, begannen wir damit die Schiffe auf eigene Faust zu erkunden. Was ziemlich lustig war.

                                  

          Von dem Weingut hatte man einen prächtigen Blick auf die Donau und Umgebung. Schiffe des kleinen Museums mit Donaumonitor "Leitha".

Trotzdem war es ziemlich spät geworden, als man schließlich zum Hotel gebracht wurde, das sich fast auf der Visagrader Burg befand. Ein Top- Hotel mit Thermalbad, das alle "Stückerln" spielte. Michaela und Anton hatten wieder mal ganze Arbeit geleistet. In einer Stunde sollte es ein festliches Abendbuffet geben. Man kann sich gar nicht vorstellen wie schnell Menschen sein können sich zu erfrischen, umzuziehen um danach schnell ihren Platz im Restaurant zu besetzen. Als wir nach ca, einer halben Stunde aus dem Hotelzimmer kamen war schon alles besetzt. Doch eine freundliche Seele erbarmte sich unser und schloss die Terrassentür auf. Von dort hatte man einen schönen Blick auf das darunter gelegene Thermalbecken, das in allen Farben angestrahlt wurde und in dem noch Schwimmer ihre Bahn zogen. Obwohl das Bad um 20.00 Uhr schloss, hatte die Geschäftsleitung beschlossen doch etwas länger geöffnet zu halten. Damit auch den neuen Gästen das Baden zu ermöglichen. Da es ein Jagdhotel war, wurde aufgetischt: Alles vom Hirsch, Reh, Hasen- frisch zubereitet. Eine Verwöhnung für unseren Gaumen. Da hatte sich die Reiseleitung etwas einfallen lassen. Das Hotel lag inmitten eines großen Waldgürtels und alle Zimmer hatten Balkon. So dauerte es nicht lange bis man etwas übermüdet ins breite Bett fiel. Viel erlebt an diesen Tag.

                                 

       Das Hotel schloss gleich an den Wald an wobei es am nächsten Morgen so ein Panorama zu sehen gab.

   

3. Tag: Von Visegrad nach Budapest 

Nach einem reichhaltigem Frühstücksbuffet sollte es um 09.00 Uhr weitergehen. Davor hatten wir noch genügend Gelegenheit tolle Bilder zu machen. Bei vielen der Reisenden machte sich Hektik breit und als die ersten Busse eintrafen wurde dort sofort das Gepäck verstaut. Als wir jedoch unseren Bus betraten, erlebten wir eine Überraschung. Unsere Plätze waren nämlich besetzt. Aber nicht nur uns erging es so, auch so manch anderer befand sich in der gleichen Situation. Die Leute hatten sich einfach in den Bussen zusammengesetzt, wie es ihnen gerade passte. So wurden wir im letzten Bus, wo es noch genügend freie Plätze gab, untergebracht. Die erste Fahrt ging auf die Visegrader Burg, wo man, bei herrlichen Wetter tolle Sicht hatte. Leider waren hier nur zwei Zimmer geöffnet, die man besichtigen konnte. Bei bereits hohen Temperaturen waren die Buden am Busparkplatz geschlossen. So blieben wir noch etwas länger um uns mit hängenden Zungen doch noch mit Mineralwasser einzudecken. So schafften wir es in weiterer Folge nach Esztergom wo der Dom besichtigt wurde. Gegen Mittag wurden wir mit den Bussen zur Anlegestelle gebracht um wieder auf den ehemaligen Salondampfer einzusteigen. Während nun unser Gepäck nach Budapest gebracht wurde, setzten wir unsere Reise wieder am Wasser fort.

                                

        Einige Eindrücke von der Visegrader Festung. In Esztergom ist man schon moderner. Hier überwindet man mit einem Lift die vielen Stufen.

In Visegrad wurde der "Dinosaurier der Donau" offiziell von ungarischen Männern in alten Uniformen empfangen. Es wurde wirklich ein Spektakel geboten, als das Schiff mit Trompetenstößen begrüßt wurde. Ungarische Reden wurden geschwungen und es gab sogar einen spektakulären Schaukampf zu sehen. Hier stiegen auch der ungarische Lotse sowie ein ungarisches Fernsehteam ein, die bis Budapest an Bord blieben. Interviews wurden geführt, wobei die beiden Kapitäne natürlich am meisten gefragt waren. Nach einer Stunde befuhr man nun den reizvollsten Teil der Ungarischen Donaustrecke - das Donauknie. Wobei es ein köstliches Mittagessen mit Kuchenbuffet gab. Wenn man sich da das Völkergemisch ansah, konnte man sich durchaus vorstellen wie das Reisen zu Kaisers Zeiten war. Nur waren es damals halt Reisende von der unteren Donau, statt Schweizer, Bundesdeutsche sowie Amerikaner auf dieser Reise.

                              

        Nach der Abfahrt in Esztergom wurde die "Schönbrunn" am Ponton zu Visegrad empfangen.

Kurz vor Budapest wurden wir dann vom Museumsschiff, dem ehemaligen Motorzugschiff der ungarischen "MAHART" "Sopron" begrüßt und bis nach Budapest eskortiert. Wobei sofort jeder zu einem alten Donauschiffer mutierte. Denn Bemerkungen wie ".... ja, das ist die "Sopron". Ich möchte nur wissen was die alles aufführt?"...,  Hier wurde nichts "aufgeführt", sondern die "Schönbrunn" mit einer Wasserfontäne begrüßt. Unter lauten Hupsignalen wurde das Geburtstagskind bis zu seinem Liegeplatz begleitet. Ein imposanter Anblick, hier wurde noch echte Nostalgie gelebt. Auf jeden Fall waren dies Bilder, die man wohl nie mehr zu Gesicht bekommen würde. Wieder wurden Gespräche auf Ungarisch geführt und es gab Willkommensgeschenke für Schiff und Mannschaft. Die sich für einen Fototermin zur Verfügung stellte, was wiederum eine tolle Idee war. Die Ausschiffung ging, dank guter Organisation des Reiseleiterteams, flott vonstatten. Es wurden nämlich nur diejenige zum Aussteigen aufgefordert, deren Autobus gerade eingetroffen war. So ging alles ziemlich gesittet vor sich. Oder auch nicht. Denn es gab unter den Reisenden noch immer Leute, die als erster in den Bus einsteigen wollten. Obwohl eh nicht gut zu Fuß, war ihnen kein Hindernis zu groß um ihr Ziel zu erreichen. Nach einer Fahrzeit von ungefähr 20 Minuten erreichten wir unser Hotel, das sich auf der gegenüberliegenden Donauseite befand. Mit dem hatten wir aber nicht so viel Glück wie mit unseren frühen Unterkünften. Es stand auf einer etwas abschüssigen Straße wobei daneben ein Straßenbahngleis vorbeiführte. Man kann sich also vorstellen was es bedeutete wenn eine Straßenbahngarnitur mit lauten Quietschen dahergerumpelt kam. Man konnte nur darauf hoffen, dass es bei den ungarischen Verkehrsbetrieben auch einen Betriebsschluss gab.

                              

         Bereits bei der Ankunft in Budapest wird der Jubilar von der "Sopron" Großer Bahnhof auch am Anlegeponton in Budapest.

Um 18.30 Uhr wurden wir wieder abgeholt um auf die "Schönbrunn" gebracht zu werden. Jetzt begann die so genannte "Lichterlfahrt"- die Fahrt durchs nächtliche Budapest. Ein traumhaftes Erlebnis, wenn alle Brücken und Gebäuden der Hauptstadt angestrahlt wurden und man alles von der Donau her bewundern konnte. Dazu waren ungarische Spezialitäten wie Gulasch, Pörkelt, usw. hergerichtet worden, wie wir sie in solch einer Köstlichkeit noch nicht erlebten. Wir z. B. hatten bisher noch nie solche erlesene Köstlichkeiten probiert. da passte wirklich alles zusammen. Nach der etwa dreistündigen Fahrt mussten wir jetzt für immer das "Geburtstagskind" verlassen. Nach der überaus freundlichen Verabschiedung durch die Mannschaft bekam auch Kapitän R. von dem jungen Kapitän Martin zu schwärmen. "Der Bua is schwer in Ordnung.", klang er begeistert. "Wir können uns hervorragend ablösen". Aber auch Martin selbst war sich treu geblieben als er von uns wissen wollte: "Warum seids denn ned aufs Kommando gekommen?" Wir wollten ihn noch nicht stören. So kamen wir an diesem Tag erst weit Mitternacht ins Bett.

 

4. Tag: Die Heimreise

Mit ohrenbetäubenden Getöse donnerte die erste Straßenbahn am Hotel vorbei. Ein Blick auf die Uhr zeigte 04.15 Uhr. Um 07.00 Uhr gab es Frühstück, das schon zur Öffnungszeit von vielen Reisenden in Anspruch genommen wurde. Schließlich stand ja die Stadtbesichtigung auf dem Plan. Die wir nicht mitmachten, sondern auf eigene Faust Budapest erkundeten. Diesmal hatten wir insofern mehr Glück als im Vorjahr, da wir uns bei einer U- Bahn und Eisenbahnstation befanden. Da gab es sehr viel zu sehen, sogar ein großer Supermarkt befand sich gleich ums Eck. Dort versorgten wir uns mit Mineralwasser, denn es wurde immer heißer. So kehrten wir eine Stunde vor unserer Heimreise wieder ins Hotel zurück wo wir das Reiseleiterteam bei ihren Vorbereitungen für den Besuch der nächsten ankommenden Gäste aus Wien zu beobachten. Die neuen Passagiere der "Schönbrunn" sollten mit den Bussen aus Wien kommen, die uns dann nach Hause bringen würden. Weit weniger Leute, als es auf der Talfahrt waren, denn ein Bus kam sogar leer hier an. Unter den Neuankommenden befand sich auch Herr D., ein ehemaliger DDSG- Direktor samt Gattin. Wenigstens hatte er die Zeit gefunden diese Reise mitzumachen, denn auf der Fahrt nach Budapest waren wir keine ehemaligen DDSG- Mitarbeiter aufgefallen. Oder ich habe keinen erkannt. Bei der Abfahrt wurde es wieder etwas hektisch. Leider hatte die Busse keine Bezeichnungen wohin sie fuhren, man musste sich also auf die Auskunft der Lenker verlassen. Die aber auch nicht genau Bescheid wussten, denn erst nach Befestigung von Schildern am Bug wusste man genau wohin es ging. Es gab zwei Auswahlmöglichkeiten: Zum Wiener Westbahnhof oder zur DDSG bei der Reichsbrücke. Nachdem man sich dann ein oder zwei Mal umgesetzt hatte, konnte es endlich losgehen. Als wir die ungarische Hauptstadt verließen zeigte das Thermometer schlappe 34 Grad. Unser Buslenker schien nicht an Sprechdurchfall zu leiden, er stellte sich nur vor, dann war Funkstille. Immerhin schaukelte er uns nur mit einer Pause von 15 Minuten (Pinkel & Zigaretten) zur DDSG- Station bei der Reichsbrücke. Noch dazu um knapp eine halbe Stunde zu früh, alle Achtung. Auch hier fiel das Fehlen eines WC unangenehm auf. Wien die Weltstadt mit Herz präsentiert sich in dieser Sache in einem erbärmlichen Zustand. Traurig aber wahr.

                                                           

 

Bilanz der Reise

Eine tolle Fahrt dank der unermüdlichen Reiseleitung die sich wirklich um jeden einzelnen Gast bemühten. Die Route wurde hervorragend programmiert, Hotels usw. gut gewählt, für Spektakel gesorgt. Sie wurden niemals müde auch die merkwürdigsten Fragen freundlich, höflich und kompetent zu beantworten. Eben Aushängeschilder ihrer Firma.

Vielen Dank an das Catering. Was die auf den Tisch stellten war einmalig. Da wurde jede Speise zelebriert, zu einer Köstlichkeit geadelt. Stets freundlich an der Bar, obwohl viele Arbeitsstunden noch anstanden, die man sich aber in keiner Weise anmerken ließ. Trotzdem man fast Tag und Nacht im Einsatz war, lief alles im kulinarischen Bereich bestens.

Besonderer Dank ergeht an die Mannschaft. Beide Kapitäne ergänzten sich hervorragend, wobei Chefkapitän R. sich nicht zuschade war auch im Hintergrund zu wirken, um so zum Gelingen der Reise beizutragen. Ein eingespieltes Team. Hervorragend auch der Herr Zahlmeister, passionierter Pfeifenraucher und einer der Kapitäne der Fähre Ottensheim. Besonders angenehm seine Durchsagen die sogar in Englisch erfolgten. Vom "Koarl" den I. Steuermann bis zum II., sowie Bootsmann, Matrosen usw. merkte man, dass es sich um ein eingespieltes Team handelte. Liebe Crew der "Schönbrunn", auch ihr habt euren Teil dazu beigetragen, dass man von einem gelungenen und unvergesslichen Ausflug sprechen kann. Wobei man so sparsam mit dem Treibstoff umging, dass man im Ausland nicht Gasöl fassen musste. Ein Umstand, der unbedingt noch zu erwähnen ist. Liebe Mannschaft wir geloben auch nicht ohne eure Genehmigung an Bord zu gehen um dort sicherlich nichts mehr "einzutretten". Versprochen.  

                                         

 

 

 

                                Schönbrunn 2013

                Frühlingsausflug ins Obere Donautal

                                                                                                             

 

Auch im 101.- Jahr ihres Bestehens dampft die "Schönbrunn" weiterhin auf der Doanu auf und ab. Nach den Festivalitäten im Vorjahr zum "Hunderter" und der damit verbundenen wohl nicht mehr zu toppenden unvergesslichen Budapest - Reise, lässt man es heuer etwas ruhiger angehen. Ihre erste Reise 2013 führte ins Obere Donautal bis hinauf zur "Schlögener Schlinge". Einer der wohl reizvollsten Donaulandschaften.

Diesmal war alles sehr gut organisiert und wir, die "Online" gebucht hatten wurden gleich beim Betreten des Schiffs, vom Maschinenchef Ing. H. sowie der Crew freundlich begrüßt. Ringsherum nur strahlende Gesichter, als wir die Fahrkarten überreicht bekamen. Es schien so als würde sich jeder darüber freuen, dass es endlich wieder losging. Der Besuch hätte ruhig etwas besser sein können, er war überschaubar. Im Salon am Achterdeck feierte ein bekannter oberösterreichischer Holzhändler seinen Geburtstag, wobei der dafür aufgebotene musikalische Alleinunterhalter für gute Stimmung sorgte. Wie auch die Mannschaft selbst etwas zu feiern hatte. Ihr langjähriger Steuermann Herr Karl hatte den langen Winter dazu genutzt um das Kapitänspatent abzulegen. Eine tolle Leistung die jetzt auch hier ihre Berücksichtigung fand, indem er allfällige Manöver persönlich durchzuführen hatte. Natürlich vorerst noch unter den wachsamen Augen des I. Kapitäns, der allgegenwärtig war. Apropos Kapitän: So mitteilsam, freundlich und locker hatte man ihn bisher noch nie kennengelernt. Er plauderte mit spitzfündigem Humor einfach drauflos und was das Wichtigste daran war, er klang authentisch sowie immer total ehrlich. Kostprobe gefällig? "Früher auf den Passagierschiffen der DDSG war alles anders. Damals war man noch jung und sah in der Paradeuniform sehr gut aus. Dabei kam es natürlich auch zum Kontakt mit dem weiblichen Geschlecht, das ja schon immer auf uns "Feschaks" in unseren schmucken Uniformen stand. Natürlich entwickelte sich bei einem netten Gespräch auch oft mehr. Und heute?", blickt der Herr Kapitän etwas wehmütig in die Runde. "Heute werde ich zwar noch immer von jungen Damen angesprochen, die aber leider nur eines von mir wissen wollen- bitte, wo ist denn hier das WC?" Wobei er nach dem allgemeinen Gelächter, das jetzt aufbraust, noch hinzufügt: "Dabei habe ich eh schon so viele Schilder aufgestellt, die darauf hinweisen"...

                                         

Eine lustige Boje auf der Uhrfahrer - Seite. Kabinenschiffe haben bei der Linzer Lände angelegt. Hier sieht man den gewaltigen Unterschied zwischen Schiffskörper und Mensch.

Sehr gut fanden wir auch, dass sich unter der Mannschaft zwei junge Leute befanden, die wir bisher noch nicht gesehen hatten. Es gab also doch noch so etwas wie Nachwuchs unter den Schiffsleuten, was durchaus als sehr erfreuliche Komponente zu werten war. Sonst war der "harte Kern" der Mannschaft wieder mit von der Partie. Unter ihnen auch das Original "Rauchi". Der lange und harte Winter hatte schon der "alten Dame" zugesetzt, dass man nur, witterungsmäßig bedingt, die wichtigsten Ausbesserungsarbeiten durchführen konnte. Dabei hatte wahrscheinlich auch die kleine Seilwinde zum Umlegen des Kamins Schaden genommen. Auf jeden Fall funktionierte sie nicht mehr, sodas der "Schornstein" händisch mit der dicken Hanfleine hinuntergezogen werden musste. Wozu "Rauchi" immer einen zweiten Mann zu Hilfe holte. Aber auch der Herr Chefkapitän stellte sich dafür freiwillig zu Verfügung. Sein launiger Kommentar dazu: "Damals als DDSG - Kapitän habe ich angeschafft und alle mussten spuren. Heute, bei unserem gemeinnützigen Verein geht das nicht mehr. Wenn ich da etwas anschaffe kann es schon vorkommen, dass ich als Antwort ...mach es doch selber... zu hören bekomme". Dröhnendes Gelächter in der Runde. Immer wenn der Kamin umgelegt werden musste, auch mithilfe des Bootsmanns, ein Schrank von einem Mann, erinnerte ich mich an ein persönliches Erlebnis aus alten DDSG- Zeiten. Als damals auf dem Dampfschiff "SAMSON", einem "Zweikaminer" vom dortigen Bootsmann Josef "Pepi" F. die Kaminkette mit nur einer Hand fast spielerisch hinuntergezogen wurde. Man überlegte es sich danach schon sehr gut der "Mutter des Schiffes" mit der Figur und Kraft eines Preisboxers jemals zu widersprechen.

                                                

    Beim Kaminumlegen half man sich gegenseitig, wie auch bei anderen Arbeiten. Der Bootsmann lässt in Linz das Landseil aus und gibt somit die Richtung vor.

Bei herrlichem Vorsommerwetter begann dann eine tolle Fahrt. Der frischgebackene Kapitän machte seine Aufgabe ausgezeichnet, bei den Schleuseneinfahrten war fast kein Anfahrruck zu spüren. Was auch der Verdienst der neuen Steuerleute war, die sich Streckenweise am Ruder ablösten. Da ja jetzt der etatmäßige Steuermann Karl als Schiffsführer agierte, mussten nun der Bootsmann, ein Neuling sowie der rührige Herr Doktor ran. Sie machten alle einen guten Job. Auffällig daran war nur, dass sich der sonst urgemütliche, pfeifenrauchende Arzt mit gewöhnlichen Zigaretten zufrieden gab.

                                        

    Der 1. Kapitän hatte alles im Griff und unterstützte seinen neuen Schiffsführer nach besten Wissen und Gewissen, da konnte der Kamin auch noch so rauchen.

In Aschach, das um ca. 13.30 erreicht wurde, stiegen nicht viele Leute aus. Der Großteil der Pasasagiere zog es vor bis nach "Schlögen" zu fahren, womit sie zweifellos Recht hatten. Die herrliche Flusslandschaft zog fast malerisch vorüber, das rhythmische Stampfen der Maschinen trug dazu bei, dass man so richtig "Relaxen" konnte. Am "Schlögener- Ponton" ließ der Kapitän von seinem frisch gebackenen Schiffsführer ein schwieriges Manöver durchführen. Man wollte, ohne fest anzulegen, am Ponton zufahren um einem Besatzungsmitglied das Aussteigen zu ermöglichen. Dieser sollte an Land zu Werbungszwecken Fahrpläne der "Schönbrunn" hinterlegen. Ein Manöver, das erst nach einigen vergeblichen Versuchen gelang und das der Kapitän mit den launigen Worten: "Na ja, der sich dort befindliche Anlegeponton steht ja noch nicht lange da", kommentierte. Allerdings, es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, dazu gehört sehr viel Routine. Trotzdem imponierte schon wie Herr Josef seinem ehemaligen Steuermann dabei unterstütze, ohne jedoch selbst Hand anzulegen. Alle Achtung. Lernen kann man nur, wenn man es selbst macht.

                                             

      Aschach ist erreicht und das Anlegemanöver wird vom frisch gebackenen Kapitän durchgeführt. Einen guten Job machte der Herr Doktor sowie der Nachwuchs.

Auf der Talfahrt kam es zu Zeitverzögerungen, die aber nicht im Bordbereich lagen. Die Verzögerungen waren den endlos langen Schleusenzeiten geschuldet, für die man wirklich nichts konnte. Welches den Passagieren auch nicht viel ausmachte. Leider befanden sich nur ganz wenige ehemalige Schifffahrtstreibende an Bord. In der Hauptsache bestand das Publikum aus Eisenbahnerfreunden sowie Familien mit Kleinkindern. Wobei einige der Leute schon im Vorjahr mit dem alten Dampschiff unterwegs gewesen waren oder man sie von der Budapest - Reise her kannte. Trotzdem schade, dass das Groß der ehemaligen DDSG - Mitarbeiter so gar nichts mehr von der Schifffahrt wissen will.   

                                      

      Schlögen in Sicht, mit der kleinen Rollfähre die Radler von einem Ufer zum anderen bringt. Weiterhin sehr wenig Schiffsverkehr auf der Donau. Den ganzen Tag über begegneten wir 4! Schiffe

Linz - Urfahr erreichte man mit einer Verspätung von etwa einer Stunde, wo der Jahrmarkt schon voll in Betrieb war. Menschenmassen schleppten sich über die Brücke um den Markt zu besuchen.Man konnte durchaus auch nach der Schiffsfahrt noch einen Besuch dort in Erwägung ziehen. Beim Abschied stach wiederum die Freundlichkeit ins Auge, mit der die Passagiere von den Besatzungsmitgliedern verabschiedet wurden. Mit einem lauten "Vielen Dank, dass sie mit uns gefahren sind", wurde fast jeder Fahrgast persönlich angesprochen. Vielen Dank auch Herr Kapitän für die schöne Fahrt. So macht Schifffahrt Spaß. Grüße auch an ihre tolle Mannschaft, wir kommen sicherlich wieder...

                                      

        Der Urfahraner- Markt ist wieder da. Auf Wiedersehen bei der nächsten Reise, wir kommen gerne wieder. Noch immer aan der Mastbaum - Spitze- die legendäre DDSG - Reedereiflagge

                                                               

 

 

 

 

 

                        Schifffahrt nach Devin (Theben)

 

                                                   

       Kurz nach der Abfahrt nach der Reichsbrücke grüßen stromabwärts bei der Pagode die neu adaptierten ehemaligen Donauschiffe "ARTHUR KASPAR" und "FREDRIK MISTRAL".

In der Saison 2011 wurde zum ersten Mal nach dem Fall des Eisernen Vorhangs von der österreichischen Donauschifffahrt die Station Devin (Theben) bei der Marchmündung angelaufen. Eine Gelegenheit die wir uns natürlich nicht entgehen lassen konnten. Hatte ich doch als ehemaliger Donauschiffer die damalige Zeit hautnah auf den DDSG- Schiffen miterlebt. So fuhren wir an einem strahlenden Junimorgen um 08.30 Uhr mit dem Flagschiff der Nachfolgereederei der DDSG zu Tal. Die Fahrt der MS "Tegetthoff" führte von Wien- Reichsbrücke nach Bratislava, mit Zwischenstationen in Hainburg und Devin. Wir strahlten mit der Sonne um die Wette, als der Bug des gut besuchten Ausflugsschiffes stromabwärts zeigte. Unter der fachkundigen Führung der Schiffsbesatzung erreichten wir Devin um dort über den etwas altersschwachen Anlegponton an Land zu gehen. Gleich bei unserer Ankunft war die Ortserneuerung deutlich sichtbar. Ganze Häuserzeilen waren neu gebaut und sogar ein echter "Leuchtturm" wachte über die Gegend. Apropos wachen- nichts war hier mehr vom ehemaligen Stacheldraht und den Postenhäuschen zu sehen, die in den 1960- Jahren das Uferbild beherrschten. Kein Mensch fragte dich nach deinem Reisepaß oder sonstigem Ausweis. Auf der Straße der March entlang, stand als einziges Relikt hochaufgerichtet ein großes Kreuz. Als Mahnmahl an die Zeit, in der die damaligen Bürger der CSSR für die Flucht nach Österreich ihr Leben aufs Spiel setzen.

Doch an diese Zeit erinnert hier an der Donau fast gar nichts mehr. Die Einheimischen kommen per Schiff von Bratislava hierher um die Burgruine zu besichtigen. Die Burg, die ja noch immer majestätisch am Felsen prangt, war auch unser erstes Ziel. Leider vergeblich. Aus Gründen, die uns niemand genau erklären konnte, blieb uns der Besuch versagt. Aber nicht nur wir, sondern auch alle anderen Interessenten standen vor verschlossenen Türen, Was natürlich sehr schade war. Aber wir konnten uns mit dem Besuch des Vorplatzes trösten, wo sich auch ein neuerbautes Hotel befand. Auf dem großen Platz befanden sich zahlreiche Imbissbuden sowie verschiedene andere Lokale. Man konnte unter "Hot Dogs" oder Slowakischen Spezialitäten wählen. Dazu kamen noch die Stände, wo man den berühmten Ribiselwein verkosten konnte. Außerdem fand da gerade eine Auto-Oldtimer-Show statt, die auch sehr interessant war.

                                                  

             Vorbei an der neuen Orther- Fähre, an entgegenkommenden Schubkoppelverbänden, tauchte Theben an der Marchmündung nach einer Flussbiegung auf.

Gegessen wurde in einem Gasthaus, rechts, etwas weiter hinter der Anlegstelle. Ein sehr gemütliches Lokal mit einem großen Gastgarten mit Bedienung, die Deutsch sprach. Es befand sich an dem sehr frequentierten Radweg der nach Bratislava bzw. Hainburg führte. In der reichhaltigen Speisekarte waren alle Speisen auch auf Deutsch übersetzt. Die Gerichte schmeckten ausgezeichnet, die Preise waren moderat. Es gab sogar ein billiges Menü, welches vor allen von den Einheimischen gern genommen wurde. Die Zeit verging wie im Flug, als das Schiff knapp vor 16.00 Uhr wieder in Devin anlegte..

                                                  

                                           Allgegenwärtig zwischen neu gebauten Häusern der "Leuchtturm" sowie die Ruine Devin.

Bei der Heimreise spielte gegen die Langeweile Alleinunterhalter "Frederik" auf. Ein ausgezeichneter Entertainer, der auch einen guten "Schmäh" besaß. Und das, obwohl er eigentlich aus Oberösterreich stammte. Vorerst schien aber im unteren Speisesaal keine richtige Stimmung aufzukommen, da man anscheinend viel zu müde zum Tanzen war. Doch dann bewies der Herr Kapitän wieder einmal was wirklich einen guten Schiffsführer ausmachte. Nicht nur, dass er Schiff und Besatzung voll im Griff hatte, wagte er sich auch als Erster aufs Tanzparkett. So legte er, als waschechter Steirer, mit den weiblichen Passagieren so manche kesse Sohle hin. Was nun wiederum andere Passagiere dazu ermutigte es ihm gleichzutun. Er war ein richtiger Sir, einer, der dem Kapitänsstand wirklich alle Ehre machte. Eben das, was schon sein Name aussagte. Aber auch die übrigen Besatzungsmitglieder waren Aushängeschilder ihrer Reederei. Der II. Kapitän ein junger "Feinspitz", kompetent in seiner Arbeit sowie bei der Auskunftserteilung. Der Bootsmann von solcher Freundlichkeit wie wir es noch auf keinem anderen Schiff erlebt hatten. Auch der Schiffsjunge verrichtete ruhig und unauffällig seine Arbeit. Fiel aber mit seinem roten Leiberl mit der Aufschrift "Crew" gegenüber den anderen Bordmitgliedern etwas ab. Man hätte ihm ruhig auch ein blütenweißes Hemd geben können, wie die übrigen Bordleuten auch. Nur eben ohne Schulterklappen...

                                                   

         Nach dem Blick auf das schöne Panorama von Ruine und Donau, findet man am Weg entlang einige Mahnmale aus schwerer Zeit. Nach dem Mittagessen in einem ausgezeichneten Restaurant nimmt die "Tegetthoff" wieder Kurs auf Devin.

Ein großes Lob auch an die vielen dienstbaren Geister der Restauration. Das Essen war ausgezeichnet, preiswert und wurde immer mit lachendem Gesicht serviert. Das muss man bei dem ganzen Stress einmal hinbekommen. Alle Achtung. Besonders das reichhaltige Süßwarenangebot konnte sich sehen lassen.

Auf jeden Fall war es eine tolle Fahrt die wir nicht so schnell vergessen werden. Umsorgt von den ungemein sympathischen Besatzungsmitgliedern, bewirtet von der Restaurationscrew und einem, vor Freundlichkeit sowie vor Kompetenz strotzenden Kapitän, wollten wir gar nicht mehr von Bord gehen. So meinte ich noch scherzhaft zu der lebenden DDSG-Legende, als wir etwas früher als vorgesehen bei unserem Ausgangspunkt ankamen: "Wir warten jetzt noch die 10 Minuten bis zur angegebenen Ankunft lt. Fahrplan, am Schiff ab. Schließlich haben wir ja bis 21.00 Uhr bezahlt"...

                                                                  

     Schiffe wie der "City Liner", eine schnelle Verbindung von Wien nach Bratislava, moderne Schubkoppelverbände oder große, moderne Kabinenschiffe sind heute auf der Donau unterwegs.

 

 

                           Fahrt nach Dürnstein mit MFS "Tegetthoff"

 

                                        

            Während das Ausflugschiff auf Abfahrt wartet, gibt es bei der Reichsbrücke regen Schiffsverkehr bzw. haben dort auch große Kabinenschiffe angelegt.

Auch dieses Jahr machten wir unseren obligaten Sonntag- Ausflug in den Wachau - Ort Dürnstein. Leider hatten wir bei der Abfahrt schlechtes Wetter erwischt, das sich aber im Verlauf der Reise ändern sollte. Auf jeden Fall goss es bis zur Schleuse Greifenstein wie aus Kübeln. Was aber der guten Stimmung keinerlei Abbruch tat. Dazu trug auch die urige Besatzung bei, die dieselbe vom Vorjahr war. Nur einen neuen Schiffsjungen gab es. II. Kapitän Matthias und Bootsmann Franz hatten die "Tegetthoff" fest im Griff. Es sollte auch das letzte Jahr für den Donauoldie Raimund sein, der im Herbst in Pension gehen würde, So zeigte sich auf dieser Fahrt auch Kpt. "Mundl" schlagfertig und äußerst humorvoll. Als sich eine ältere Dame über den Regen beschwerte, meinte er völlig ernst darauf: "Machen sie sich keine Sorgen. Ich regle das schon mit dem Wetter. Wir haben hier im Ruderstand so einen Schalter, mit dem man schönes Wetter machen kann. Sie werden sehen in Dürnstein scheint schon wieder die Sonne". Aber auch sonst war der Herr Kapitän für einen weiteren "Gag" gut. Als er am Kapitänstisch sein Frühstück einnahm, lehnte sich eine auch nicht mehr junge Dame ganz nahe zu ihm hin um sich zu erkundigen: "Herr Kapitän wer steuert denn jetzt das Schiff wenn sie da herunten sind?" Worauf "Mundl" aufstand, sie noch näher heranwinkte um ihr mit vorerst noch ernstem Gesicht mitzuteilen: "Das ist mir so was von egal!"

                                                                       

                           "Kaiserin Elisabeth II" beim Wendemanöver in Wien - Nußdorf. Schiffsbegegnung vor der Schleuse Greifenstein.

Der erste Halt erfolgte in Tulln, wo einige Passagiere von Bord gingen. Auffallend dabei das gute Zusammenspiel der Mannschaft bei den Manövern, alles klappte wie am Schnürchen. Es war eine Freude ihnen dabei zuzusehen wie sie alles "managten". Unter den zahlreichen Passagieren befanden sich auffallend viele russische Jugendliche, meistens blutjunge Mädchen, die alle auf ein Foto beim Steuerrad drängten. Natürlich wurde dieser Wunsch sehr gerne erfüllt. Man konnte auch gut erkennen, dass hier eine ganz neue Generation heranwächst. Eine Generation, die mit den alten Sowjetbürgern wohl nichts mehr gemeinsam hat.

Auch die Inneneinrichtung der "Tegetthoff" war im Winter einem "Facelifting" unterzogen worden. So wurden die Speisesäle auf beiden Decks renoviert und in eine neue, moderne Form gebracht. Machte wirklich alles einen ausgezeichneten, gepflegten, gemütlichen Eindruck. Das Tollste daran waren aber die Monitore, die überall über den Tischen angebracht waren. Die so genannten "Highscreens" lieferten gestochen scharfe Bilder. Eine gute Idee, die überall recht gut ankam. Genau so wie das wieselflinke Team des Restaurants, das ohne lange Wartezeit Speisen und Getränke servierte, die hervorragend mundeten. Großes Kompliment für Herrn Loos & Co.

                                                           

                    Große Kabinenschiffe beherrschen die Donau, bei den Frachtschiffen hat die Schubschifffahrt durchgesetzt. Ein Fachgespräch zwischen der Besatzung

       

Nach dem nächsten Stopp in Krems erreichte man pünktlich um 14.30  Dürnstein, wo man sich zwei Stunden die Füße vertreten konnte. Was natürlich auch von allen in Anspruch genommen wurde. Während sich das Schiff auf den Rossatzer- Ponton stellte, marschierten wir die einzige Straße des Ortes  mehrmals auf und ab. Dort herrschte reges Treiben und alles stand unter dem großen Motto "Alles Marille". Von Marillen- Schnaps, Likör, Wein, bis hin über Seife, Saft, Haarshampoon reichte die Palette. Nur das Wichtigste fehlte - die weltberühmten Wachauer -Marillen im Originalzustand. Sie konnte man leider nicht käuflich erwerben. Es wurden einfach keine angeboten...

                                                       

     Nach der neu adaptierten Schiffsanlagestelle in Krems erreichte man Dürnstein, wo auch die "Stadt Wien" stand. Während die "Tegetthoff" am Ponton in Rossatz ihre Pause hielt, wurde Dürnstein erkundet.

Zu der angegebenen Abfahrtszeit ging es wieder, nach zweimaligen Anlegemanöver in Krems und Tulln, zurück nach Wien. Mit vergnügten Reisenden an Bord und einer Mannschaft, die wirklich ein Aushängeschild ihrer Firma war. Immer kompetent, nett und sehr freundlich. Der Nachfolger des Kapitäns wird es nächste Saison sehr sehr schwer haben. "Mundl" K. und sein "Teggerl" gehören einfach zusammen. Der jetzt bald Jungpensionist kennt Gott und die Welt, kommt bei den Fahrgästen hervorragend an um auch private Kontakte zu knüpfen. So bedankte sich auch zum Abschied die Dame, die sich noch bei der Abfahrt über das Wetter beschwert hatte. "Vielen Dank, dass sie den richtigen Schalter gedrückt haben. So ist es doch noch schön geworden"...

                                                     

                                                                     Die "Tegetthoff" und ihre unschlagbare Crew.    

 

 

                            Ein "Sir" salutiert ab!

                                                                               

                                                       "Ich habe den schönsten Beruf der Welt"

                                                                                                                     

 Diese Aussage machte einer der letzten gestandenen Kapitäne auf der Donau und man konnte ihm schwer widersprechen. Wenn man solange wie Raimund KÖNIG am blauen Fluss unterwegs war, traf dies völlig zu. In den 1970- er Jahren hatte er als einfacher Matrose bei der I. Donau- Dampfschifffahrts - Gesellschaft begonnen. In einer Zeit wo diese österreichische Reederei mit ihren "Weißen" und "Schwarzen" Schiffen  dominierend war. Als Schlepplotse über den Steuermann waren seine weiteren beruflichen Stationen bis hin zum Kapitän. Er befuhr die blaue Donau viele Jahre von der Quelle bis zur Mündung, war in Regensburg sowie in Russland. Hatte Vieles erlebt, Gutes aber auch weniger Gutes. Zu seinen schönsten Erinnerungen gehörten sicherlich, dass er fremde Länder und zahlreiche Personen kennenlernen durfte. Wo das Zusammengehörigkeitsgefühl sowie der einzigartige Zusammenhalt innerhalb der großen DDSG - Familie beispielhaft war. Aber auch den Zusammenbruch der weltweit berühmten österreichischen Schifffahrtsgesellschaft, mit dem wohl niemand gerechnet hatte. Eine Katastrophe für die kompetente und stets fleißige DDSG - Mitarbeiterschaft. "Mundl" zählte auch zu den wenigen, die von der "Blue Danube GmbH", als Nachfolgegesellschaft übernommen wurde.

Nach einiger Zeit bekam er das Flaggschiff "Admiral Tegetthoff", das in weiterer Folge zu seiner zweiten Heimat werden sollte. Hier fühlte er sich wohl, hier war er in seinem Element. Ganz besonders bei den Sonderfahrten, die an den Wochenenden nach Bratislava bzw. Dürnstein führten. Mit seiner stattlichen Erscheinung, weißer Haarpracht und weißem Vollbart wurde er in seiner schmucken Uniform das neue Aushängeschild der neuen österreichischen Reederei. Obwohl er ja schon lange in Wien seine Zelte aufgeschlagen hatte, konnte und wollte er seine steirischen Wurzeln nicht verleugnen. Wie man auch deutlich aus seiner Aussprache hören konnte, war er stolz darauf ein echter "Steirer" zu sein. Was dadurch noch unterstrichen wurde, dass er sich vom Bordmusiker jedes Mal seinen persönlichen Liederwunsch "Großvater" spielen. Dazu schwang er auch eifrig mit den Passagieren das Tanzbein, was immer total gut ankam.

In der Saison wird die MS "Admiral Tegetthoff", von ihm selbst nur zärtlich "Tegerl" genannt, mit einem anderen Kapitän unterwegs sein. Dieser wird versuchen in "Mundis" Fußstapfen zu treten, was sicherlich nicht einfach werden wird. Denn mit Kapitän König tritt ein Mann in den Ruhestand, der zu den Säulen der untergegangenen DDSG zu zählte. Mit ihm wird ein weiteres Original auf der Donau verschwinden. Es wird nicht leicht sein ihn zu ersetzen, obwohl schon öfters die Frage "Wann geht der "Alte" endlich in Pension?", gestellt wurde. Darüber kann der "Donauoldy" nur schmunzeln. Weiß er doch, dass sein Sohn den Namen König auf der Donau weitertragen wird.  Ein Name, der für Fairness, soziale Gerechtigkeit, Herzlichkeit sowie Humor und Menschlichkeit steht.

Wir wünschen Kapitän Raimund König noch viele Jahre in der Pension. Er wird uns fehlen.

                                     

                                                          

 

 

 

                Mit der MS "Freudenau" von Regensburg nach Bach/Donau

 

                                                                 

 

                                            "Als wir jüngst in Regensburg waren, sind wir über den Strudel gefahren".

 

                                                              

                                                            So bietet sich Regensburg dem betreffenden Besucher dar

                                                

So beginnt das alte Volkslied, welches eine der Sehenswürdigkeiten der deutschen Stadt Regensburg beschreibt. Natürlich ließen wir uns diese Gelegenheit nicht entgehen, doch noch war es nicht so weit. Als wir per Bahn von Wien anreisten hatten wir es zum Ziel gesetzt mit dem Schiff "FREUDENAU" des Donau- Schifffahrts- Museums Regensburg, eine kleine Tagestour zu unternehmen. Es war dies der Auftakt zur heurigen Schiffssaison und so wurde diese Fahrt von Regensburg nach Bach/Donau, in zwei Etappen durchgeführt. Die erste Abfahrt fand bereits um 10.00 Uhr statt, die zweite war für 14.00 Uhr angesetzt. Für nachmittags hatten auch wir uns schriftlich angemeldet. Da diese Fahrt vom Ponton "WILLI" aus erfolgen sollte, musste diese Ablege- Stelle erst einmal gesucht werden. Was wir auch gleich in Angriff nahmen. Nicht aber vorher die weltberühmten Bratwürstel aus der "WURSTKUCHL" zu verkosten, wo wie immer starkes Gedränge herrschte. Kaum hatte sich ein Gast von der Bank erhoben, war sein Platz auch schon wieder von einem anderen besetzt. Trotzdem wurden wir rasch und zuvorkommend bedient.

Wir brauchten dann auch nicht mehr lange vor dem Anleger "WILLI" zu warten, als bereits das ehemalige DDSG- Zugschiff auftauchte. Ganz leise und vorsichtig schob sich der wuchtige Schiffskörper an den kleinen Ponton heran. Nur zeitweise unterbrochen vom Zischen und Schnaufen des Maschinentelegraphen. Am Kommando, an der Steuerbordseite, waren Girlanden und mittendrin die Ziffer "75" angebracht. 75 Jahre ist die "Freudenau"? Das konnte doch nicht stimmen. Sofort begann ich nachzurechnen: Das Schiff war 1941 von der Schiffswerft Linz als Zugschiff für die DDSG erbaut und am 30. Mai 1942 in Dienst gestellt worden. Also konnte es das Alter des Museumschiffes nicht sein. Erst später, als wir dann den Kapitän Josef "Pepi" B. auf dem Schiff trafen, konnte das Rätsel gelöst werden. Seine Brut hatte dem langjährigen Schiffsführer zu seinem 75- jährigen Geburtstag diese Fahrt auf "seinem" Schiff geschenkt. Die rührige Schiffsmannschaft hatte ihr Übriges dazu beigesteuert. Sie hatten mit dieser Aktion dem alten Binnenschiffer und einstiger Säule der DDSG, so ihre Ehre erwiesen. Es war "Pepi" deutlich anzusehen wie sehr er sich über dieses Geschenk freute. Leider hatten wir nicht viel Zeit mit Familie B. zu konferieren, sie stiegen aus, wir ein.

                                                    

                                        Langsam taucht die "FREUDENAU" beim Anleger auf. Oben grüßt stolz die Ziffer "75". Pepi B. weiß, auch heute gibt es auf dem Schiff noch viel zu tun.

Das erste, was uns angenehm ins Auge fiel war der hervorragende Zustand des Schiffes. Es war alles frisch gestrichen, Anker- Schleppseilwinde und Verdeck glänzten vor Sauberkeit. Sogar der Rand der Bordwand glänzte im hellsten Weiß. Eigentlich war ja dieser weiße Signalrand, der sich beidseitig von Bug bis Heck entlang zog, ja meine Erfindung. In meiner Bootsmannszeit bei der DDSG hatte ich ja als Erster damit begonnen das Zugschiff "KORNEUBURG" mit einen solchen Signalstreifen zu versehen. Der dann auch auf den anderen Schiffen beibehalten wurde. Einige Sachen erinnern halt noch immer an die schon längst untergegangene DDSG. So wie auch die fast fabrikneue DDSG - Flagge, die stolz vom Mastbaum herübergrüßte.

Nachdem wir den Fahrpreis (je 15 €) entrichtet hatten, blieben wir gleich vorne am Burg auf den Bänken sitzen, die dort neben geräumigen Tischen aufgestellt waren. Dabei wurden wir von einzelnen Mannschaftsmitgliedern herzlich begrüßt, was für uns ziemlich ungewöhnlich war. Denn auf der "SCHÖNBRUNN" hatte noch niemand so viel Aufhebens um unsere Person gemacht. Das war hier ganz anders und wir kamen mit vielen interessanten Leuten ins Gespräch. Als ich anklingen ließ, dass ich auf dem Schiff einst als Matrosenschüler und Zahlmeister- Lehrling unterwegs gewesen war, wurde ich spontan zur Besichtigung meiner ehemaligen Kabine eingeladen. Aber auch einer der maßgeblichen Herrn des Vereins, Herr E. plauderte lange Zeit mit uns.

Im Fahrpreis war auch ein Gratisgetränk inkludiert, welches von uns auch gleich konsumiert wurde. Es gab auch die berühmten Bayerischen "WEISSWÜRSTE" zu verkosten, die wir uns aber nicht zu Gemüte führten. Denn eine "WEISSWURST" darf man nur essen, wenn sie noch nicht das 12.00 Uhr- Läuten gehört hat. Bayerisches Reinheitsgebot. Es war aber schon weit nach 14.00 Uhr. Wir labten uns lieber mit Kaffee und Kuchen, wobei letzterer wahrscheinlich schon oft das 12.00 Uhr- Läuten gehört hatte. Aber der Wille stand vor dem Werk. Schließlich musste ja alles gebacken und organisiert werden. Wobei auffiel, dass der Altersschnitt der jeweiligen weiblichen Vereinsmitglieder stark nach unten zeigte. Was wiederum bewies, dass auch hier von jungen Menschen keinerlei Interesse für die Schifffahrt bestand.

Die Fahrt bei strahlendem Sonnenschein war ein ganz persönliches Erlebnis für mich. In meiner aktiven Schifffahrtszeit war ich ja noch nie so weit Donauaufwärts gekommen und so konnte ich hier in aller Ruhe die schöne Landschaft genießen. Besonders die "WALHALLA" hatte es mir angetan. Ich wollte diese Ruhmeshalle unbedingt am nächsten Tag besuchen. Doch als mir meine Gattin leise zu verstehen gab (bist wahnsinnig?, 358 Stufen steigen), wurde dann doch auf eine kleine Hafenrundfahrt umgebucht. Auch das schmucke Örtchen BACH machte von der Wasserseite her gesehen, einen guten Eindruck. Leider gab es dort ja keinen Aufenthalt. Was noch ganz ideal war: Man hatte den Platz nach der Ankerwinde mit durchsichtigen Planen verhängt, die den ganzen kalten Fahrtwind abhielten.

                                                            

                                              Immer wieder ein Erlebnis, die "WALHALLA" und die reizvolle Landschaft

Auch der Maschinenraum war pikobello sauber. Die Maschinen arbeiteten ruhig, gleichmäßig, monoton. Wenn ich jetzt so in den Maschinenraum hinuntersah, musste ich an den damaligen I. Maschinen - Betriebsleiter (MBL) denken. Franz WALZER, ein kleiner drahtiger herzensguter Mann, der auch schon lange nicht mehr unter uns weilt. Seine Maschinisten sangen in ihrem jugendlichen Elan immer ein Lied, mit dem sie ihn schier zur Weißglut bringen konnten. Der Text lautete etwa so:

"Jeder Schas der mocht an Schnalzer - der größte Schas ist aber unser Chef -der Walzer".

Ja, damals war die "FREUDENAU" noch mit zwei Maschinen- Betriebsleiter sowie einem Motorenwärter besetzt. Heute versieht nur noch ein Mann Maschinendienst. Zur der derzeitigen Schiffscrew gehörten noch zwei Decksleute, einer davon ein Mädchen. Undenkbar in unserer Zeit, wo schon eine 60- jährige Köchin als Sensation galt. Den jüngeren Matrosen (oder Bootsmann) sah man am nächsten Tag auf den Schiffen der "KLINGER- Reederei im Einsatz.

                                                     

       

Mit vielen neuen Eindrücken erreichten wir nach ca. dreistündiger Fahrt unseren Ausgangspunkt, wo wir wieder von Bord gingen. Es war eine tolle Fahrt und wir werden sicher wiederkommen. Nur war ich ganz schön erschrocken, als ich der "Decksfrau" beim Anlegen zusah. Sie kämpfte doch tatsächlich mit den Drahtseilen. Und das auch noch ohne Seilhandschuhe. Ein Wahnsinn! Aus eigener Erfahrung weiß ich, was da alles passieren kann. Darum mein Aufruf: Bitte gebt dem Mädel rasch Seilhandschuhe...

                                                

        Einsam und verlassen, das ehemalige DDSG- Gebäude. Die "KRISTALLPRINZESSIN" lädt zu einer Fahrt ein. Auch der MBL hilft überall aus. Das ist der Beweis- die Decksfrau ohne Seilhandschuhe.

                                                                                    

 

 

 

 

Im Laufe der Jahre versuchte man die harten, aber auch die schönen Seiten der Schifffahrt den Außenstehenden näher zu bringen. Ein großes Thema war auch immer Weihnachten und Jahreswechsel am Strom und bei der großen Schifferfamilie. Nachfolgend sollen die beiden Reportagen stellvertretend für das Thema stehen, über das es sich doch so trefflich schreiben ließ. In den folgenden Originalberichten kann man genau vergleichen wie viel sich doch im Verlauf von Jahrzehnten bei Gesellschaft und Flotte geändert hat. Eines lässt sich aber bis heute nicht wegleugnen: Man war gerne Schiffmann und stolz darauf bei der größten österreichischen Donauschifffahrtsgesellschaft angestellt zu sein.

Der erste Bericht wurde von DDSG - Kpt. i. R Karl STÖTTBACHER verfasst und erschien im Jänner 1968 in der Folge 2 des "Donau - Kurier" unter dem Titel

                                                    Jahreswende in der "Stadt am Strom"

                        Erinnerungen an das letzte Weihnachtsfest und an Silvester vor dem ersten Weltkrieg

"Was glaubst du, erreichen wir am Heiligen Abend Wien?" So fragte am 23. Dezember 1913 der Kommandant des Zugschiffes "ALMAS", Kapitän P. Franz, seinen Lotsen, den "Lerch" - Seppl. DB "ALMAS" befand sich mit zwei beladenen Güterbooten im Anhang auf der Reise nach Wien und näherte sich in den Abendstunden Preßburg. Eine Weiterfahrt von Preßburg in den Nachtstunden wäre wegen Niederwasser zu riskant gewesen. Also übernachteten wir in Preßburg mit dem Vorhaben, am 24. Dezember zeitig früh die Reise fortzusetzen. In 15 Stunden wären wir in Wien gewesen, ja, wenn nicht um Mitternacht Nebel eingefallen wäre, es nicht zu schneien begonnen hätte und die Temperatur nicht stark unter Null gefallen wäre! Es wurde Mittag, ehe wir weiterfahren konnten. Der Schnee fiel immer dichter, die Sicht wurde immer schlechter und schließlich mussten wir gegenüber Theben am rechten Ufer vor Anker gehen.

Viele von der 18-köpfigen Besatzung waren verheiratet und so dachte ich - da es meine erste Weihnacht auf dem Schiff war -, dass nun eine traurige Stimmung aufkommen würde. Überrascht musste ich aber sehen, dass eine ungewohnte Geschäftigkeit begann. Ein kleines Christbäumchen tauchte auf, die Tische in der Offiziers- und in der Mannschaftsmesse wurden festlich gedeckt, die Köchin stellte ein extra gutes Abendessen her, ein Heizer probte auf seiner Ziehharmonika. Sogar Geschenkpackerln wurden hervorgeholt, die sich allerdings nachträglich zumeist als gelungene Juxpackerln entpuppten. So bekam der Kommandant ein Tauende, der Maschinenbetriebsleiter ein faustgroßes Stück Kohle usw. Die Schleppsteuerleute sowie deren Frauen und die Matrosen der beiden Anhangfahrzeuge kamen auch nach vorn auf den Dampfer. Die Frauen brachten selbstgebackene Mohn- und Nussbeugel und andere Süßigkeiten mit. Serbischer Zwetschkenschnaps, ungarischer Wein, Rachat aus Rumänien, Rosenmarmelade aus Bulgarien sowie serbische Zigaretten und bosnischer Tabak wurden aufgewartet. Es wurde ein Heiliger Abend wie in einer großen Familie. Als er gegen Mitternacht "unheilig" zu werden begann, war es auch schon wieder so weit, an die Weiterfahrt zu denken. Der Kommandant und der Maschinenbetriebsleiter hatten das Wetter beobachtet und um Mitternacht, als es aufklarte, setzten wir unsere Reise fort.

Gegen Abend kamen wir zur Einfahrt in den Winterhafen Freudenau, 9km unterhalb Wien. Durch Zuruf vom Land erhielten wir den Auftrag unseren Anhang abzustellen und nach Wien- Praterkai weiterzufahren. Immer dichter trieben die Eisschollen daher. Im Raum Wien war schon "Eisalarm" für die Schifffahrt gegeben worden. Die Einräumungsarbeiten in den Winterhafen, die Bergung der Fahrzeuge vor Eisgefahr hatte bereits begonnen und wurde auch in der Nacht fortgesetzt. Durch sofortigen Einsatz unseres Dampfers in den Bergungsdienst konnten die in Wien wohnenden Besatzungsmitglieder nicht heimgehen, um Nachweihnacht zu feiern. Die Bergungsarbeiten bedeuteten damals für die Schiffsbesatzung eine der härtesten Arbeiten im Schiffsleben. Auf fast allen Schiffen und Güterbooten musste das Schiffsruder, die Anker- und Schleppseilwinde noch von Hand aus betätigt werden. Aber einen Schiffsmann kann nicht so bald etwas erschüttern. Nach zwei Tagen waren alle Fahrzeuge im Winterhafen Freudenau geborgen. Der Winterhafenbetrieb begann und hatte sich bis zum 31. Dezember eingespielt. das Hafenkapitänat amtierte auf einem Oberbauschlepp, in dem auch die Schiffskantine und die Messeräume untergebracht waren. Matrosen und Heizer waren auf dem Kasernschlepp untergebracht. Die Filialwerkstätte arbeitete schon auf Hochtouren, um Eisschäden zu beheben, der Betrieb funktionierte wie am Praterkai. Hafen- und Brandwache waren aufgezogen. Die ca. 50 Güter - und Tankboote sowie die 6 Zugdampfer bildeten eine Einheit. Zusammengeheftet und und überdies durch das Eisen zusammengefroren. Eine Einheit, eine Lebensgemeinschaft von Familien und Einzelpersonen, die das ganze Jahr über auf dem Strom meist nur aneinander vorüberfuhren. Des Schiffers Lebensraum ist das Güter- und Tankboot auf dem Strom. Hier im Winterhafen war in wenigen Tagen ein Dorf auf dem Wasser, eine Siedlung entstanden. Wie in jeder anderen Siedlung auch wurde dort geheiratet, Kinder kamen dort zur Welt und der Tod hielt seine Ernte. Es wurde in dieser Gemeinschaft aber auch gelacht, getanzt und auch Feste gefeiert.

Ein großes Fest stand jetzt vor der Tür. Der Abschied vom "Alten Jahr" und der Beginn eines neuen. Ein herrlicher Silvestermorgen mit nur wenigen Kältegraden brach an. Die Fahrzeuge wurden mit Flaggen geschmückt, die Verbindungswege vom Schnee gereinigt und gestreut. Es hatten sich viele Gäste angesagt, denn Silvester im Winterhafen und der nach Mitternacht stattfindende Neujahrsball auf dem Wasser waren weithin bekannt. Der Messeraum wurde festlich geschmückt und der Kantineur hatte reichlichen Vorrat eingekauft. Für Unterhaltungs- - und Tanzmusik hatte das Veranstaltungskomitee eine Salonkapelle engagiert. Solisten aus dem Kreis der Schiffer hatten sich gemeldet um echte Schiffermusik auf Geige und Ziehharmonika in echtem Schiffermilieu darzubieten. Es versprach ein heiterer Silvesterabend zu werden. Um 19.00 Uhr hielt der Hafenkapitän an die erschienenen Gäste, an die Schiffer und deren Frauen eine Ansprache. Dann wurde das Silvestermahl aufgetragen. Dies war zur damaligen Zeit so opulent, dass zwischen den einzelnen Gängen Verschnaufpausen eingeschaltet werden mussten. Die Musiker und Solisten sangen, von ihren Frauen begleitet, Lieder in fast allen an der Donau gesprochenen Sprachen. Auch humoristische Vorträge brachten Stimmung ins Schiffervolk. Nun, in Stimmung kamen die Schiffer ja bald und überraschend schnell ging das "Alte Jahr" zu Ende. Vor Mitternacht hielt noch einer der anwesenden Vertreter der Stadt Wien sowie der Pfarrer der Donaustadtkirche und der Direktor der DDSG eine Ansprache. Der Neujahrswunsch und das "Prosit Neujahr" waren dem Hafenkapitän vorbehalten. Dieser eröffnete anschließend mit der Gattin eines der prominenten Herrn den "Neujahrs- Schifferball" unter den Klängen des Donauwalzers. Die Gemütlichkeit und der Frohsinn steigerten sich immer mehr, das Tanzbein wurde geschwungen und so manchen schweren Kopf gab es danach am Neujahrstag. Aber nicht lange, denn der kalte Neujahrswind blies den Schädel schnell wieder klar. Ganz geheim hatte der Pfarrer unter Mithilfe des Hafenkapitäns in der Hafenkanzlei einen kleinen Altar aufgebaut. Um 11.00 Uhr wurde eine Messe zelebriert, an der nicht nur Schiffsleute teilnahmen. Auch zahlreiche Wiener, die einen Neujahrsausflug in den Winterhafen gemacht hatten. Anschließend gab es ein kurzes Blaskonzert. Das wirklich kurz ausfiel, da die Kälte nicht nur die Musiker sondern auch die Zuhörer in die gut geheizten Messeräume trieb. Der Nachmittag verlief mit den Wiener Gästen noch äußerst gemütlich. Leider mussten fast alle Gäste, die von weit her gekommen waren, den um 18.00 Uhr zur Reichsbrücke abgehenden Zug der Donauuferbahn benutzen. Dies war nämlich die letzte Möglichkeit mit einem Fahrzeug in die Stadt zu gelangen, um nicht in der starken Kälte 9 km zu Fuß marschieren zu müssen. So waren Schiffer- Silvester und Schiffer - Weihnacht auch schon wieder zu Ende.

                 

                                                                              

                                            Der Linzer Winterhafen vor dem ersten Weltkrieg. (Lichtbilder - Archiv der Stadt Linz)

 

Aber auch in der "Kronen Zeitung" vom 24. Dezember 1967 erschien eine Reportage über eine Bordweihnacht. Der bekannte Journalist und wirkliche Freund der Donau Ernst TROST schrieb über einen Schleppsteuermann, der wohl auf der ganzen Donau bekannt war. Auch ich hatte damals das Glück "Ferry- Bacsi" persönlich kennen zu lernen. Was bei der Reportage noch auffiel war der Umstand, dass damals noch DDSG Tank- und Warenboote mit Schleppsteuermann und Schleppmatrosen besetzt waren.

 

                                                                            DONAU - WEIHNACHT

Ein sanfter Stoß lässt den Christbaum erbeben und die Kerzenflammen in unruhige Zuckungen verfallen. Der bräunlichrote Wein in den Gläsern verschiebt seinen Spiegel und für einen Augenblick spürt man, dass die vorweggenommene Stille und Heilige Nacht festen Grund entbehrt. Wir sitzen in einer warmen, gemütlichen Stube mit Spitzendeckerln und allem, was so langläufig zur Gemütlichkeit dazugehört. Aber wir befinden uns auf dem Wasser - nicht auf hoher See, sondern bescheiden auf der etwas niedrigeren Donau. Und die unweihnachtliche Bewegung wurde von den Wellen eines auslaufenden russischen Schleppzuges veranlasst. Viele Menschen können den Weihnachtsabend nicht in einem warmen Hein verbringen. Sie hüten Tankstellen, Bahnhöfe, Postämter, Wachstuben oder Hochöfen. Man hat von ihnen immer wieder geschrieben, selten jedoch von den Familien, die den Heiligen Abend auf dem Wasser feiern.

"Mir habn ja scho a Wohnung", sagt Steuermann Ferencz KOZMA, "aber wir bleiben heuer doch zu Haus". Mit "zu Haus" meint Ferry - Bacsi, wie ihn seine Freunde an der Donau nennen, den Tankkahn 9761 der Donau Dampfschifffahrts - Gesellschaft. Er meint ebenfalls damit das Häuschen auf Deck mit dem qualmenden Schornstein, dem Hühnerstall vor der Tür, ein wenig Schnee auf den Planken und einer gesunden Mischung von Zigeunerromantik fahrenden Volks und biederem Familiensinn braver Bürger. Sein Kahn liegt bei der Reichsbrücke vertäut. Vor, neben und hinter ihm eine lange Reihe anderer Kähne. Über Weihnachten werden etwa 100 Schiffe die verschiedenen Wiener Liegeplätze besetzt halten. In vielen Wohnräumen werden Lichter leuchten und Familien um einen Christbaum geschart sein. "Weihnachten auf der Donau ist etwas Besonderes", sagt die Frau des Steuermanns Walter PÖSCHL aus Spitz, die mit ihrer Kleinen beim Ferry- Bacsi den Christbaum inspiziert. Auch Ferencz kann sich Weihnachten anders gar nicht vorstellen. 56 Jahre ist er alt und seit dem Krieg bei der DDSG. Geboren wurde er als Ungar in der Slowakei, wo er Untertan des ungarischen Königs Franz Joseph war. In der Volksschule wurde ihm Slowakisch eingebläut, weil das Dorf an der Donau zum neuen tschechoslowakischen Staat gekommen war. 1943 holte ihn dann die ungarische Armee, 1946 warb ihn die von den Sowjets kontrollierte DDSG an und heute ist er Österreicher - und ein echter Donaumensch. Ferrys Deutsch ist eine Art Ungarisch, das man als Österreicher jedoch mühelos versteht. Seine Weihnachtserinnerungen reichen vom Schwarzen Meer bis Regensburg. Er denkt an die eisige Nacht vor einigen Jahren in Komarom. Als der Eisstoß andere Kähne auf Kozmas Tanker zutrieb und die Ankerkette immer straffer wurde so als würde sie jeden Moment reißen. Dann erzählt er von Winterstürmen, die die Schiffe plötzlich mit einem Eispanzer umhüllten, der sie zu sprengen und zu versenken drohte. Von dem langen Winter unter der Kataraktenstrecke bei Eisernen Tor, wo Ferry- Bacsi einmal von Dezember bis Ende April im "Winterstand" war. Sein Schleppzug lag dort so lange fest, weil die Donau nicht befahrbar war.

Auch heuer müssen rund 60 österreichische Donauschiffer mit etwa 20 Familienangehörigen ihre Christbaumkerzen zwischen Rumänien  und Jugoslawien entzünden. Die "BREGENZ" mit sechs Tankkähnen hat im rumänischen Orsova Anker geworfen und die "KAMMEGG" mit neuen mit Erz und Kohle beladenen Güterkähnen im jugoslawischen Kladovo. Den Schleppzügen verwehrt das Eistreiben in der Kazanenge die Heimkehr. Wie lange sie da unten bleiben, hängt vom Thermometer ab. Ihr Weihnachtsfest wird sicher kärglicher und langweiliger sein als das all der Donauschiffer in den Wiener Häfen. Aber wer auf der Donau lebt, der ist auf solch ein Geschick vorbereitet.

In dem ehemaligen Eisenbahnwaggon, der in eine Kantine verwandelt wurde, im Ölhafen Lobau, leert Steuermann HAMI sein Bier. Vor einigen 100 Jahren haben die Türken ihre Kriegsflotte auf der Donau gegen Österreich operieren lassen. Heute befahren 4 türkische Steuermänner für die DDSG den Strom. Einer von ihnen ist HAMI. Er hat in der türkischen Kriegsmarine gedient, dann in der Handelsmarine und nun arbeitet er schon vier Jahre lang für die DDSG. "Is gut hier". Sein Gott heißt zwar Allah, aber HAMI hat nichts dagegen mit österreichischen Kameraden christlichen Festtagsbräuchen zu huldigen. Er weiß noch nicht, wo er am Heiligen Abend Station machen kann. "Ich habe jetzt gerade entladen. Vielleicht bin ich in Linz oder sonst wo..." Die Tür geht auf und herein schiebt sich eine Pelzmütze. Dann folgen eine dicke olivgrüne Windjacke und ein Paar schwere Pelzstiefel. Einen Augenblick fühlt man sich in ferne Besatzungszeiten zurückversetzt. Aber der Mann redet nicht russisch sondern slowakisch und  gehört zu einer Preßburger Tankerbesatzung. Ein ungarischer Matrose im sorgfältigem Stadtanzug bestellt einen Barack. Die anderen kippen ihren Slibowitz und hoffen darauf, dass sie noch rechtzeitig nach Preßburg oder Budapest gelangen werden. Obwohl dort der rote Stern dem Weihnachtsstern als Konkurrenz erwachsen ist. In der Lobau werden die Ölpumpen auch am Heiligen Abend nicht verschnaufen können. Dort wird russisches Rohöl ohne Pause aus den Magazinen von 30 Tankkähnen gesaugt.

Mehr noch als zu anderen Jahreszeiten drängt es jedoch die ausländischen Matrosen aus der Lobau zum Mexikoplatz. Hier an der Reichsbrücke hat sich so etwas wie ein Christkindlmarkt des Ostens entwickelt. Die Läden heißen Basar oder "Dunaj", sie führen einfach alles und noch ein wenig mehr. Sie sind billig und nehmen auch weiche Währungen wie Forint, Kronen oder Lei - allerdings zu harten Kursen. Im Lebensmittelgeschäft werden aus großen Kaffeesäcken kleine Päckchen abgefüllt. Echter Bohnenkaffee ist zwischen Preßburg und Izmail noch immer eines der begehrenswertesten Mitbringsel. Die Bedienung rechnet rumänisch, daneben wird jugoslawisch Auskunft erteilt. Man spricht am Mexikoplatz auch ungarisch, russisch und tschechisch. Ja, vor Weihnachten musste man in dieser Gegend manchesmal die Ohren spitzen, wollte man überhaupt ein deutsches Wort vernehmen. Die Donau ist eben international. Das geschäftige Treiben wird jedoch von den mächtigen Türmen der Kaiser- Franz - Joseph - Jubiläumskirche überschattet. In der Heiligen Nacht öffnet sich die Kirchentür auch für viele Schiffersleute, die ihre Kähne verlassen und zur Mitternachtsmette pilgern. In der Kirche erinnert eine Tafel zwar an die Opfer eines Schiffsunglücks auf der Donau, aber sonst sind keine Symbole der Stromfahrt zu entdecken. Dennoch fühlen sich die Schiffer ein wenig zu dieser Kirche zugehörig. Sie bringen die Kinder, die auf den Kähnen geboren wurden, zur Taufe hierher. In der stillsten Nacht des Jahres machen sich viele zum Kirchgang auf. Ein Weg zur Mette, nicht über verschneite Waldpfade oder durch stille Gässchen, sondern über schwankende und glitschige Stege. Durch ein Hafengelände in dem ein paar Scheinwerfer auf Lagerhäuser strahlen und dann die Donau entlang. Fülle und Inhalt des Lebens der Donaubewohner, die für eine kurze Stunde auf festem Grund dafür danken, dass sie ein Jahr auf dem Wasser gut überstanden haben.

                                         

  Weihnachten an Bord. Ferry- Bacsi und Steuermann Walter PÖSCHL mit Frau und Kind.   Weihnachtseinkäufe. Ferry- Bacsi geht an Bord  Ein Blick über den Wiener Donauhafen. Von Weihnachtsstimmung keine Spur.  Türke fährt für Österreich. Steuermann HAMI

 

 

                                                                         Aus der Arbeiter- Zeitung (AZ)  März 1976

                   Boot zerriss an "Schönbrunn",  DDSG- Kapitän frei gesprochen

Schreckensschreie und Zurufe aus vorbeifahrenden Motorbooten, dass "etwas passiert sei", alarmierten am 18. August 1975 den 52-Jährigen DDSG- Kapitän Alfons W. gerade in jenem Moment, als das von ihm kommandierte Ausflugschiff "Schönbrunn" von der Anlegestelle Dürnstein abfuhr. Der Kapitän veranlasste daraufhin sofortigen Maschinenstopp und schaute nach - was er sah, ließ ihm trotz des heißen Augusttages fast das Blut in den Adern gefrieren. Auf dem Wasser trieben Gummifetzen und vier Menschen, unter ihnen drei Kinder, die in den Wellen verzweifelt um ihr Leben kämpften. Sie alle, drei Mädchen im Alter von 10, 12 und 14 Jahren und ihr Vater Franz E., der bei dem Unfall schwer verletzt worden war - er hatte einen Bruch des Halswirbels davongetragen - konnten glücklicherweise gerettet werden. Was zuvor passiert war, konnten sie selbst nur vage beschreiben. Franz E. war an jenem Tag mit einem Schlauchboot zu einem Donauausflug gestartet und hatte es in einer Entfernung von etwa zehn Metern an der zu diesem Zeitpunkt noch stehenden "Schönbrunn" vorbeizulenken versucht, als die heftige Strömung es direkt vor dem Bug des Ausflugsschiffes trieb.

Weil das Schiff just in jenem Moment ablegte, konnte der Kapitän Alfons W., auf der Kommandobrücke stehend, auch nichts von diesem Vorfall bemerken. Zu dieser Ansicht kam auch der Richter im Kreisgericht Krems. Er sprach, den von Rechtsanwalt Dr. Arthur B. verteidigten Kapitän von der gegen ihn wegen "Gefährdung der Sicherheit des Lebens" erhobenen Anklage frei.

                                                                                        

                                                            DS "Schönbrunn" in der Wachau unterwegs (Sammlung Raffy) 

                                                                            

  Auch Kapitäne mussten für Werbung der Gesellschaft herhalten. Das linke Bild (Sammlung Feher) zeigt den letzten DDSG- Kapitän der "Schönbrunn" Hermann B., den man für eine Werbebildreihe ein hübsches Mädchen zur Seite gestellt hatte. Am rechten Bild ist  Kapitän Alfred W. auf einem Foto der Tageszeitung "Kurier", das beim Flottentag 1975 aufgenommen wurde, zu sehen. Wahrscheinlich handelt es sich dabei ebenfalls um die "Schönbrunn". Der Kapitän, in seiner schmucken Sommeruniform zeigt dem interessierten Nachwuchs was es da alles auf der Donau zu sehen gibt. Etwas erschrocken blickt nur der Herr Steuermann drein.  

 

 

                            In den 1970- er Jahren erschien von Miriam Berger diese Reportage im Magazin der AZ

                                              Kapitän ist der Familienberuf

 

                                             

  Sein Fernweh reicht nur bis zum Schwarzem Meer, die Wellen, die die Welt bedeuten, sind sanft und meistens ungefährlich. Und doch ist er Kapitän aus Bestimmung, ein Mann mit echtem Seemannsblut in den Adern. Ein Wiener, der auf dem Wasser daheim ist, und das schon seit drei Generationen: ein Donauschiffkapitän.

Franz SZEKELY, 1931 in Wien geboren, erzählt: "Ja, wir sind eine alte Schifferfamilie. Der Großvater und der Vater, alle waren sie Kapitäne bei der Donau - Dampfschifffahrts- Gesellschaft". Die Begeisterung für die Donau und ihre Schiffe brach beim kleinen Franz schon mit zehn Jahren durch. Während andere Burschen seines Alters von schnellen Autos und Flugzeugen träumten, schwärmte er nur für die Donauschiffe. "Es war mein Jugendtraum". Sein Traum sollte sich erfüllen.

Doch zuerst musste er die Schule beenden. Sofort nach der Matura, mit zwanzig Jahren, ging Franz auf "See". Sein Vater war inzwischen gestorben, der Sohn setzte nun das Erbe fort. Er begann als Matrose. "Da waren damals noch die alten Dampfschiffe". Kapitän SZEKELY schmunzelt: "Die sind inzwischen fast alle nach Griechenland verkauft und eingestampft". Es waren hauptsächlich kleinere Zugschiffe wie "Kastor" und "Pollux", oder der legendäre "Donaubus". Zeugen einer Vergangenheit.

Die Laufbahn des Matrosen SZEKELY ging steil nach oben. Er wurde Zahlmeister und machte mit 25- Jahren das Kapitänspatent. Noch hatte er sein Ziel nicht ganz erreicht. "Zuerst bin ich als II. Kapitän gefahren", erinnert er sich. "Erst im Jahre 1961, also mit 30 Jahren war ich dann I. Kapitän". Sein erstes eigenes Schiff war die "Budapest". Nach zwei Jahren wurde er Kapitän am "Franz Schubert". "Mit dem Schiff ist uns einmal etwas passiert", der Kapitän denkt zurück an 1957. "Der "Schubert" ist gerade bei Obertulln gefahren. Es war eine gespenstische Nacht. Dichter Nebel, man hat nichts gesehen. Da ist plötzlich ein anderes Schiff aus dem Nebel aufgetaucht. Ganz nah war es schon. Wir konnten nicht mehr ausweichen" .Der Zusammenstoß mit einem ungarischen Schiff erregte 1967 einiges Aufsehen, obwohl es nur Blechschaden gab. Doch die Welt des Franz SZEKELY, die Schifffahrt auf der Donau, tauchte so richtig an den Vordergrund der Öffentlichkeit. "I glaub, die Leut wissen oft gar nix von unseren Schiffen, wie schön es ist, auf der Donau zu fahren".

Seit 1970 ist er Kapitän der "Theodor Körner", dem größten und modernsten Passagierschiff der DDSG. Er dirigiert sein Schiff donauauf, donauab nach Passau, Budapest bis zum Schwarzen Meer. Vor einer Woche weckten der Kapitän und sein Schiff sowie die gesamte Donauschifffahrt wieder das Interesse der Öffentlichkeit. Ein Journalist wollte unbedingt auf dem "Theodor Körner" heiraten. Nach einigen Schwierigkeiten wurde er auf dem Schiff getraut. "Wir mussten rauf nach Nußdorf fahren", sagt der Kapitän. "Der Bräutigam war aus dem 19.Bezirk. Die Hochzeit musste ordnungsgemäß dort stattfinden. Der Standesbeamte kam dann aufs Schiff". Und wenn einer nicht in einem Bezirk wohnt, der an der Donau liegt? Ist dann eine Schiffstrauung für ihn ausgeschlossen? "Vielleicht gibt es da auch Mittel und Wege", lächelt der Kapitän. Weitere Hochzeiten auf seinem Schiff würden ihn nicht stören. "Hochzeitsgesellschaften haben wir ja genug". Auch sonst ist das moderne Passagierschiff, das Platz für 80 Gäste bietet, sehr beliebt. Diverse Fahrten sind meist ausgebucht.

Und wird die Tradition der Familie SZEKELY fortgesetzt? Hat der Kapitän einen Sohn? "Ja", sagt er. "Aber der interessiert sich nicht für... doch, schon für Schiffe, aber nicht für diese. Er will Raumfahrer werden". Vielleicht ändert der Sohn seine Meinung noch? "Schauen sie", sagt der Kapitän. "Die Zeit geht eben weiter". Er schaut aus dem Schiffsfenster. "Da hinten", erklärt er und deutet die Donau entlang. "Da steht die "Schönbrunn. Das ist das letzte Dampfschiff"...

 

                                                                     

                      Großvater Franz FITZ                   Vater Hyppollit fuhr auf der "Sophie", die später auf "Babenberg" umbenannt wurde

 

 

                                             MS "Theodor Körner"

                                       

 

             Anlässlich der Indienststellung des damals neuesten Fahrgastschiffes gab die DDSG eine kleine, bebilderte Broschüre in drei Sprachen (Deutsch, Englisch, Französisch) heraus, in dem der Stolz der Firma ins rechte Licht gerückt wird.

MS "Theodor Körner", das neue von der Ersten Donau - Dampfschifffahrtsgesellschaft in Dienst gestellte Passagierschiff mit Schifffsstation am Praterkai. Es ist 87,10 m lang, 16,66 m breit und befördert im Nahverkehr 1 300, im Fernverkehr 111 Personen in komfortablen Luxuskabinen. Steuerhaus, Nockhäuser und Schornstein sind hydraulisch versenkbar. 41 Mann Besatzung betreuen das Schiff und seine Fahrgäste.

                                                                                                                                  

Die Erste Donau- Dampfschifffahrtsgesellschaft (DDSG) kann sich mit Recht als eine der ältesten Reedereien der Welt bezeichnen. Seit ihrer Gründung im Jahr 1829 zählte die Beförderung von Passagieren zu den wichtigsten Geschäftszweigen des Unternehmens. Bereits 1832 wurden regelmäßige Passagierdienste aufgenommen, die nach kurzer Zeit die gesamte Donau einschließlich aller schiffbaren Nebenflüssen umfassten.

Während im vergangenen Jahrhundert die Passagierschiffe der DDSG das einzige bequeme und regelmäßige Verkehrsmittel im mittleren und unteren Donauraum darstellten, somit einem echten Verkehrsbedürfnis des Publikums entsprachen, hat sich die Bedeutung der Passagierschifffahrt seit etwa 1900 gewandelt. Die vehemente Entwicklung des Eisenbahn- und Straßenverkehr brachte es mit sich, dass die Donau immer mehr zur Reiseroute der Touristen wurde.

Diese Entwicklung hat in der Zeit nach dem II. Weltkrieg ihren Endpunkt erreicht. Die 136- jährige Erfahrung des Unternehmens im Passagierverkehr steht nunmehr zur Gänze im Dienste des Fremdenverkehrs. Auf diesem Gebiet ist das Donauschiff keine Konkurrenz der Eisenbahn, des Kraftwagen oder des Flugzeugs, sondern deren Ergänzung. Der Vorteil, den es zu bieten hat, heißt nicht "Schnelligkeit" sondern "Beschaulichkeit" und die mehr aufgewendete Zeit wird zugleich zu einer Zeit der Erholung.

Die überaus günstige Entwicklung des Personenverkehrs seit 1945 vermochte der durch Kriegsereignisse stark dezimierte Schiffspark von 7 großen Passagierschiffen und drei kleineren Motorbooten nicht mehr zu genügen. Obwohl nur die Strecke Passau - Wien befahren wurde. Besonders schmerzlich musste das Fehlen eines geeigneten Fahrzeuges empfunden werden, das sich für den Verkehr unterhalb von Wien bis zur Donaumündung eignet. Als es endlich soweit war und die DDSG daran gehen konnte, ein neues Passagierschiff in Auftrag zu geben, musste das Planungskonzept einerseits die Steigerung der Kapazität der vorhandenen Flotte im Liniendienst zwischen Passau und Wien berücksichtigen, anderseits die Voraussetzungen für den Langstreckendienst durch Einplanung entsprechender Kabinenplätze schaffen. Der Einsatz im Kurzstreckenverkehr erforderte im Hinblick auf die schwierigen Fahrwasserverhältnisse der oberen Donau darüber hinaus beste Manövrierfähigkeit.

Die DDSG kann mit Genugtuung feststellen, dass das neue Passagierschiff allen gestellten Forderungen vollauf entspricht. So lässt die umfassende, auf eine mehr als ein Jahrhundert alte Tradition gestützte Erfahrung der Gesellschaft auch heute die Fahrt auf der Donau zu einem unvergesslichen Erlebnis werden. Mit einer Länge von 87,10 m und einer Gesamtbreite von 16,66 m ist das neue Fahrgastschiff zum größten der Donau avanciert. Der Antrieb erfolgt durch 2 VS- Propeller mit einer PS - Leistung von 2x 1050 bei einem Durchmesser von 2,4 m. Es befördert im Liniendienst ca. 1300 Passagiere und besitzt 41 komfortable Kabinen für 111 Personen. Besatzung 41 Mann. Geschwindigkeit max. 25 km/h.

                             

Die neuartige Mischbauweise des Schiffskörpers aus Stahl und Aluminium, das hydraulisch versenkbare Steuerhaus, Nockhäuser, Schornstein und Mast, die Radaranlage und Echolot sind sensationelle Neukonstruktionen, die der geglückten Zusammenarbeit der technischen Abteilung der DDSG mit dem technischen Team der Schiffswerft Korneuburg AG zu danken ist. Schallisolationen lassen die bisher unvermeidlichen Motorengeräusche vermissen und Klimaanlagen sorgen auch bei extremer Hitze für konstante Temperaturen. Für Unterhaltung sorgen drei Musikprogramme sowie Fernsehempfang im Zwischendeck. 112 Räume beherbergt diese kleine schwimmende Stadt in drei Decks, über welchen sich ein viertes Sonnendeck platziert. Eine kühn geschwungene Treppe führt zum Oberdeck ins Cafe mit 50 Sitzplätzen, Bar und Wintergärtchen. Der durch drei Geschosse führende Speiseaufzug rationalisiert die Abwicklung des gastronomischen Betriebs. Neben einigen Passagierkabinen sind im Oberdeck noch die Kabinen der Kammerfrauen, Ambulanz, Funkraum und das Büfett mit Espresso untergebracht. Im Hauptdeck dominiert der Speisesaal mit 74 Sitzplätzen, die mit Buntlicht angestrahlte Tanzfläche, Pantry und Garderobe. In der Empfangshalle amtiert der für die Fahrkartenausgabe und die Betreuung der Kabinengäste zuständige Rechnungsleger und der Rezeptionist, dem die Musikprogrammgestaltung und Gepäckaufbewahrung obliegt. Mittschiffs platzieren sich sich Kapitänskabine, Wohnräume der Schiffsoffiziere mit Offiziersmesse, eine Anzahl Passagierkabinen und die öffentliche WC - Anlage.

Aus der Halle des Hauptdecks führt eine Treppe in den Speisesaal des Zwischendecks mit 85 Sitzplätzen und im Bugteil des Schiffs in die Taverne mit 36 Sitzplätzen. Letztere zwei Gasträume wurden angesichts der vorüber gleitenden Landschaft, der Felder und Wälder, die von den Ufern herübergrüßen, bewusst im rustikalen Stil gehalten. Balkendecken mit eingegliederten Zeltdächern, die indirektes Licht und an schwülen Tagen gekühlte Frischluft verteilen, handgeschmiedete Eisengitter mit beziehungsvollen Emblemen zwischen Speisesaal und Taverne, Tischlaternen vor den Fenstern, hinter denen die meterhohen Wellen des Bugwassers ihr faszinierendes Spiel treiben, stehen im reizvollen Kontrast zu den betont sachlich - eleganten Gasträumen des Haupt- und Oberdecks.

                         

Hydraulische Fußansätze der Tischfüße fangen die ständigen Bewegung des Fußbodens flexibel ab und das in die Zwischenwand eingebaute, auf einer Drehscheibe stehende Fernsehgerät erlaubt eine abwechselnde Benützung nach beiden Seiten hin. Eine geräumige Nische nimmt die Garderobe auf, flankiert von der Getränkepantry mit Tiefkühltruhen einerseits und der Speisenpantry mit Geschirrspülmaschine und Abfallschlucker andererseits. Der modernst ausgestatteten Küche stehen zwei Kühlräume und ein Tiefkühlhaus zur Verfügung. Dem Gastronomen und seinem Personal ein Büro und drei Kabinen. Mittschiffs der Maschinenraum mit den senkrecht gelagerten VS- Propeller, sowie der automatischen Trinkwasseraufbereitungsanlage, die stündlich 10 Kubikmeter Flusswasser in ozonentkeimtes Trinkwasser umwandelt. Weiters die Mannschaftskabinen mit WC und Brausebad und im Heckteil 10 weitere Passagierkabinen.

Das Schwergewicht der architektonischen Aufgabe lag in der Koordinierung technischer, nautischer und betriebswirtschaftlicher Erfordernisse. Einsatz hochwertiger Werkstoffe bei Vermeidung modischer Tendenzen. Das Streben nach klaren zeitlosen Formen in Verbindung mit gekonnt gewählten Farben, denen das Fluidum österreichischen Charme und Gastfreundschaft anhaftet. Die ökonomische Raumnutzung bis zur letzten Konsequenz bei Wahrung der "Großräumigkeit" liefert in den Passagierkabinen ein bestechendes Beispiel. Der Fahrgast findet in den nur 2,2 m x 4 m großen Aufenthaltsräumen für drei Personen all den Komfort, den er von einem Luxushotel erwarten darf: Eigener Duschraum mit WC, 2 bzw. 3 Sitz und Schlafgelegenheiten, Klapptisch mit versenkbaren Hockern, Einbauschrank, Waschnische, Klima - und Rufanlage. Wohltuend aufeinander abgestimmt sind die Farben der Vorhänge, Polsterbezüge, Bodenbeläge. Ausgewählter Bildschmuck und drei Möglichkeiten Musik zu empfangen soll dem reisenden Publikum als Gastgeschenk zusätzlich mitgegeben werden.

                         

Traditionsgemäß wurde die Außenhaut des Schiffes in einem strahlenden Weiß gehalten. Die rotweißroten Streifen und die anthrazitfarbene Scheuerleiste gliedern den Schiffskörper in drei gut proportionierte Etagen und lassen ihn auch optisch lang gestreckter erscheinen, womit ein Novum in der Ästhetik des Schiffbaus dokumentiert wird. 

                           

                 Der Stapellauf des "Theodor Körner" in der Werft Korneuburg war auch ein gesellschaftliches Ereignis und wurde dementsprechend gefeiert. (Bilder Sammlung Schneider)

                            

        Der Stapellauf erfolgte vom dem an der Donau gelegenen "Stapel", den es ja schon lange nicht mehr gibt. (Sammlung Schneider). Einige Bilder von der langjährigen Stammbesatzung wie Kapitän, Steuermann und Bootsmann. (Sammlung Fabsits)

                       

     Noch einige Bilder vom Stapellauf aus der Sammlung Schauer. Das letzte Bild zeigt das Schiff an der Linzer Anlegestelle.

                             

       Die ersten drei Bilder zeigen den "Körner" 2007 vor Klosterneuburg, damals noch mit Originalkamin für "Favorit"- Reisen unterwegs. 2010 beim Wendemanöver in Nußdorf mit neu lackiertem pechschwarzen Kamin zur Fahrt nach Budapest unterwegs.

 

 

                           

                                                                           

                                               MS "Theodor Körner"

                                        Schiffspapiere:                Zulassungsurkunde, gültig bis 31. März 1997

                                        Eichschein:                      Gültig bis 27. Februar 1995

                                        Tragfähigkeit:                  Max. 425 t oder 800 Personen

                                        Betriebsstunden:              Hauptmotore mit Ende 1995 ca. 53 000

 

Raumaufteilung:

3. Oberdeck:            Änderung der Laube, seitliche Verkleidung mit Plexiglas, dadurch wurden zusätzlich ca. 100 geschützte Sitzplätze geschaffen.

                        Instandhaltungsarbeiten die über die regelmäßigen Arbeiten hinausgehen:

        1994            Generalüberholung des Mercedes- Hilfsdiesel, Zylinderkopfüberholung beider Hauptmaschinen, Sanierungsarbeiten im Kabinenbereich und Aufbauten.

        1993            Überholung der Trinkwasseranlage. Sanierung der Elektroanlage in allen Bereichen. Teilerneuerung der Freideckbestuhlung.

        1992            Überholungsarbeiten an Haupt - und Hilfsdiesel, Erneuerung der beiden Rettungsboote.

           

 

                                        SCHIFFSDATENBLATT

                                       DDSG - Donaureisen

                                                                            Wien, im Mai 1995 

  Schiffsart   Fahrgastkabinenschiff
  Eigentümer   DDSG - Donaureisen G. m. b. H.
  Schiffspapiere   Schiffspatent Nr 362 + FTZ, gültig bis 31. Dezember 1993
  Schiffsregister   Wien BSR 1049
  Klassenattest   GL No. 04231 - 2. Klassenlauf ab Februar 1991
  Klassezeichen   + 100 A 5 I (Inland Trade) + Mc I ( Inland Trade)
  Eichschein   Nr. SWA 789, gültig bis 26. Februar 1995
  Baujahr   1965
  Bauwerft   Schiffswerft Korneuburg, Österreich
  Bauart   geschweißt
  Einsatzgebiet   gesamte Donau
  Hauptabmessungen   Länge. 87, 14 m, Breite: 16.60 m, Seitenhöhe: 3,67 m, Leertiefgang im Mittel: 1, 3 m. max. Tiefgang. 1,87
  Tragfähigkeit   max. 425 t    1300 Personen
  Geschwindigkeit   ca. 25, 3 km/h
  Zahl der wd. Abt.   9
  Letzte Stapelnahme   Februar 1991
  Materialstärke   Boden  7/ 6,  Kimm  7/ 6   Seitenplatte  7/ 6   Bergplatte  8/ 7
  Steueraushub   hydraulisch, Ketten und Führungen ca. 2, 5 m.
  Ruderanlage   VSP 24 E/ 115 + Plattenruder
  Zahl der Ruderblätter   2 x VSP 24 E, 2 x Plattenruder
  Selbststeueranlage   1
  Hauptmotor   2
  Hersteller   KDH
  Type   SBA 12 M 421
  Leistung   772 kW
  Drehzahl   1350 U/ min
  Zylinderanzahl   12
  Motornummer   3719 819 - 830   3719 807- 818
  Baujahr   1964
  Betriebsstunden   ca. 44 800
  Art der Wellenlänge   2 x Voith - Schneider - Propeller
  Getriebe  
  Zahl   2 Dieselgeneratoren
  Hersteller   Mercedes/ WSW     MAN/Elin
  Type   MB 846 A   D 2566 ME
  Leistung   180 kVA     109 kW
  Baujahr   1964        1985
  Zahl   2 Wellengeneratoren
  Herstellung   WSW
  Leistung   2 x 145 kVA
  Baujahr   1964
  Radaranlage  
  Zahl   2
  Hersteller   Kelvin Hughes     Radio Holland
  Type   17/ 12 RB      JMA - 606 - SE
  Wendeanzeiger   1 Anschütz
  Funkanlagen   1 UKW Sailor RT 144 C + Dantr. RT 5 000 s/ SE
    1 KW Dantr. RT 210 D
    1 KW Kenwood R - 2 000
    1 Funktelefon
  Echolot   1
  Ankerwinde   Antrieb elektrisch
  Zahl der Anker   Bug: 1x 762 kg. + 1 x 510 kg.
  Nicht reparierte Schäden   O

 

                                                            Raumaufteilung MS Theodor Körner

1. Unterdeck:        Vorpiek, Leerraum, Salon mit ca. 124 Sitzplätzen, 2 Pantries, Kühl - und Vorratsräume, Backbord: Küche und Wäscherei, Steuerbord: Mannschaftskabinen, Maschinenraum, 10 Außenkabinen, Achterpiek.  

2. Hauptdeck:         Salon mit ca. 75 Sitzplätzen, Pantry, Halle mit Reception, Steuerbord: 5 Außenkabinen, Backbord: Mannschaftskabinen, 16 Außenkabinen.

3. Oberdeck:           Freideck, Bar mit ca. 43 Sitzplätzen, Halle, 10 Außenkabinen, Friseurraum, Laube, Freideck. 

4. Sonnendeck:     Steuerhaus, Freideck. 

Kücheneinrichtung:    2 elektrische Küchenherde mit je 6 Platten, Hockerkocher, Universal- Küchenmaschine, Backofen mit drei Rohren, Friteuse, Mikrowellenherd, Bainmarie, Eiswürfelmaschine, Geschirrspülmaschine, diverse Kühlmöbel, Kleingeräte, Arbeitstische, Speisenaufzug zum Haupt - und Oberdeck. 

                                                                Größere Instandhaltungsarbeiten 

regelmäßig:            Service der nautischen Geräte. Service aller Küchengeräte. Service der Kühlanlagen. Brennerservice, Service der Lautsprecher - und Musikanlage. Anstricharbeiten.

1991                          Kurbelwellenlagerung und Pleuellager erneuert. Bb- Motor: Kurbelwelle neu. Stb- Motor. Kurbelwelle überarbeitet. Trinkwasserleitung gereinigt, entkeimt, desinfiziert. Voith- Schneider - Propeller teilweise überholt. Flügel neu abgedichtet. Stb.- Propeller: Flügel teilweise erneuert. Vorhänge im Unterdeck Speisesaal erneuert. 

1990                          Unterwasserschiff sandgestrahlt (SA 2 1 /2 ) mit Antifouling neu beschichtet. Duschtassen neu beschichtet. Holzdeck bei den achteren Einstiegen erneuert. Hauptmotoren: Ventilsitzringe und Ventilführungen erneuert. Radar erneuert. Hauptdeck - Salon: Vorhänge erneuert.   

1989                          24 V- Batterie erneuert.  Ladeluftkühler überholt. Vulkankupplungen: Bälge getauscht.  Teppichboden am Hauptdeck erneuert.

1988                          Scheuerleiste und Radbalken repariert.  Voith - Schneider - Propeller neu gelagert.

 

 

 

 

                          

 

 

 

 

 

           

                                                                                                                                      

 

                                   

 

                                                                Am Samstag, dem 14. Februar 2009 erschien in den "OÖ Nachrichten" die folgende Reportage:

                                                 "Stadt Wien" folgt Schwesternschiff donauabwärts nach Budapest

Und wieder ist die österreichische Donau um eines ihrer Prunkstücke aus der ehemaligen DDSG- Flotte ärmer geworden. Die "Stadt Wien" übersiedelte donauabwärts nach Budapest. Vierzehn Jahre ist es her, dass die verstaatlichte Donau - Dampfschifffahrts - Gesellschaft unterging. Gleichzeitig wechselten die Prunkstücke der weißen Flotte ihren Besitzer. Eines der ältesten Schiffe, der Schaufelraddampfer "Stadt Wien" wurde vom Tullner Bürgermeister, Willi Stift, erworben, großzügig renoviert und in ein fahrendes Restaurant- und Ausflugsschiff ungewandelt. Noch lange bevor Linz ein Restaurations- Schiff bekam, ging die "Stadt Wien" für einige Wochen in der Landeshauptstadt vor Anker. Der Protest eines Landesrates in Niederösterreich ( er bemängelte, dass das Land die sanfte Modernisierung gefördert hatte, das Seitenradschiff dann aber nicht in Niederösterreich die Donau befahren würde) war schuld daran, dass aus einem dauerhaften Linz- Gastspiel nichts wurde. Bis 2008 war das Nostalgieschiff an Wochenenden zwischen Tulln und Melk unterwegs. Einzigartiges Flair, dieselelektrischer Antrieb, Original- Sulzer - Motoren und - wie erwähnt - Schaufelradantrieb, zeichnet die "Stadt Wien" aus.

Offiziell heißt es, dass das Schiff auf mehrere Jahre nach Ungarn vermietet sei, informell wird gemunkelt, dass das Schiff nicht mehr nach Österreich zurückkehren könnte. Die Überstellungsfahrt nach Budapest hätte übrigens schon Anfang Jänner stattfinden sollen, aber die neue ungarische Besatzung havarierte in der Silvesternacht. Während des Schaufelrad repariert wurde, kam die Eissperre. In Budapest wartet auf die "Stadt Wien" schon das Schwesternschiff "Stadt Passau". Ebenfalls Baujahr 1939, dümpelte dieses nach dem Aus der DDSG von 1995 bis 2001 in Passau - Heining vor sich hin. Im August 2001 wurde es nach Budapest verkauft. Noch bevor es dort in Betrieb genommen werden konnte, kam der 42- jährige neue Eigentümer unter mysteriösen Umständen ums Leben. Er wurde 2003 erschossen an Bord des Schiffes aufgefunden. Danach lag das Schiff drei Jahre ungenützt in Budapest vor Anker. 2006 fand es einen neuen Besitzer. Die Obudai Hajogyari Sziget, Green Hill Rendezvenypark in Budapest. Nach großzügiger Runderneuerung fährt das Schiff seit April 2007 unter dem neuen Namen "GROF SZECHENY" auf der ungarischen Donau. Jetzt kommt auch die "Stadt Wien" zu diesem Unternehmen. Vorläufig aber unter dem derzeitigen Namen.

                                                                                      

                          Die "Stadt Wien", hier noch im Besitz des Tullner Bürgermeisters, bei einer Wachau- Sonderfahrt im Mai 2006

                                                                 MFS "Stadt Wien" ist wieder zurück

Lang dauerte es nicht bis das ehemalige DDSG- Fahrgastschiff "Stadt Wien" wieder nach Österreich zurückkehrte. Der Verkauf an den ungarischen Privatreeder stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Bereits am Tag der Überstellung nach Budapest kam es zu einer Havarie, wo die Schaufelräder stark beschädigt wurden. Derzeit befindet sich das Schiff wieder im Besitz des Tullner Bürgermeisters und führt weiterhin Nostalgiefahrten durch. Untenstehend eine kleine Bilderauswahl aus der Sammlung Neuweg als das Schiff noch in DDSG - Diensten stand.

                                                    

Eine besonders schöne Aufnahme der Deckmannschaft, die sich um den langjährigen, leider schon verstorbenen Bootsmann N. gruppiert hat. Nur der Steuermann schaut etwas erschrocken drein.

 

 

 

 

                                                            Eine Fahrt mit der "Stadt Wien"

 

                                              

    Der ehemalige Treppelweg wird von der Statue des Imperators Caesar bewacht. In Tulln ist Egon Schiele allgegenwärtig. "Stadt Wien" an der Donaulände, auch der Herr Kapitän beginnt mit seinen Vorbereitungen zur Abfahrt.

Am Samstag, dem 05. Juli 2011 beschlossen wir eine Reise mit dem ehemaligen DDSG - Radschiff "Stadt Wien" durchzuführen. Kapitän i. R. Gustav sowie ich, waren in unseren DDSG- Zeiten niemals auf dem Linienschiff gefahren. Jetzt ergab sich eine gute Gelegenheit dieses jetzt nachzuholen. Die Suche nach weiteren Mitreisenden unterblieb aber, da dem Schiff kein guter Ruf vorauseilte. Von DDSG- Veteranen wurde die "Stadt Wien" als nicht besonders bequem und sicher bezeichnet. Was mit dieser Fahrt widerlegt wurde..

Jedem Alt- DDSG -ler musste schon am Tullner Treppelweg das Herz bluten. Dort hatte man den dort einstmals fest ausgehefteten eisernen DDSG - Ponton vor dem schmucken Agentiehäuschen entfernt. Jetzt machte diese, einstmals von den DDSG - Linienschiffen täglich angefahrene Örtlichkeit, einen ziemlich erbärmlichen Eindruck. Den auch das schmucke Schiff da draußen vor der Donaubühne, nicht wirklich wettmachen konnte. Obwohl die "Stadt Wien" von draußen einen ordentlichen Eindruck machte. Da schon die ersten Leute weit vor der offiziellen Einstiegszeit zum Einstieg strömten, gingen auch wir gleich an Bord. Die Karten wurden Achtern, gleich neben der Einstiegstür im Schiffsinneren von einer Mitarbeiterin des Reeders verkauft, die etwas überfordert schien. Meine Gattin suchte uns den Platz im Restaurant draußen am hinteren Achterdeck, fast ganz an der Stur aus. Eine kluge Entscheidung, denn von dort hatten wir nach allen Richtungen freie Sicht und die ganze Zeit über strahlende Sonne. Außerdem wurden wir von den Kellnern zu Tierschutzbeauftragten ernannt. Neben dem Tisch in einem großen Blumengefäß brütete nämlich eine Wildente. Die dann während der Fahrt von vielen Leuten bewundert wurde. Außerdem gab es einen Alleinunterhalter, dem deutlich weniger Aufmerksamkeit geschenkt wurde.

Fast pünktlich wurde abgelegt und die Fahrt ging mit Ente und Alleinunterhalter zu Berg. Wobei die Ente wiederum viel mehr Interesse hervorrief als der Musiker. Hervorzuheben war die Spontaniität sowie das rasche Handeln der Kellnerschaft. Kaum hatte man etwas bestellt, stand das Gewünschte auch schon auf dem Tisch. So fuhren wir vorerst noch hochzufrieden durch die wunderschöne Donaulandschaft. Begleitet von den Musikstücken des Alleinunterhalters, der sich wirklich Mühe gab. Aber vorerst gelang es ihm noch nicht richtige Stimmung hineinzubringen. Kurz vor Krems hatte auch die Ente genug. Sie flog fort und wurde nie wieder gesehen. Dass dies mit der gespielten Musik im Zusammenhang stand, konnte nicht bewiesen werden. Unangenehm fiel auch das Fehlen eines Souvenirladens auf. Keine Erinnerungsstücke vom Schiff standen zum Verkauf. In den Vitrinen machte einzig allein der Reeder für sein Modegeschäft Werbung. Dabei wäre sicherlich Interesse an tolle Kopfbedeckungen der "Wien" oder Bücher über die Donau vorhanden gewesen. Sehr ungünstig wirkte sich auch das Sperren des Backbordganges aus, der noch dazu mit einem Verbotsschild abgesichert war  Man musste also den rechten Gang benutzen, was zeitweise schon nervend war. Aber okay, das Schiff fuhr lange Zeit nicht, da konnte man schon darüber hinwegsehen. Nicht darüber hinwegsehen konnte man aber auch nicht über den persönlichen Kontakt Mannschaft - Passagiere. Was heißt hier überhaupt Kontakt - es gab einfach keinen! Einzig und allein der leitende Ing., unser guter alter Bekannter Günther alias "Watzlav" mengte sich unter die Fahrgäste. Zuerst im schwarzen "Rossini- Leiberl", anschließend in seiner schmucken Maschinenbetriebsleiteruniform. Wobei er nach Anlegung der roten Schulterklappen von vielen Leuten angesprochen wurde, um bereitwillig sowie kompetent Auskunft zu geben. Auch er ärgerte sich darüber, dass sogar während der Schleusenfahrt alle Ausgangstüren fest verschlossen waren. Frau Brigitte kämpfte noch immer mit den Tücken des Mikrophons und der Musiker sang zwar recht laut, schaute aber noch immer sehr streng drein.

                                               

                            Piratenfigur im hinteren Speisesaal. Der Herr Kapitän hat gut lachen: Schiff souverän nach Dürnstein gebracht. Warum so skeptisch Herr DDSG - Kapitän i. R. ? 

Doch die herrliche Landschaft, das schöne Wetter, die Restauration, sowie unser guter Sitzplatz entschädigte uns für vieles. Besonders das Restaurant. Das Essen war ausgezeichnet, fast schon zuviel und preiswert. Die Bedienung setzte noch eines drauf indem sie unsere Plätze reservierten, als wir in Dürnstein von Bord gingen. So trugen sie sehr zur Zufriedenheit der Passagiere bei.

Leider blieb in Dürnstein nur wenig Zeit etwas zu Unternehmen. Diese wurde dazu genutzt um im Ort Mitbringsel zu erwerben und sich ein wenig die Beine zu vertreten. Gustav kam auch endlich dazu den weltberühmten  grünen Veltliner zu verkosten. Aber es musste alles schnell gehen, denn das Schiff wartete nicht. Obwohl man doch etwas später in Dürnstein ablegte, da einige Fahrgäste wohl die Zeit übersehen hatten. Auch Herr Herwig, einer der Kapitäne der "Stadt Wien" stieg in Dürnstein zu. Auf der Talfahrt nach Krems zog dann etwas wie Professionalismus an Bord ein. Nicht nur, dass er anscheinend das knarrende Mikrophon repariert hatte, machte er eine kompetente Durchsage und führte danach einige Passagiere durch das Schiff. Leider musste er nach dem Manöver in Krems dringend wieder von Bord. Bis Tulln lag die Führung der "Stadt Wien" wieder in den bewährten Händen des ehemaligen DDSG-Kapitän Franz. Wenn man ihn so auf der Brücke stehen sah, meinte man wirklich dem legendären Kapitän "Iglo" gegenüberzustehen. Ein legendärer Supertyp, eine Ikone der DDSG, die einstmals aus der beinharten betriebseigenen Ausbildung hervorgegangen war. Zusammen mit seinem Steuermann "Onkel Stauby" bildete er ein kongeniales Duo, das uns sicher nach Hause brachte. Klarerweise war der schwere Schiffskörper nicht leicht zu navigieren, was auch ein einmaliges heftiges Anschlagen mit der Bordwand in der Schleusenkammer erklärte.

Trotzdem war es eine schöne Reise, die schon dadurch aufgewertet wurde weil wir alte Freunde wiedergetroffen hatten. Die große Verspätung in Tulln, die die Dame der Reederei mit "dem starken Wind" zu erklären versuchte, machte uns nichts aus. Ganz im Gegenteil: Wir haben diese Fahrt trotzdem genossen und wenn man einige Sachen ändert, kommen wir gerne wieder.

                                     

                              Kümmerten sich rührend um die Fahrgäste: Kpt. Herwig und MBL Günther. Eine Pause tut in Dürnstein auch der Besatzung gut. Beliebtes Ausflugschiff in der Wachau- "Prinz Eugen". Der Kamin mit dem DDSG- Emblem fristet vor dem Schiff in Tulln als Blumenbeet sein Dasein.

 

 

 

 

                            Mit der "Stadt Wien" von Tulln nach Budapest

 

                            

                                MS "Stadt Wien" an ihrem Liegeplatz an der Donaulände. Tullner Brunnen gibt es überall.

 

 Am 03.Oktober 2011 führte der Schaufelraddampfer MS "Stadt Wien" eine Fahrt bis nach Belgrad durch. Der Abschnitt von Tulln bis Budapest konnte vom Reisebüro RUEFA- Reisen gebucht werden. Das günstige Angebot des Tullner Reiseanbieters lautete wie folgt: Nostalgie- Schiffsreise mit "Stadt Wien" nach Budapest, eine Übernachtung in einem Hotel in der ungarischen Hauptstadt, Bus - Rückreise nach Stadtrundfahrt nach Wien. Mit Zwischenstopps in Szentendre, Visegrad und Esztergom. Natürlich wurde diese Reise gebucht und dazu noch die Nächtigung in einer Schiffskabine. Nächtigungen am Schiff wurden erst seit Kurzem angeboten und wir wollten diesen neuen Service als eine der Ersten in Anspruch nehmen. So fuhren wir schon am Vortag nach Tulln um auf dem Schiff Mittag zu essen. Was sich gegenüber unserer letzten Reise (auch damals speisten wir an Bord), nicht geändert hatte. Das Essen war ausgezeichnet, die Portionen riesig, die Bedienungen äußerst zuvorkommend, einfach nett. Was sich aber sehr wohl geändert hatte, war der Zustand des Schiffes. Man hatte keine Kosten und Mühen gescheut, es wurde repariert, geschliffen, gestrichen, so dass sich die "Stadt Wien" im neuen Glanz präsentierte. Was im Auge des Beobachters sehr positiv auffiel, das Schiff machte wirklich einen guten Eindruck. Auch Kabine 17, die wir von der umtriebigen Frau Brigitte zugewiesen bekamen, erstrahlte im neuen Glanz. Die Kabine befand sich Steuerbord im Vorschiff, wobei die Ausstattung von Bad und WC sehr positiv überraschte. Sogar kuschelweiche Handtücher sowie flüssige Seife waren vorhanden.

                         

                       Die neu adaptierte Kabine Nr. 17 auf der "Stadt Wien"

Ja, und schön langsam trudelten auch die weiteren Besatzungsmitglieder an Bord ein. Unter ihnen der liebenswerte langjährige Steuermann sowie ein zweiter Maschinist, den wir von der "Schönbrunn" her kannten. Sie wurden vom leitenden Maschinenbetriebsleiter Günther, alias "Watzlav" freundlich empfangen. Als uns Günther bemerkte, gesellte er sich zu uns um über alte Zeiten zu plaudern. Alle warteten nur mehr auf das Auftauchen des Reeders, der angesagt war. "Wenn er kommt, dann wird er mir wieder eine Aufgabe zuschanzen die ich immer wieder machen muss", warnte mich "Watzlav" vor. "Sein Lieblingskind ist ja die Zille, die neben dem Ponton im Wasser hängt. Die muss ich immer auspumpen". Diesmal würde die "Stadt Wien" gleich mit zwei Kapitänen besetzt sein. Da Herr Herwig nur bis Budapest mitfuhr hatte man in weiterer Folge einen ehemaligen DDSG- Kapitän mit der Führung des Schiffs betraut. Kapitän Thomas war von der Nachfolgefirma der DDSG für diese Reise freigestellt worden, da sich andere ehemalige DDSG- Kapitäne nicht für diese Reise erwärmen konnten. Wie das auch immer zu verstehen war. Dieser neue Schiffsführer hatte auf der "Stadt Wien" einst als Schiffsjunge begonnen um sie jetzt als Kapitän zu befehligen.

Als der ehemalige Tullner Bürgermeister, für sein Alter noch topfit aussehend auf dem Fahrrad auftauchte, kam alles in Bewegung. Gerade hatte mich Günther als ehemaligen Kollegen vorgestellt ging es auch schon los. "Weißt eh, dass wir noch eine wichtige Arbeit vor uns haben?", sah Herr S. den Maschinenchef prüfend an. "Wir müssen noch die Zille auspumpen!" Gesagt, getan. Als wir später von Bord gingen um uns Tulln anzusehen, werkelte die gesamte Mannschaft beim Beiboot herum. Nach dem Auspumpen wurde es mit vereinten Kräften an Land gezogen. Als wir nach dem Spaziergang wieder an Bord kamen, wieselte der Reeder noch immer dort herum, um alle auf Vordermann zu bringen. Erst ziemlich spät schwang er sich aufs Fahrrad um heimzuradeln. 

                              

   Noch ein weiterer Kapitän kommt an Bord. Er kann der übrigen Mannschaft gleich bei der Zille helfen. Der Herr Steuermann muss bei leichtem Nebel die Augen offen halten, Schleuse Greifenstein kommt in Sicht.

Natürlich waren wir um 05.00 Uhr schon auf den Beinen um das Einsteigen der Passagiere zu verfolgen. Als wir die Frau Reiseleiterin aufsuchten um nach den Reiseunterlagen zu fragen meinte sie ziemlich überrascht: "Sie sind schon auf? Ich dachte, ich würde sie erst viel später zu Gesicht bekommen". Ha, das dachte auch nur sie. Obwohl es erst nach dem ausgegebenen Programm um 06.30 Uhr Frühstück geben sollte, bekam man jetzt bereits Kaffee. Um Punkt 06.30 Uhr wurde ein Frühstücksbuffet aufgebaut, das alle "Stückerln" spielte. Immer sofort wieder nachgefüllt von den überaus freundliche  Mitarbeitern der Restauration. Wobei eines aber gleich unangenehm auffiel: Zum Frühstück standen Mineralwasserflaschen auf einem eigenen Tisch, aus denen man sich ein Glas einschenken konnte. Was viele der Passagiere wohl etwas falsch verstanden, denn sie nahmen statt einem Glas gleich die ganze Flasche. Auch zu dieser frühen Stunde ließ es sich der Herr Reeder nicht nehmen vorbeizuschauen. Als er endlich das Schiff verließ gab er der Mannschaft noch einen guten Rat mit auf den Weg. "Bei den Brücken den Kamin einziehen nicht vergessen!" Insider wussten genau was damit gemeint war. .. Mit Herrn Herwig als Kommandoführenden tauchten wir in einen vorerst noch etwas nebeligen Tag ein.

In Wien stiegen noch 12 weitere Passagiere ein, so dass sich die Gesamtzahl der Reisenden auf 92 erhöhte. Bei strahlendem Sonnenschein sowie rasch steigenden Temperaturen nahmen wir unter heiterem Himmel am Achterdeck Platz. Wo wir uns mit einem äußerst netten Tullner Ehepaar anfreundeten. Da Kapitän Herwig das Kommando führte, stand der zweite ernannte Kapitän für andere Aktionen zur Verfügung. Als der junge Chefreiseleiter um 10.30 Uhr zu einem Vortrag über die Donau im unteren, vorderen Speisesaal bat, ergriff dort Herr Thomas das Mikrofon um sich und das Schiff vorzustellen. Inzwischen führte noch immer Kapitän Herwig das Kommando, der mit vielen Durchsagen den Passagieren die Schönheiten auf und um den Strom näher zu bringen versuchte. Er hätte vielleicht auch noch einige Informationen zu den Schleusen bekannt geben können, aber so war es schon schwer in Ordnung.

                

     Drei echte Seebären kurz vor der Ankunft bei der Wiener Reichsbrücke, wo das Schiff schon erwartet wurde. Einer von dem Trio hat sich als Passagier zwischen den beiden Schiffsführern aufs Bild geschmuggelt.

Das Mittagessen wurde an Bord in Bratislava eingenommen, wo das Schiff anlegte. Das Essen war, klarerweise im Preis nicht inbegriffen. Dass man es extra bezahlen musste, wollten doch tatsächlich einige der Passagiere nicht einsehen. Was uns nur ein Kopfschütteln kostete. In welcher Welt leben die eigentlich? Später bewahrten wir den jungen Matrosen vor einem argen Fauxpas. Er wollte doch wirklich am Heck die Tschechische Nationalflagge aufziehen. Was gerade noch verhindert werden konnte. Na, das wäre was gewesen.

                  

     Es grüßt die Bratislaver Burg, frisch gestrichen. Fast nicht mehr zu erkennen ist ein Zugschiff aus der damaligen CSSR- Frachtfschifflotte, das zum schwimmenden Restaurant umgebaut wurde. Am Hafen liegt das neueste Schiffshotel, das sogar einen eigenen Lift besitzt.

Um 14.00 Uhr gab es einen Vortrag über eine Reiseversicherung, der nur von wenigen Menschen besucht wurde. Wir nützten die Gelegenheit um lange Gespräche mit dem Steuermann zu führen. Onkel "Stauby" erzählte in seiner liebenswerten Art sehr viel von alten Zeiten. Genauso wie mein lieber Freund "Watzlav", der aber nicht viel Zeit hatte. Meistens saß er neben dem vorderen rechten Ausgang um leise. "Ich sehe schon, das wird eine fade Reise" zu murmeln. Die Witterung war so mild, dass man sich sogar auf dem Sonnendeck aufhalten konnte. Was auch der zweite Maschinist dafür nützte um dort zu fotografieren.

                      

      Der Herr Kapitän stellt sich den Passagieren vor. Hier zwei Gegensätze, während der zweite Maschinist lächelt, hat sein Chef einen etwas faden Gesichtsausruck. Der Schiffsverkehr ist sehr dürftig. Nur der "City- Liner" war mit einigen Fahrgästen unterwegs.

Kurz vor dem Abendbuffet spielte man zum Tanz auf, wobei sich der Alleinunterhalter als wahrer Meister seines Fachs entpuppte. Nicht nur, dass er eine angenehme Stimme hatte, gab er sich auch sonst als Stimmungskanone. Während man noch tanzte, wurde das Abendbuffet eröffnet. Wobei sich unter den Köstlichkeiten im wahrsten Sinne des Wortes die Teller bogen. Man konnte sogar unter warmen Delikatessen wie Schweinsbraten, Ripperln oder gebackenen Pilzen wählen. Alles hervorragend zubereitet vom tollen Küchenchef. Das köstliche Menü rundeten Kaiserschmarrn oder sonstige Mehlspeisen ab. Manchem Passagier schmeckte es so gut, dass er gleich fünf Mal das Buffet besuchte. Anerkennen muss man auch die Leistung des Restaurationsteams. Obwohl der Chef starke Schmerzen im Bein hatte und sich nur noch humpelnd fortbewegen konnte, hatte er weiterhin ein strahlendes Lächeln aufgesetzt. Genauso wie der junge Kellner, der niemals seine Geduld verlor. Wirklich ein tolles Team, das den Aufenthalt hier an Bord zu einem kulinarischen Leckerbissen machte. Aber auch der Herr Reiseleiter stellte sich in den Dienst der Sache und schaute darauf, dass alle Gäste zufrieden waren.

Kapitän Herwig war noch immer in Dienst und blieb es weit bis 21.00 Uhr. Da die Donau Niederwasser führte musste man sehr vorsichtig sein um ein Auffahren zu vermeiden. So konnte man nicht überall mit voller Kraft fahren. Was wiederum zur Folge hatte, dass man die bekannt gegebenen Zeiten bei Weitem nicht einhalten konnte. Statt der planmäßigen Ankunft um 23.00 Uhr befanden wir uns um diese Zeit noch weit vor unserem Bestimmungshafen. Was für die Passagiere auch nicht einfach war. Da sich die Fahrt weiter in die Länge zog versuchten sie es mit Schlafen. Schon bald waren die Speisesäle voll von schnarchenden Menschen. Oder man vertrieb sich die Zeit an der Bar um regelmäßig alkoholische Getränke einzunehmen.

            

     Noch einen prüfenden Blick des Herrn Kapitäns auf den Fahrtgeber, ehe wir das Kraftwerk GABCIKOVO passieren..  

Erst um 01.15 erreichten wir Budapest um anzulegen. Für die Verspätung konnte aber niemand, es war sozusagen höhere Gewalt. Nach der herzlichen Verabschiedung durch die Schiffsmannschaft gingen wir um 01.30 an Land. Während wir nun mit bereitgestellten Bussen in unser Hotel gebracht wurden, würde die "Stadt Wien" morgen nach Belgrad weiterfahren. Um in den Donaustaaten Jugoslawien, Kroatien, Ungarn usw. so genannte Leseveranstaltungen an Bord durchzuführen. Nach einer, etwa 10- minütigem Busfahrt wurden wir in einem modernen Hotel einquartiert, dessen Zimmer sogar Balkon hatten.

                

     Vor dem Budapester Hotel verläuft eine sehr befahrene Straße, wo auch O- Buslinien in Betrieb sind. Zu dem großen Einkaufszentrum gibt es aber keine öffentliche Verkehrsverbindung.

Während am nächsten Tag die meisten der Reisenden die Stadtrundfahrt machten, erkundeten wir Budapest auf eigene Faust. Wobei es auch im Hotel ein riesiges Frühstücksbuffet gab. Um 11. 30 Uhr erfolgte die Heimreise, mit dem ersten kurzen Zwischenstopp in Szentendre. In Visegrad wurde in einem ausgezeichneten Lokal das vorzügliche Mittagessen eingenommen. Der nächste Aufenthalt erfolgte in Esztergom, wo der Dom besichtigt werden konnte. Den wunderschönen Ausblick von dort auf die Donau hinunter nahmen auf die Heimreise nach Wien mit, das wir mit einer Verspätung von mehr als drei Stunden erreichten.

                            

     In Szentendre lebt man vom Verkauf aller möglichen Sachen. Das Niederwasser zeigt sich auch bei der Rollfähre in Vishegrad, wo der Anlegeponton auf dem Trockenen sitzt. Majestätisch erhebt sich die Burg über die Stadt. Letzte Bilder beim Dom vom Esztergom.   

Trotzdem, es war eine tolle Reise die wir erlebten. Das Reisebüro hat sich wirklich bemüht für wenig Geld sehr viel zu bieten. Dazu war der Schiffsausflug sowieso einsame Spitze. Nur so weiter RUEFA, vielleicht gibt es auch diese Reise im nächsten Jahr wieder?

                                                                                                                    

 

 

 

 

 

                                    Nostalgie- Erlebnis - Seitenradschiff

                                        Krems - Melk - Krems

                                               

 

Am Sonntag, dem 30.06.2013 kam es zu einem einmaligen Erlebnis auf der Donau. Das Reisebüro RUEFA aus Tulln bot eine Nostalgiefahrt mit der "Stadt Wien" und dem Dampfschiff "Schönbrunn" an. Wir hatten unsere Route so gewählt, dass wir mit der "Stadt Wien" von Tulln stromauf nach Melk unterwegs sein würden. Dort dann Schiffswechsel auf die "Schönbrunn", mit der wir die Talfahrt nach Krems antreten wollten. In Krems war schließlich ein nochmaliger Wechsel zurück auf die "Stadt Wien" geplant, mit der wir wieder nach Tulln fahren wollten. Da man die Abfahrt der "Stadt Wien" auf 05.00 in der Früh vorverlegt hatte, wurde schon Wochen voraus eine Kabine auf dem Schiff vorbestellt. Denn zu so einem frühen Zeitpunkt gab es von Wien aus noch keine Zugsverbindung nach Tulln. Die Unterkunft am Schiff wurde uns auch von der Sekretärin der Reederei STIFT fix zugesagt. Dumm war dann nur, dass sich die Dame nicht mehr an uns und vor allem an ihre damalige verbindliche Zusage, nicht mehr erinnern konnte. Doch durch Fürsprache des Chefsteuermanns ( einer Seele von einem Menschen), bekamen wir doch noch die Kabine. Den restlichen Teil des abends verbrachten wir dann mit dem Herrn Steuermann sowie dem Herrn Maschinisten ( oder sollte man eher sagen leitenden Ing.?) der so gegen 19.00 Uhr eingetroffen war. Ein Bulle von einem Mann, waschechter Steirer wie man aus seiner Aussprache unschwer erkennen konnte. Ein uriger Typ, sehr sympatisch, eben ein echter ehemaliger DDSG- Heizer, der wahrscheinlich zu seiner aktiven Zeit nichts hatte "anbrennen" lassen. Da wir wussten, dass Kapitän König erst morgen um 03.00 Uhr in der Früh an Bord kommen würde, wollten wir ihn um diese Zeit überraschen. Deshalb verschwanden wir so gegen 22.00 Uhr in unserer, nun doch erhaltenen Kabine. Doch an Schlaf war in dieser Nacht sowieso nicht zu denken. Da man ja kein Bullauge öffnen konnte, war die Luft dort unten am Bug ziemlich stickig. Außerdem schlugen, bedingt durch das Hochwasser, immer wieder mit dumpfen Geräuschen große Äste sowie Bäume an den Schiffskörper. Dazu kam noch, dass die ganze Nacht über reger Schiffsverkehr herrschte. Der unruhige Wellenschlag trug auch das Seinige dazu bei. So war es auch nicht verwunderlich, dass wir schon um 01.30 Uhr total munter waren und auch gleich aufblieben.

 

                                  Bergfahrt mit MS "Stadt Wien"

Um 03.00 Uhr standen wir auch schon im Mittelgang bereit um Kapitän Raimund König zu begrüßen. Er, Schiffmann mit Leib und Seele war gerade in Pension gegangen, aber die Schifffahrt ließ ihn auch weiterhin nicht los. Noch ein echter DDSG- Mann, der auf den verschiedenen Schiffen der schon längst untergegangenen österreichischen Reederei fast sein ganzes Leben zugebracht hatte. Stolz konnte er auf fast 47 Jahre Donauschifffahrt zurückblicken, die letzten 20 davon auf "Admiral Tegetthoff", was gleich zu einer lustigen Anekdote führte. Man hatte auch auf den anderen Schiffen mitbekommen, dass er jetzt auf der "Stadt Wien" angeheuert hatte. So erzählte man sich untereinander: "Weißt eh, dass jetzt ein "Admiral" als Kapitän auf die "Wien" eingestiegen ist?". So gab es da wohl einige Kommunikationsschwierigkeiten, denn mit dem "Admiral" war nicht er, sondern sein langjähriges Schiff gemeint. Nach der lustigen Begrüßung wurde es auch schön langsam am Schiff lebendig. Oberkapitän Herr G. Wolloner begann damit Türen aufzusperren sowie überall das Licht einzuschalten. Auch er hatte an Bord geschlafen und machte keinen sehr ausgeschlafenen Eindruck. Genauso wie der Chefmaschinist und auch Steuermann "Onkel Stauby", Seele des Schiffs, zog seine Runden. Auch die beiden jungen Kellner kehrten wieder aufs Schiff zurück. Schön langsam trudelte auch das weitere nautische Personal ein. Darunter auch eine so genannte "Decksfrau", zu DDSG- Zeiten unvorstellbar. Eine hoch gebildete, sehr nette Dame, die aber auch ordentlich zupacken konnte. Überhaupt fiel auf, dass das Deckspersonal aus Mitglieder verschiedener Feuerwehren bestand. Sie lösten ihre Aufgaben jedoch recht zufriedenstellend. Statt "Wasser marsch", hieß es dann um 05.00 Uhr "Leinen los".

                                                                 

                Vor der Abfahrt wurde der "Baumstau" bei den Schaufelräder beseitigt, unter den kritischen Blicken der Kapitäne und Mannschaft. Auch die Kellner kamen an Bord. Die "Johanna" hatte bergfahrend in Tulln genächtigt.

Bei Passage des Kraftwerks Altenwörth war immer nur noch eine Schleusenkammer in Betrieb. Man konnte erkennen, was dort das Hochwasser angerichtet hatte. Hier hatten die Elemente mit unbeschreiblicher Wucht gewütet. Ja, und auch der Himmel konnte diese Zerstörung nicht mehr mitansehen, er begann leicht zu weinen.

                                                                

           Im Kraftwerk Altenwörth war noch immer nur eine Schleusenkammer in Betrieb, da an den Hochwasserschäden gearbeitet wurde. Die Beschädigungen waren noch immer an Land zu sehen.

Krems wurde planmäßig um 08.15 Uhr erreicht, wo die "Schönbrunn" schon dampfend und fauchend auf Einstiegswillige wartete. Auch die "Stadt Wien" nahm dort fast 100 neue Fahrgäste auf. Unter ihnen viele alte Haudegen vom österreichischen Marineverband, dessen erste Aktion damit begann ihre Flagge am Mast aufziehen zu lassen. Freundlich unterstützt von den beiden Kapitänen. Endlich ging es wieder weiter und man befuhr hinter der "Schönbrunn" die reizvolle Strecke. Hier waren die Hochwasserschäden mit bloßem Auge fast nicht mehr erkennbar, die Wachau zeigte sich schön wie immer. Dazu trug auch das Wetter bei, das jetzt sogar zeitweise sonnig wurde. Im Laufe der Fahrt fuhr man auch nebeneinander her, sodass es auch für die "Fotofreaks" genügend Motive zum Knipsen gab. Einen kleinen schiffmännischen Aufreger gab es dann aber doch noch. Im linken Nockhaus, wo wir dank den Kapitänen die Bergreise verbringen durften, konnte man deutlich den Funkverkehr zwischen den Schiffen mitverfolgen. Als nun Karl K., der im Dienst befindliche "Schönbrunn" - Kapitän, ein talfahrendes Schiff anwies: "Vorbeifahrt an der linken Seite. Wir "stecken" aus". Worauf wir im Nockhaus zusammenzuckten und sich Kapitän Wolloner noch bei mir vergewisserte: "Hat er jetzt links gesagt?". "Ja, das habe ich auch so gehört", musste ich zugeben. Unter "Ausstecken" versteht man in der Binnenschifffahrt das Betätigen des am Kommando rechts angebrachten Lichtsignales, welches dem entgegenkommenden Schiff signalisiert auf der rechten Seite vorbeizufahren. Es dauerte auch nicht lange bis die Richtigstellung von der "Schömbrunn" kam: "Bitte rechts vorbeifahren. Rechts vorbeifahren" Dass sich aber gewisse Dinge wohl nie ändern, zeigte sich auch an einer weiteren Tatsache. Als der Bootsmann den neuen Passagierstand bekannt gab, hatte er zum Zählen der Leute eine Zähluhr benutzt, die bei der DDSG schon vor gefühlten 100 Jahren im Einsatz war. Ja, manche Dinge ändern sich wohl nie.

                                                   

           In Krems wartete schon die "Schönbrunn" wo eine Partie alter Marine- Soldaten einstiegen. Dort kamen auch Reedereivertreter-Innen an Bord. Prüfende Blicke der Kapitäne, die beim Aufziehen der Marine - Flagge behilflich waren.

                                                                              

       Auch heute waren wieder die Schiffe im Linienverkehr in der Wachau unterwegs. Kleiner Schiffsstau vor Dürnstein. Alt trifft Neu- "Schönbrunn" überholt das moderne Schubschiff "Tulln". In voller Schönheit "Schönbrunn". Letztes Bild Sammlung Wolloner.

Da sich die "Schönbrunn" zurückfallen ließ, erreichte die "Stadt Wien" als erster Melk. Wo aber, trotz vorheriger Anmeldung und Reservierung kein Anlegeponton frei war. So wurde vorerst auf die andere Donauseite nach Emmersdorf ausgewichen, wobei es leicht hektisch wurde. Außerplanmäßig gingen dort diejenigen Fahrgäste von Bord die eine Stiftsbesichtigung gebucht hatten. Dazu musste der Autobus umgeleitet werden. Auch die Blasmusik, die zu unserem Empfang abkommandiert worden war, wurde dorthin umdirigiert. In ihren Uniformen spielten die jungen Mädchen und Burschen groß auf. Auch die "Schönbrunn", die ebenfalls keinen leeren Anlegeponton gefunden hatte, "dockte" sozusagen an die "Stadt Wien" an. Was gar nicht so einfach war, denn durch die vielen Umbauten auf der "Wien" passte fast nichts mehr zusammen. Doch durch die exakte und sichere Kommandoführung des "Schönbrunn"- Chefkapitäns gelang jedes noch so schwierige Manöver einwandfrei. Es dauerte auch nicht allzulange bis die Melker Anlegestege frei wurden und man überwechseln konnte. Hier verließen wir vorerst das Schiff um beim "Fährhaus" einzukehren. Dieses hatte schon wieder geöffnet und nichts deutete darauf hin, dass das Gebäude unter Wasser gestanden war. Aufgrund der vielen Kreuzfahrtsschiffe war der Gastgarten des Lokals fast schon überfüllt. Die Bedienung, eine Kellnerin und ein Kellner schienen etwas überfordert zu sein, denn es gab sehr lange Wartezeiten. Auch die "Schönbrunn" Mannschaft hatte sich dort zum Mittagessen versammelt. Wir aßen nur eine Kleinigkeit, auf den Nachtisch wurde verzichtet. Den sonst hätten wir die "Schönbrunn" zur Abfahrtszeit sicherlich nicht mehr erreicht. 

                                                                     

       Melk in Sicht, wo dann in Emmersdorf die Musikgruppe aufspielte. Kleine Pause für die Kellnerschaft die sich den Wind um die Nase wehen ließen. Vollgestopft mit Kreuzfahrtsschiffen, die Melker Anlegepontone.

 

                                   Mit DFS "Schönbrunn" talwärts

Pünktlich um 16.30 Uhr ertönte ein langer schriller Ton aus der Dampfpfeife und ein feiner Sprühregen ergoss sich auf die Passagiere am hinteren Oberdeck. In einer riesigen weißen Rauchwolke setzte sich das 101- Jähre alte Dampfschiff in Bewegung, es ging stromabwärts. Wobei diesmal die Kontrolle der Fahrkarten fast gänzlich entfiel. Wahrscheinlich appellierte man an die Ehrlichkeit der Passagiere. Bei strahlendem Sonnenschein glitt der Donauveteran majestätisch durch die Wellen und man musste aufpassen, beim rhythmischen, gleichmäßigen Stampfen der Maschinen nicht einzuschlafen. Mit uns hatte auch das Marine - Korps das Schiff gewechselt. Sofort wurde von ihnen versucht einen verantwortlichen Mann dafür zu finden, dass man auch hier ihre Flagge aufziehen konnte. Welches man ihnen natürlich erlaubte. Was in weiterer Fahrt wiederum der Chefkapitän so kommentierte: "Ich werde die alten Burschen einmal fragen ob sie wissen, dass das Aufziehen ihrer Flagge gleichzeitig mit der Bezahlung einer Kiste Bier verbunden ist?" Apropos Mannschaft, sie war fast mit derselben identisch, mit der das alte Dampfschiff auch sonst immer unterwegs war. Da gab es auch wieder den "Jungmatrosen", der weiterhin mit etwas verbissenem Gesichtsausdruck den Kamin und Mastbaum umlegte. Am Kommando führte der frischgebackene Kapitän Karl das Regiment, unterstützt vom Herrn Doktor am Ruder. Chefkapitän R. hielt sich bescheiden im Hintergrund, alle gefährlichen Manöver fielen aber in sein Revier. Aber auch der bei der letzten Reise als Steuermann und Kapitän eingesetzte junge Mann war sich diesmal nicht zu schade in der Maschine auszuhelfen. Man bemerkte halt schon, dass es sich dabei um wahre Enthusiasten handelte. Denen bereitete jede Arbeit am Schiff Freude. Sehr freundlich auch das Technische Personal, bei den jeweiligen Führungen durch den Maschinen- bzw. Heizraum.

                                                            

      Auch Melk hat das Hochwasser gut überstanden. Das "Fährhaus" hatte schon wieder geöffnet und auch das alte Agentiegebäude steht noch immer. Ebenfalls von der Fahrt begeistert, die Maschinisten der "Stadt Wien". Letztes Bild aus der Sammling Wolloner.

Auch bei dieser Fahrt gab es verschiedene Fahrformationen, eine wahre Fundgrube für die zahlreichen Fotofreunde. Unter lautem Hupen der Schiffssirenen gab dies wirklich tolle Bilder. Im Laufe der Talreise wurde auch das Würstel- Buffet offiziell eröffnet. Hier konnte man zwischen vier warmen Wustsorten wählen, auch die berühmten "Weisswürst" waren darunter. So gestärkt wurde KREMS schon weit vor der offiziellen Fahrplanankunft erreicht. Damit verband man kurzerhand noch ein weiteres Stück Talfahrt, ehe man erst beim Kremser Hafen umdrehte. Um danach wieder stromaufwärts zur Kremser Einstiegsstelle zu dampfen. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Was dabei etwas unangenehm auffiel waren die Marine - Leute, die sich immer wieder versuchten in den Vordergrund zu drängen.

Nach dem Umstieg in KREMS wieder auf die "Stadt Wien"tuckerten wir in den Abendhimmel, Tulln entgegen. Unter dem Kommando der beiden schiffmännisch unantastbaren Kapitäne sowie dem, mit einer einmaligen Bierruhe ausgestatteten Chefsteuermann. Jetzt blieb etwas Zeit um die Reise Revue passieren zu lassen.

                                                                      

                                   In Krems gab es spannende Manöver mitzuverfolgen, alle Kapitäne erwiesen sich als wahre Meister ihres Faches.

Es war wirklich ein schöner Ausflug, der sich sicherlich mehr Mitreisende verdient hätte. So etwas erlebt man nicht alle Tage. Das Würstel-Buffet rief auch viel Kritik hervor, was vielleicht auch zu verstehen ist. Denn je länger die Wurstwaren im heißen Wasser lagen, desto schlimmer ihr Geschmack. Hier wäre vielleicht ein Gulasch angebracht gewesen, wo man immer wieder frisch nachreichen konnte. Am Chaos bei Ankunft Melk war man schuldlos, man hatte ja seine Aufgaben gemacht. Eine lose Kontrolle beim Schiffswechsel wäre auch nicht schlecht gewesen. Aber bitte, im Großen und Ganzen war es doch eine wunderschöne Reise, zu dem auch das RUEFA- Reiseleiterteam viel beitrug. Genauso wie die Besatzungen der beiden Schiffe mit Restauration und Bedienung. Noch ein Wort zur "Stadt Wien". Dort waren zahlreiche Arbeiten durchgeführt worden, die den positiven Eindruck des Schiffes hervorhoben. Natürlich gibt es noch viel zu tun, man scheint aber auf einem guten Weg zu sein. Besonders die rechte Hand des Reeders, Kapitän Wolloner hat sicherlich viel Zeit und Herzblut in die ganze Sache gesteckt. Es gab aber eine Sache die mich ganz persönlich sehr störte. Als Schiffsjungen gehörte es immer zu unseren Aufgaben den Fahrtgeber in den Nockhäusern mit "Sidol" blitzblank zu scheuern. Während dies bei der "Schönbrunn" der Fall war, fiel auf der "Stadt Wien" dieser Umstand nicht nur mir unangenehm auf. Da dies sozusagen die Visitenkarte eines jeden Schiffes ist, sollte dies in der nächsten Zeit unbedingt in Angriff genommen werden. Aber wahrscheinlich ist das wie überall eine Personal und Kostenfrage. Diese Gedanken beschlichen uns, als wir wieder in Tulln anlegten. Dort wurden wir bereits von Gelsenschwärmen empfangen, die sich in Erwartung eines Festmahls ihre Servietten umgebunden hatten...

                                                           

                                      Frau Matrosin interessiert sich auch für das Ruder. Hier ist der Beweis- Fahrtgeber der "Schönbrunn" und "Stadt Wien".

 

 

 

           Mit der "Schönbrunn" zum Kunstmarkt nach Aschach

                                                     

 

Diesmal hatte sich das Reiseleiter - Team, für die vorletzte Reise in diesem Jahr der Linzer DDSG- Pensionisten, etwas ganz besonderes ausgedacht. Mit dem ehemaligen DDSG- Salondampfer "Schönbrunn" sollte die Fahrt nach ASCHACH, zum dort stattfindenden Kunstmarkt, gehen. Eine besonders reizvolle Reise, an der wir natürlich auch teilnehmen wollten. Als wir jedoch am Sonntag, dem 24.08.2014 aus dem Zug stiegen, begann es zu regnen. Das erste Mal nach langer Zeit, dass wir bei unseren Ausflügen schlechtes Wetter hatten. Gott sei Dank blieb das nicht so, der Himmel hatte doch ein Einsehen. Als wir am Liegeplatz des Donauveteranen eintrafen, klarte es bereits auf. Obwohl es mitten in der Urlaubssaison war und man auch das Wetter nicht als wirklich einladend bezeichnen konnte, hatten ca. 38 DDSG- Clubmitglieder sowie deren Verwandte und Bekannte den Weg hierher gefunden. Ja, ein Mitglied kam gleich mit 10 Leuten in seinem Schlepptau an Bord. Organisiert wurde der Einstiegsvorgang vom wie immer sehr kompetenten Reiseleiter- Team, das alles im Griff hatte. Schon lange vor der angegebenen Einstiegszeit wurden die ihnen anvertrauten Leute mittels ausgedruckter Kärtchen mit der Aufschrift "DDSG- Pensionisten- Gruppe B."  herzlich begrüßt und fachmännisch an Bord geschleust. Die beiden B-s, hatten wirklich keine Kosten und Mühen gescheut, sodass einem gemütlichen Ausflug nichts mehr im Wege stand. Mit einigen Minuten Verspätung (man kam nicht gleich vom Anlegeponton weg), startete man mit ca. 350 Fahrgästen. Das Wetter zeigte sich weiterhin wechselhaft, kurze Regenschauer wechselten sich mit längeren sonnigen Abschnitten ab.

                                                                     

                                 Mit einer Rauchwolke grüßt der Donau- Veteran seine Fahrgäste. Auch die "Linzerin" macht sich auf ihre Fahrt durch die Linzer Häfen.

Im Prinzip war die Crew der "Schönbrunn" identisch mit der, die wir von unseren früheren Reisen her kannten. Nur gab es dieses Mal gleich zwei Bootsleute, wobei sich einer von ihnen auch als Steuermann versuchen durfte. Ja, und das Unikat "Rauchi" fehlte leider. Dafür tat bei der Maschine endlich wieder Ex- DDSG- Maschinist Max Dienst. Der Chefkapitän hatte das Kommando wieder seinem ehemaligen Steuermann Karl überlassen, war aber jederzeit dazu bereit im Notfall helfend einzuspringen. Chefkapitän Sepp hatte, wohl der Anwesenheit seiner ehemaligen DDSG- Kameraden geschuldet mit denen er ja einst gefahren war, ein großes Mitteilungsbedürfnis. In seiner sympathischen Art berichtete er uns von den Schwierigkeiten, die der Verein in Bezug auf die Donau-Schifffahrt hatte. Seine Aussagen gipfelten schließlich in dem bedeutenden Satz: " Wenn wir die Eisenbahn  nicht hätten, dann wären wir schon längst weg". So sah man dann auch den schon etwas hohen Fahrpreis in einem ganz anderen Licht. Das Mittagessen am Schiff  musste man bereits kurz nach dem Einstieg bestellen, da die Restauration anscheinend auf einen solchen Ansturm nicht vorbereitet war. Da wir uns jeglichen Stress ersparen wollten, beschlossen wir selbst in ASCHACH zu speisen. Eine Meinung, der sich auch viele weitere Gäste anschlossen.

                                                                      

                                        Bewegung am Schiff- die Schleuse kommt in Sicht. Das Gerangel um die besten Plätze kann beginnen. Vereinzelt tauchen große Kabinenschiffe auf

ASCHACH wurde ganz genau lt. Fahrplan um 13.15 Uhr erreicht, wo das Mittagessen im Gasthausgarten des Lokals "ZUR SONNE" eingenommen wurde. Es gab große Auswahl und wir speisten dort wirklich ausgezeichnet. Wie gut wir damit beraten waren außerhalb zu essen, bewies uns Fritz- des "Teufels Oberheizer". Auf unsere Frage ob er schon gegessen hätte, erklärte er etwas knurrend. "Ja, das habe ich schon am Schiff getan. Ein zaches (zähes) Gulasch. So etwas Zaches habe ich ja noch nie gegessen". Der Kunstmarkt war sehr gut besucht und wir mussten uns den Weg durch die Menschenmassen bahnen. Kein Vergleich zu dem vor einigen Jahren, als wir auch hier waren. Es gab in diesem Jahr viel mehr Buden und auch für Attraktionen war gesorgt. So wurde z. B. eine Zillen- Fahrt am Strom angeboten, die wir aber nicht in Anspruch nahmen. Nach einem hervorragenden Eis sowie vorzüglichem Süßgebäck ging es wieder zurück an Bord.

                                                      

                        ASCHACH lässt grüßen. Das letzte Dampfschiff macht einen imposanten Eindruck. Nach dem Mittagessen der Besuch am Kunstmarkt mit einigen Attraktionen

Um 16.00 Uhr wurde lt. Fahrplan abgelegt und man dampfte Linz entgegen. Viele ehemalige DDSG- Kapitäne ließen sich die Gelegenheit nicht entgehen auch am Kommando nach dem Rechten zu sehen. Schließlich stand man ja auch einmal da oben. Immer animiert von den Worten des Chefkapitäns: "Könnts jederzeit hinaufgehen, ihr kennt euch hier ja aus". Besonders nett auch die Gespräche mit zwei überaus sympathischen Schwestern, die auch heute wieder dabei waren. Leider fehlte bei diesem Ausflug unser allseits beliebter Otto, der diesmal andere Verpflichtungen hatte. Diese DDSG- Ikone hätte sicherlich noch viele "Schmankerln" beitragen können. Dieses wurde aber von den langjährigen Kapitänen Peter und Josef übernommen. Je näher man der oberösterreichischen Landeshauptstadt kam, umso schöner wurde das Wetter. Als man überpünktlich am Zielort umdrehte, strahlte die Sonne vom Himmel. Obwohl wir als einer der Letzten ausstiegen, wartete das Reiseleiter- Team an Land, um sich noch persönlich von uns zu verabschieden. Sehr sozial.

                                                                        

                                                                  Ja, wer sitzt denn da im Gastgarten? Oldies der Schifffahrt- Peter und Josef

Vielen Dank liebe Irmgard und Josef. Es war wirklich eine schöne Reise mit großem Wiedersehenfaktor. Hoffentlich gibt es im nächsten Jahr noch mehr davon? Obwohl ja die Planung immer schwieriger wird. Wenn ich aber so an die eingangs erwähnten Worte des Chefkapitäns in Bezug auf die "Schönbrunn" denke, dann gewinnt die Aussage des Bootsmanns bei der Verabschiedung immer mehr an Bedeutung. Dieser verabschiedete die Gäste beim Aussteigen mit den Worten: "Kommen sie bald wieder, wir brauchen ja ihr Geld". Ein Satz, der natürlich nicht so gemeint war, der aber genau die Situation der so genannten "Nostalgieschiffe" in der heutigen Zeit widerspiegelt...  

                                                   

                                                                            

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

                                                                                                                                                     

 

 

                       Lt. Kollektivvertrag für die Dienstnehmer der Donauschifffahrt vom 31. März 1953

 

                          Ausmaßtabellen für die Berechnung der Fahrdienstzulagen in Hundertsteln von währungslosen Bezugseinheiten.

                                             I. Im Zugdienst für je 1000 Anhangtonnenkilometer.

                                          

Gruppe Schiffe Regensburg - Passau Regensburg - Passau Passau- Komarom Passau- Komarom Komarom - Moldova Komarom- Moldova Moldova - Turn Severin Moldova - Turn Severin Turn Severin - Sulina Turn Severin - Sulina

 

    Berg Tal Berg Tal Berg Tal Berg Tal Berg Tal
I Cyklop, Goliath, Kammegg, Kolmegg, Korneuburg, Kranzegg, Langegg, Persenbeug, Samson, Schonka, Suppan, Vacz.  

 

 

 

 

9.39

 

 

 

 

 

3.63

 

 

 

 

 

11.85

 

 

 

 

 

4.14

 

 

 

 

 

4.84

 

 

 

 

 

2.20

 

 

 

 

 

11.00

 

 

 

 

 

2.20

 

 

 

 

 

3.96

 

 

 

 

 

1.76

II. Admiral Lacaze, Dr. Karl Renner, Freudenau, Isper, Ostarrichi, Puchenau, Ried, Schwechat, Strassbourg, Thaya, Traisen, Hirschenau, Hohenau, Salzburg, Graz, Bregenz.  

 

 

 

 

 

 

 

9.57

 

 

 

 

 

 

 

 

3.73

 

 

 

 

 

 

 

 

14.83

 

 

 

 

 

 

 

 

5.19

 

 

 

 

 

 

 

 

5.72

 

 

 

 

 

 

 

 

2.55

 

 

 

 

 

 

 

 

12.98

 

 

 

 

 

 

 

 

2.33

 

 

 

 

 

 

 

 

4.40

 

 

 

 

 

 

 

 

1.94

III. Döbling, Loisach, Pielach, Rax, Stubach, Währing, Innsbruck.  

 

 

10.21

 

 

 

3.83

 

 

 

20.93

 

 

 

7.36

 

 

 

5.85

 

 

 

2.64

 

 

 

16.28

 

 

 

2.95

 

 

 

4.71

 

 

 

2.07

IV. Inn, Isar 10.72 4.07 22.55 7.97 --- --- --- --- --- ---
V. Hainburg, Weichsel.  

11.96

 

4.45

 

26.14

 

10.28

 

7.22

 

3.26

 

32.69

 

5.90

 

6.42

 

2.86

VI. Kastor, Pollux 15.84 5.94 39.60 15.84 8.10 3.65 40.39 7.35 7.70 3.43

Anmerkung I:

Bei Verwendung auf der Strecke Passau - Komarom werden für "Puchenau" die Ausmaße der Gruppe III, für DS "Samson" die Ausmaße der Gruppe II zur Verwendung gebracht.

Anmerkung II:

Für MSG "Hainburg" tritt im Güterdienst an Stelle des Ausmaßes V ein Tagespauschalsatz im Hundertsatz von S 24.20, wenn die Fahrleistungszulage zuzüglich allfälliger kollektiver Überstunden den Pauschalsatz nicht erreicht. Die Fahrleistungszulage wird in der Zeit zwischen 22 und 6. Uhr nicht verrechnet. Für diese Zeit werden im Rahmen des Abschnittes E, I, § 5b, kollektive Überstunden bezahlt. Vom mitgeführtem Anhang gelangen 50 Prozent der Atkm. zur Anrechnung.

Zuschläge:

März bis September 12 Prozent
Oktober bis Februar 22 Prozent

 

Für Stehzeiten auf der Strecke unterhalb Komarom wird als Ersatz für nicht ins Verdienen gebrachte Fahrleistungszulage in nachstehend genannten Fällen eine Zulage folgenden Ausmaßes gewährt:

a)    Wenn das Fahrzeug länger als zwei volle, aufeinander folgende Kalendertage auf Anhang wartend ist, ab dem dritten Tag E 23.10 pro Tag.

b)    Bei Aktionsunfähigkeit des Schiffes ( z. B. infolge Havarie) E 11.55 pro Tag.

 

  II. Im Personenschiffsdienst für den zurückgelegten Schiffskilometer

März bis September E 0.1507
Oktober bis Februar E 0.1644

                                           

Die Fahrleistungszulage wird in der Zeit zwischen 22 Uhr und 6 Uhr nicht verrechnet. Für diese Zeit werden im Rahmen des Abschnittes E, I, § 5B, kollektive Überstunden bezahlt.

Als garantierter Mindestverdienst (Fahrleistungszulage zuzüglich allfälliger kollektiver Überstundenvergütung) werden E 24.20 im Hundertsatz je Einschiffungstag festgesetzt.

 

   III. Ausmaß für die Fahrstunden im Bugserdienst und für sonstige Dienstarten.

a).    Bugserdienst oder Lokaldienst in Linz und Wien, Hilfeleistungen, Vorspann, Eisbrechen, Fahrrinnenmarkierung:

März bis September E 1.98
Oktober bis Februar E 2.16

          je Fahrstunde zwischen 6 - 22 Uhr.

Die Fahrdienstzulage wird in der Zeit zwischen 22 Uhr und 6 Uhr nicht verrechnet. Für diese Zeit werden kollektive Überstunden bezahlt. Der garantierte Mindestverdienst (Fahrleistungszulage zuzüglich allfälliger kollektiver Überstundenvergütung) beträgt E 24.20 im Hundertsatz je Tag.

Bei MB "Max" werden mit Rücksicht auf den Drei-Schichtenbetrieb keine Überstunden bezahlt. Der garantierte Fahrleistungsverdienst für MB "Max" beträgt in der Zeit von März bis September E 577.50 je Monat (19.25 je Tag), in der Zeit von Oktober bis Februar E 643.50 je Monat (21.45 je Tag) im Hundertsatz.

b).    Leerfahrten (mit Ausschluss von Fahrten zwecks Intaunahme, Verstellung oder Abheftung des eigenen Anhanges, Werfteinlauf, Werftauslauf, Werftprobefahrten im Hafenbereich, sämtliche Versorgungsfahrten (Provianteinkauf, Brennstoff-, Material-, Inventar-, Wasserfassen usw.), Liegeplatzwechsel, Ausweichmanöver . dgl. ).

Lokaldienst, ausgenommen Linz und Wien:

März bis September E 1.73
Oktober bis Februar E 1.88

                                                                  

Die Fahrdienstzulage wird in der Zeit zwischen 22 Uhr und 6 Uhr nicht verrechnet. Für diese Zeit gibt es kollektive Überstunden.

c).    Tankpendelverkehr Lobau - Korneuburg - Moosbierbaum:

März bis September E 2.22
Oktober bis Februar E 2.42

          je Fahrstunde zwischen 6 - 22 Uhr.

Die Fahrleistungszulage wird in der Zeit zwischen 22 Uhr und 6 Uhr nicht verrechnet. Für diese Zeit kommen kollektive Überstunden zur Anwendung.

 

An der Fahrleistungszulage (Normalgebühr) sind die einzelnen Besatzungsmitglieder, auch bei Einteilung "über Stand", ihrer Tätigkeit an Bord entsprechend (also ohne Rücksicht auf ihren Dienstgrad), mit folgenden Hundertsätzen beteiligt:

Kapitän 110 %
Kapitän ohne Rechnungsleger, gegen entfall der Verteilergebühr 130 %
II. Kapitän 80 %
Rechnungsleger mit Patent 65 %
Rechnungsleger ohne Patent 50 %
Lotse 80 %
I. Steuermann 70 %
II. Steuermann 60 %
Schlepplotse 60 %
Bootsmann auf Personenschiffen 60 %
Bootsmann auf Zugschiffen 50 %
Matrose 40 %
Koch oder Köchin 40 %
MBL (leitender Maschinist) 110 %
II MBL (Maschinist) 70 %
Maschinen oder Motorenwärter 60 %
Kesselwärter auf Dampfschiffen im Monat Juni, Juli und August 60 %
Kesselwärter auf Dampfschiffen in den übrigen Monaten 50 %
Heizer auf Dampfschiffen im Juni, Juli und August 55 %
Heizer auf Dampfschiffen in den übrigen Monaten 45 %

            

Die auf Personenschiffen eingeteilten Rechnungsleger erhalten für die Kabinenmanipulation 30 % des Hundertsatzes der ihnen zustehenden Fahrleistungszulage.

 

 

                                                  

                            

                                                                                                                               

 

 

 

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